Schlagwort: Album

  • Teutonic Slaughter sind mit neuem Album zurück

    »Cheap Food« ist solider Ruhrpott-Thrash

    Die Gladbecker Thrasher mit dem in der deutschen Übersetzung doch eigenwilligen Namen Teutonic Slaughter sind zurück mit einem neuen Album. »Cheap Food« heißt der dritte Longplayer der vierköpfigen Combo und brilliert im Anschluß an einen einleitenden gesprochenen Rückblick auf das Geiseldrama von Gladbeck, ihrer Heimatstadt, im Jahre 1988 mit astreinem Ruhrpott-Thrash. Dazu kommt ein schönes oldschoolig-augenzwinkerndes Plattencover. Zugegeben: Recht kurz ist die Platte mit gerade einmal acht Songs und 36 Minuten Spieldauer eigentlich schon. Nach dem Intro, welches die Abfolge der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Geiseldrama aufzählt und dabei leider den Tod des 14-jährigen Emanuele De Giorgi vergißt, welcher im zwischenzeitlich gekidnappten Bus versuchte, seine kleine Schwester zu beschützen, startet der direkt nachfolgende Song »Hostage« deutlich konsequenter das neue Album. Rund vier Jahre nach dem letzten Album »Decade Of Terror« (2022) tut es gut, wieder was Neues von den Jungs zu hören. Dabei bleibt die Band ihrem »Oldschool« Thrash-Metal treu. Der Charme der 1980er, als Bands wie Kreator oder Sodom in den Kinderschuhen steckten und einfach schnellen Thrash spielen wollten. In diesem Zusammenhang seien auf der neuen Platte insbesondere der Titelsong »Cheap Food«, »Redistribution« oder »Eviscerating Surgery« empfohlen. »Give em Hell«, der letzte Track läßt irgendwie Pennywise-Vibes aufkommen und streut zum Ende noch einmal Nachrichtenfetzen zum Geiseldrama, gesprochen vom 2019 verstorbenen Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben, in die ausklingende Musik ein.

    Die neue Platte weiß meiner Ansicht nach insgesamt absolut zu überzeugen, läßt sich top immer wieder am Stück durchhören, und wen die kurze Spieldauer vielleicht stört, dem sei gesagt, daß das Album auch nicht die üblichen Vinyl- oder CD-Preise aufruft, sondern mit 18 Euro für die LP und 12 Euro für die CD ein gutes Stück darunter liegt. Doch überhaupt sollte man als Fan des Genres auch nicht unbedingt bei den »Kleineren« der Szene geizig sein, ohne »klein« abwertend zu meinen. So gerne ich Kreator höre, so sehr mag ich das gute alte »Geballer« und die Jungs haben mich mit ihrer neuen Platte absolut nostalgisch abgeholt. Nicht aufgrund der schrecklichen Ereignisse in ihrer Heimatstadt, die natürlich ihrerseits niemals vergessen werden dürfen, sondern mit ihrem Thrash.

    Teutonic Slaughter – »Cheap Food«. Erschienen am 30. Januar 2026 bei Iron Shield Records.

    (Text: chrkuehne, Foto: teutonicslaughter.bigcartel.com/)

  • Alles neu macht der Oktober:

    Perkeles 13. Studioalbum »Theater« erschienen

    Die Band Perkele, im Jahre 1993 im schwedischen Göteborg aus der Taufe gehoben, war viele Jahre und Alben lang bekannt für ihre eingängigen Punk-Melodien und damit einhergehend deutlichen Positionen gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus oder Homophobie. Genretechnisch ursprünglich aus dem Oi- und Streetpunk kommend, entwickelten die Mannen um Sänger und Leadgitarrist Ron Halinoja ihren eigenen Stil immer weiter und konnten ihre treue Fangemeinde immer wieder aufs neue begeistern. Ihre Hymne »Heart full of Pride« vom 2012er Album »No Shame« schließt jedes Konzert als Höhepunkt ab und gilt als wohl bekanntestes Stück der »Teufelchen« (»Perkele«).

