Schlagwort: Metal

  • Exodus melden sich zurück

    Neues Album und Live-Show in der Rockhal

    Dienstag wird es laut in der Rockhal: Die US-amerikanischen Legenden aus der kalifornischen Bay-Area, Exodus, rücken an, um ihr brandneues Album »Goliath« live vorzustellen. Mit dabei ist eine alte Bekannte am Mikrofon und eine musikalische Wucht, die beweist, dass Thrash Metal im Jahr 2026 lebendiger ist denn je.

    Wer glaubte, die Urgesteine des Thrash Metal würden sich nach über 40 Jahren Bandgeschichte auf ihrem Altenteil ausruhen, wurde am vergangenen Freitag eines Besseren belehrt. Mit der Veröffentlichung ihres zwölften Studioalbums »Goliath« haben Exodus ein Monster erschaffen, das seinen Namen zu Recht trägt. Am kommenden Dienstag, den 31. März, wird dieses Ungetüm in der Rockhal von der Leine gelassen.

    Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

    Die Nachricht, die in der Metal-Szene einschlug wie eine Bombe: Nach elf Jahren ist Rob Dukes zurück am Gesang. Dukes, der bereits zwischen 2005 und 2014 die Ära der »Atrocity Exhibition« prägte, bringt eine Aggressivität und stimmliche Varianz zurück, die dem neuen Material eine beeindruckende Durchschlagskraft verleiht.

    Das Album selbst bricht mit Konventionen. Während Tracks wie »Beyond The Event Horizon« die für Exodus typische Lichtgeschwindigkeit halten, wagt sich die Band im Titeltrack »Goliath« in doomige Gefilde vor – unterstützt von der Violinistin Katie Jacoby. Es ist diese Mischung aus gnadenloser Härte und mutigen Experimenten, die »Goliath« schon jetzt zu einem der interessantesten Metal-Alben des Jahres macht.

    Ein Abend der Superlative

    Der Auftritt am kommenden Dienstag ist Teil der gewaltigen »Krushers Of The World« Tour 2026. Exodus flankieren auf dieser Tour, die vergangene Woche in Lissabon startete, die deutschen Genre-Könige von Kreator und die britischen Grindcore-Pioniere Carcass sowie die ebenfalls aus Kalifornien stammenden Extreme-Metaler von Nails. Ein Line-up, das die Rockhal in einen denkwürdigen Abend tauchen dürfte.

    Für Fans der ersten Stunde ist der Auftritt ein Muß. Exodus gelten als die Band, die den Bay Area Thrash miterfunden hat – noch bevor Metallica ihren weltweiten Siegeszug antraten. Daß Gründungsmitglied Tom Hunting nach seinem überstandenen Krebsleiden wieder mit gewohnter Präzision hinter dem Schlagzeug sitzt und Gary Holt, der »Riff-Lord« persönlich, die Gitarre schwingt, verleiht der Show eine besondere emotionale Tiefe.

    Die Setlist dürfte ein geschickt geschnürtes Paket sein: Neue Brecher wie die Single »3111« werden auf Klassiker wie »Bonded By Blood« oder »The Toxic Waltz« treffen. Eines ist sicher: Wenn Exodus am Dienstag gegen kurz nach 19 Uhr die Bühne betreten, wird die Rockhal in Esch auf Betriebstemperatur gebracht.

    Tickets sind, Stand 24. März, noch zu haben unter https://rockhal.lu/shows/kreator-2026/.

    Albumcover »Goliath«. Erschienen am 20. März 2026 bei Napalm Records

    (Text: chrkuehne, Foto: Exodus)

  • »Soldatenschicksale«-Tour und Album 2026

    »Soldatenschicksale«-Tour und Album 2026

    Kanonenfieber LIVE in Arbon (CH)

    Am vergangenen 6. Februar veröffentlichte das Extreme-Metal-Projekt Kanonenfieber aus dem deutschen Bamberg sein neuestes Album mit dem Titel »Soldatenschicksale«.

    Diese Veröffentlichung markierte einen weiteren Meilenstein für die noch junge Band, die seit ihrem Debüt 2021 mit dem Album »Menschenmühle« mit modernem, geschichtsbewußten Metal auf sich aufmerksam macht. Denn »Soldatenschicksale« ist weit mehr als eine einfache Compilation. Band-Mastermind Noise hat hierfür die gefeierten, bisher teils vergriffenen EPs »Yankee Division«, »Der Füsilier« und »U-Bootsmann« klanglich komplett generalüberholt.