    Die leichtgängigen Melodien erscheinen vielleicht manchmal etwas simpel, verfehlen jedoch ihre Botschaften weiterhin nur selten. Da geht es um die Probleme und Sorgen der Arbeiterbewegung, um Spaß am Leben oder auch um ihre geliebte Heimatstadt Göteborg. Waren Perkele anfangs höchstens einem kleineren Kreis in ihrer Heimat ein Begriff, entwickelten sie sich spätestens seit der Entscheidung, größtenteils auf Englisch zu Texten und zu singen, auch im Rest Europas eine wachsende Fangemeinde. Die Auftritte sind regelmäßig sehr gut besucht bis ausverkauft und die Jungs ohne Starallüren quasi eine Band zum Anfassen, die auch via Social Media nie verlegen ist, Anfragen in Windeseile persönlich zu beantworten. Und Fragen hatten wohl viele Fans in den Wochen vor Erscheinen des neuen Albums. Bereits vor Veröffentlichung der ersten Single »Theater« des gleichnamigen neuen Albums am vergangenen 4. Juli 2025 wurde über Social Media die Spannung gesteigert, indem man durchsickern ließ, daß ein neuer Stil und ein neues musikalisches Gewand ins Haus stehe. Hatte die Band zuletzt mit der EP »Back in Time« (2023) eine eher metal-lastige Neuvertonung einiger Klassiker veröffentlicht, lag, wer dachte, es würde in dieser Richtung weitergehen, komplett daneben. Die zweite vorab veröffentlichte Single »Sail Away« bestätigte den neuen Sound, bestehend aus leichteren Melodien als zuletzt, die eingängiger zum Mitsingen und -Tanzen einladen, jedoch weiterhin eine Botschaft transportieren wollen. Ging es zuletzt oft um schwere Themen, wie Selbstmord, Ausgrenzung oder gesellschaftliche Probleme, soll das neue Album eine Weiterentwicklung ihres Sounds in Richtung hellerer Töne und Themen, die Mut machen, sich nicht unterkriegen zu lassen und man selbst zu sein, darstellen. Während »Burn«, der erste Track der neuen Scheibe, direkt zur Mitsingnummer taugt und erstmal richtig pusht, beschäftigen sich Songs wie »Give it Back«, »Theater«, »Still there« oder »Attitude« deutlicher mit dem Thema der eigenen Identität im Sumpf des vorurteilbehafteten gesellschaftlichen Mainstreams. Immer wieder wird aufgerufen, seinen eigenen Weg zu gehen und in »Attitude« insbesondere dazu aufgerufen, als Punk die Werte der Bewegung nicht zu vergessen. Während es nach »Burn« musikalisch etwas ruhiger wird auf der Scheibe, präsentiert sich die zweite Hälfte der Songs wieder deutlicher im alten Perkele-Muster mit mehr rockigen Einlagen. Obschon die Band also angekündigt hatte, grundlegend am Stil zu feilen, wurde nicht alles über den Haufen geworfen, sondern mit Bedacht bearbeitet, anders als der etwa radikale Logo-Wandel, weg von der »Punkrock-Army«, hin zu sanfteren Formen. Das neue Album »Theater« ist am 3. Oktober 2025 beim deutschen Label Spirit of the Streets erschienen und auf allen gängigen Streaming Plattformen sowie den üblichen Tonträgern erhältlich.

    Plattensammler aufgemerkt: Das Bild zeigt die ebenfalls erhältliche und auf 1.000 Stück limitierte »Gold-Nugget« Vinyl. Das Logo und der Albumtitel des Covers sind geprägt und zusätzlich hat das Coverbild eine spezielle Lackveredelung. Das Vinyl selbst ist kein normales farbiges Vinyl, sondern eine spezielle Fertigung, wodurch eine Gold-Optik entsteht.

    »Gold Nugget« Vinyl des neuen Albums. (Foto: Spirit of the Streets)
  • Europatour und neues Album:

    Kreator legen nach mit »Krushers Of The World«

    Nach dem Gastspiel der Altenessener Thrasher im Dezember 2024 in Esch, als sie gemeinsam mit Anthrax und Testament die Rockhal zum Brennen brachten, kündigen Kreator um Frontmann Mille Petrozza am Mittwoch erneut Großes an: Ein neues Album mit dem Titel »Krushers Of The World«, ihr mittlerweile sechzehntes Studioalbum nach »Hate Über Alles« im Jahr 2022, soll am kommenden 16. Januar 2026 veröffentlicht werden, begleitet von einer Europa-Tour. In diesem Zusammenhang werden die Thrash-Titanen aus dem Ruhrpott am kommenden 31. März 2026 auch wieder in der Escher Rockhal zu Gast sein. Mit dabei haben sie diesmal die britischen Death-Metal/Grindcore-Veteranen von Carcass sowie der US-amerikanischen Powerviolence-Formation Nails. Dazu werden sie außerdem begleitet von Exodus. Letztere, eine im Jahr 1979 in Kalifornien ins Leben gerufene Thrash-Metal-Formation, gehören ohne Frage wie Kreator zum Who-Is-Who der internationalen Thrash-Szene. Exodus hat bisher elf Studioalben veröffentlicht, zuletzt die absolut hörenswerte Scheibe »Persona Non Grata« im Jahr 2021. Exodus, wie Kreator haben sich dem klassischen Thrash-Metal verschrieben, behandeln Themen wie Krieg, soziale und gesellschaftliche Probleme und sind ihrer Linie bis heute treu geblieben. Kreator-Tracks, wie »World War Now« oder »Totalitarian Terror« haben auch nach Jahren an Aktualität nur noch zugenommen.

    Wer also gedacht hatte, daß es um Kreator im kommenden Jahr vielleicht etwas ruhiger werden könnte, nachdem 2025 bereits eine ganze Reihe Festival- und Hallenauftritte absolviert, ein Film über die Band mit dem Titel »Hate & Hope« sowie Petrozzas exzellent geschriebene Autobiographie »Your Heaven – My Hell« über die ersten Jahre der Band und sein eigenes Leben im Ruhrgebiet der 1970er und 80er Jahre veröffentlicht wurden, der hat sich geirrt. Bereits in den vergangenen Tagen haben kryptisch anmutende Nachrichten auf den Social-Media-Kanälen der Band das Neue angekündigt. Die erste Single aus dem neuen Album mit dem Titel »Seven Serpents« soll noch an diesem Freitag, dem 26. September veröffentlicht werden, gleichzeitig mit dem Pre-Sale (Vor-Vorverkauf) auf Eventim.

    Vorverkauf startet bald

    Der reguläre Vorverkauf für die »Krushers Of The World«-Tour beginnt am Montag, dem 29. September 2025 um 10 Uhr auf den bekannten Plattformen. Weitere Infos hierzu unter http://www.kreator-terrorzone.de/. Für das Konzert in der Escher Rockhal beginnt er zur gleichen Zeit auf https://rockhal.lu/shows/kreator-2026/.

    Nach den mitreißenden Shows auf Festivals 2025 und einer unfaßbar geilen Deep-Cuts Club-Minitour in packevollen Sälen gemeinsam mit Warbringer und Rotting Christ legen Mille, Ventor Sami und Frédéric noch eine Scheibe drauf und wieder haben sie erstklassige Unterstützung an Bord. Ein Highlight wird sicherlich dabei auch das »Heimspiel« in Essen im kommenden April werden. Wenn dieser Mittwoch mal nicht ein frühzeitiges Weihnachtsgeschenk ist, dann weiß ich es auch nicht.

    (Text: chrkuehne, Foto: Kreator)

  • »Celestial Lands« von Wolvencrown

    Eine klangvolle Reise in den atmosphärischen Black Metal:

    Wenn es um Metal als Musikrichtung geht, schweben uns wohl sofort die alten und neuen Schwergewichte der Szene vor. Wenn es jedoch um Black Metal geht, gehen die Meinungen schnell auseinander. Für viele Zeitgenossen, die gerne mal Iron Maiden oder Judas Priest hören, eine eher düstere und unheimliche Welt. Dabei hat dieses Genre ebenfalls seine Stilrichtungen, wie Thrash Metal, Power Metal oder Speed Metal ebenfalls unterschiedliche Strömungen sind.

    In der schier unendlich vielfältigen Welt des Black Metal gibt es da etwa Atmospheric Metal, welcher insbesondere in Großbritannien seine Vertreter findet. Er zeichnet sich oft durch eine Mischung aus rauer Energie gepaart mit atmosphärischen Melodien aus. Besonders der melodische Black Metal hat in den letzten Jahren durchaus an Bedeutung gewonnen. Bands wie Fen oder Saor sind längst keine Unbekannten mehr. Letzteres ist ein im Folk-Bereich angesiedeltes Solo-Projekt von Andy Marshall (ehemals Falloch) und 2025 ebenfalls mit neuem Album auf Tour

    Die Band Wolvencrown aus Nottingham vertritt selbst das Genre des Atmospheric Black Metal und stand international bisher eher nicht im Vordergrund, gab sie doch erst vor rund 5 Jahren ihr Debüt mit dem Album »Of Bark And Ash«, gefolgt von 2 EPs in 2017 und 2021 (»Wolvencrown« sowie »A Shadow of What Once Was«. Wolvencrown, das sind Reece Atkin, Matt Dawson, Nick Horton, Will Cupitt sowie Chris Marsland.