    Cover »Soldatenschicksale« (2026)

    Das Herzstück bilden jedoch zwei brandneue Stücke, die das Grauen der Skagerrakschlacht (1916) vertonen. In den Songs »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« wird der Untergang des Kleinen Kreuzers SMS Wiesbaden aus der beklemmenden Perspektive eines Heizers im Maschinenraum erzählt. Musikalisch bleibt die Band dabei ihrem »Blackened Death Metal«-Stil treu: Brachiale Riffs treffen auf epische Melodien, getragen von einer dichten, beinahe cineastischen Atmosphäre. Das Video beispielsweise zum Song »Heizer Tenner« ist hochwertig produziert und transportiert hervorragend die beklemmende Atmosphäre unter Deck. Überhaupt legen Kanonenfieber viel Wert auf geschichtliche Aufklärung statt Verklärung rund um das Thema Krieg. Gerade in diesen Zeiten, wo die Jugend Europas wieder kriegsfähig gemacht werden soll, umso wichtiger. Kanonenfieber verfolgen dabei seit jeher einen strikt dokumentarischen Ansatz. Alle Texte basieren auf authentischen Quellen wie Feldpostbriefen und Tagebüchern. Auch fordern sie immer wieder zum Einsenden von Zeitzeugenberichten auf, um Material für neue Titel zu sammeln.

    Die Compilation »Soldatenschicksale« ist am 6. Februar 2026 bei Century Media erschienen. Weitere Infos: https://kanonenfieber.noisebringer.de/.

    Im Rahmen ihrer neuen Veröffentlichung sind Kanonenfieber aktuell dann auch gleich auf großer, gleichnamiger Tour unterwegs. Am vergangenen Samstag hatte ich die Möglichkeit, die Show im schweizerischen Bodenseestädtchen Arbon zu erleben.

    Arbon

    Am Hafen

    Das Presswerk war seit Wochen ausverkauft und nachdem die Deathcore-Band Mental Cruelty einen durchaus energiegeladenen Auftakt des Abends abgeliefert hatte, erklommen Kanonenfieber gegen 21:15 Uhr die Bühne, welche einem Schützengrabenverhau glich und auf welcher eine stattliche Kanone Platz fand. Nach einem O-Ton-Intro startete die Show mit der »Feuertaufe«, passend untermalt mit mächtigen Pyro-Effekten.

    Insbesondere »Der Füsilier« I und II sowie Ubootsperre mit erneut eindrucksvollen O-Ton-Einspielern sowie »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« schafften eine einzigartig faszinierende und zugleich bedrückende Atmosphäre. Vor diesem Treiben auf der Bühne wirkten Fans in WK1-Maskerade, die Texte mitgrölend, schon fast bizarr und unangebracht. Aber vielleicht sehe ich das ein wenig zu streng, mag sein. Das Thema Krieg ist nun einmal ein sehr sensibles für mich.

    Immer wieder schafft es die Band auf dem engen Raum einer Konzertbühne auch in einer nicht so großen Location, wie dem Presswerk, mit Ton- und Lichteffekten, mit Feuer, Rauch und Pyro-Geschützdonner die beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Ein Metal-Projekt, welches meiner Ansicht nach grad auch in diesen Zeiten eine wichtige und provokante Antikriegsbotschaft sendet.

    Gegen 23 Uhr war dann Schluß. eine eindrucksvolle Show, die einen geflasht und nachdenklich zugleich zurück durch den Regen zum Hotel stapfen ließ. Diese Reise in die Schweiz wird lange in Erinnerung bleiben, das steht fest.

    (Text und Fotos: chrkuehne)

  • Trierer Urgewalt:

    Rotten Soil mit neuem Album »I Worship Death«

    Die Moselmetropole hat ein neues Aushängeschild in Sachen Extreme Metal: Die Band Rotten Soil hat mit ihrem zweiten Studioalbum »I Worship Death« am 27. Februar ein Werk vorgelegt, das die Brücke zwischen lokaler Verbundenheit und internationalem Standard schlägt.