    Auf der Streaming-Plattform Spotify zählt die Band aktuell etwas weniger als 300 monatliche Zuhörer, was ihren Geheimtipp-Status zumindest nach diesem Kriterium noch unterstreichen dürfte. Mit »Celestial Lands« hat die fünfköpfige Band im vergangenen November ihr zweites Studio-Album vorgelegt, welches 8 vorwiegend lange Tracks enthält, die ein neues Kapitel in der noch jungen Bandgeschichte aufzuschlagen scheinen.

    Eigentlich sind es keine vollständig neuen Stücke, welche die neue Scheibe enthält. Es handelt sich teils um Songs, die schon zuvor bereits bei Live-Auftritten gespielt und nun endlich auf Vinyl und CD gepreßt wurden.

    Das neue Album ist eine regelrechte Explosion von Klangfarben und nicht zuletzt das herausragende Albumcover macht es zu einer voluminös-atmosphärischen Reise in die Magie der Beziehung zwischen Mensch und Natur mit allen Facetten und einem Hingucker im Plattenregal. Ich habe es insbesondere in den dunklen Wintermonaten gern auf Wanderungen und Spaziergängen gehört. Gerade inmitten der winterlich kargen Natur hat das Album für mich sein ganzes atmosphärisches Spektrum entfaltet.

    Gitarrenriffs, typisches schnelles Schlagzeug und keyboard-intensive Abschnitte machen aus der rund einstündigen Platte eine bewegende musikalische Erfahrung mit Gänsehaut-Momenten.

    Die Album-Premiere seinerzeit auf dem für Album- und Bandvorstellungen des Genres relevanten YouTube-Kanal Black Metal Promotion brachte bei mehr als 20.000 Zuhörern ein begeistertes Feedback. Bleibt zu hoffen, in absehbarer Zeit hierzulande oder in der Großregion auch Live am Sound der fünf aus Nottingham teilhaben zu können.

    »Celestial Lands« ist am 25. November 2024 beim italienischen Label Avantgarde Music auf Vinyl (Auf 150 Stück limitierte Special Edition erhältlich), CD sowie digital erschienen.

    Albumcover (Foto: Avantgarde Music)
  • Finnische Urgewalt

    Neues Album »Ikiharmaja – (Evergrey)« von Sammale

    Finnland, das sind endlose Wälder, Seen und Flüsse, Fabelwesen und Urgewalten der nordischen Welt – und in jedem noch so kleinen Dorf eine Metalband, wie wir kürzlich aus einer kurzen aber schönen Arte-Reportage lernen konnten, obwohl wir es ja eigentlich schon immer wußten. Die Finnen verstehen ihr musikalisches Handwerk in mannigfaltigen Genres. Eines, das es mir persönlich angetan hat, ist das des Melodic Black Metal.

    Hier bin ich vor einigen Tagen über eine Album-Veröffentlichung gestolpert, die mich sofort in ihren Bann zog: »Ikiharmaja – (Evergrey)« der finnischen Band Sammale, deren Markenzeichen eine Mischung aus Melancholie und verträumter Atmosphäre ist, die sich sehr häufig an Elemente aus der finnischen Natur und nationalen Identität im Angesicht jahrhundertelanger Fremdherrschaft und erreichter Selbständigkeit anlehnt. Die Texte des neuen Albums drehen sich so neben dem erwähnten Gedicht auch um Trauer im Ersten Weltkrieg sowie Volkslieder. Diese Bodenständigkeit, ausgedrückt durch das Stilmittel des Black Metal, ist für mich deutlich faszinierender, als die x-te »Teufel«,»Hölle«-Thematik anderer Metal-Vertreter.

    Es ist die bisher vierte Veröffentlichung der Nordländer und gleich das erste Stück trägt atmosphärisch ordentlich auf: »Vapauden Virsi« (»The Hymn of Freedom«) beinhaltet den Text eines Gedichts mit dem selben Namen von Eino Leino, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten sowie eines großen Vertreters der Poesie des Landes und handelt von der Unabhängigkeit Finnlands von russischer und schwedischer Herrschaft.

    Insgesamt bieten die fünf langen Tracks des am 28. März digital, auf CD und Kassette bei Naturmacht erschienenen Albums eine gelungene Kombination aus traditionellen Klängen und Metal-Komponenten, häufig sehr melodisch und nicht zu abstrakt. Ein wunderschönes Cover-Artwork rundet das Ganze ab. Ich hoffe auf eine Vinyl-Ausgabe.

    Albumcover (Foto: naturmacht.com)