    Vom Proberaum nach Schweden

    Nach ihrem Debüt »From Beyond The Grave« (2022) überließen die vier Trierer nichts dem Zufall. Für den perfekten Sound reiste das Quartett klanglich nach Schweden: Niemand Geringeres als Produzenten-Legende Fredrik Nordström übernahm im renommierten Studio Fredman den Mix und das Mastering. Das Ergebnis ist ein massiver »Kettensägen-Sound«, der Fans von klassischem Old-School Death Metal direkt in die Magengrube trifft.

    Visuelles und musikalisches Statement

    Nicht nur akustisch, auch optisch setzt die Band auf Qualität. Das markante Bandlogo stammt aus der Feder von Christophe Szpajdel (»Lord Of The Logos«), während das düstere Artwork von Adrián Ribes die Atmosphäre der 11 neuen Tracks perfekt einfängt und das Albumcover zu einem echten Hingucker macht. Songs wie die Single »Purgatory« zeigen die Marschrichtung: kompromisslose Riffs, brachialer Groove und eine ordentliche Portion »Teutonen-Death«.

    Rauschende Heimspiel-Release-Party

    Ihre Live-Qualitäten bewies die Band pünktlich zum Release am 28. Februar bei einer fulminanten Release-Show im Trierer Kult-Club Lucky’s Luke. Damit zementieren Rotten Soil ihren Status als eine der derzeit spannendsten Metal-Formationen der Region.

    Das Album »I Worship Death« ist ab sofort als Digi-CD, als farbiges Vinyl sowie auf allen gängigen Streaming-Plattformen und Bandcamp erhältlich.

    Weitere Infos: https://rottensoil.bandcamp.com/.

    Das Album »I Worship Death«. ist am 27. Februar erschienen.

    (Text: chrkuehne, Foto: Rotten Soil Youtube)

  • Line-Up-News bei The Troops Of Doom:

    Ex-Kreator und Sodom-Gitarrist Frank Blackfire neu an Bord

    Am Mittwoch teilte die Band The Troops Of Doom auf ihrer Instagram-Seite mit, daß man in Freundschaft mit Gitarrist Marcelo Vasco auseinandergehe. Eine Entscheidung, die im »gegenseitigen Einvernehmen und in einer Atmosphäre des Respekts und der gegenseitigen Bewunderung« getroffen worden sei. Vasco habe gemeinsam mit seinen Bandkollegen Jairo Guedz, Alex Kafer und Alexandre Oliveira die ersten fünf Jahre der Geschichte von Troops of Doom maßgeblich geprägt und »sein Beitrag war grundlegend für die Festigung der musikalischen Identität der Band und ihren internationalen Erfolg«. Sein Nachfolger, welcher im Instagram-Beitrag bereits vorgestellt wurde, ist kein geringerer, als Frank »Blackfire« Gosdzik, der »Riffmaster« des deutschen Thrash Metal. Mit ihm wolle man ein »neues Kapitel« aufschlagen und auch die Verbindung zur deutschen Szene weiter stärken, wie es heißt. Dies mit Blick auf eine ausgedehnte Europatour im laufenden Jahr. Am vergangenen 11. November waren die »Troops« in der MK Bar in Belval zu Gast und wurden dabei von den lokalen Thrash-Größen Sublind unterstützt. Ein legendärer Abend, der auch hier im Blog festgehalten wurde.

    »Blackfire« war von 1987-1989 bei Sodom aktiv und brachte sein technisch versiertes Gitarrenspiel in den bis dahin recht rohen Sound der Gelsenkirchener ein, bevor er im Anschluß mit den Essener Thrashern Kreator um Mille Petrozza bis 1996 die Bühnen zum Brennen brachte. Seit 2018 war er bis zum heutigen Tage wieder bei Sodom aktiv. Im Anschluß an seine Kreator-Zeit zog es ihn nach Brasilien, die Heimat der Troops Of Doom, wo er unter anderem sein Projekt »Frank Blackfire« gründete.

    Während Sodom-Chef Tom Angelripper Ende des vergangenen Jahres ankündigte, kürzer treten zu wollen, scheint Frank durchaus Bock auf mehr zu haben und äußerte zuletzt, wieder mehr live spielen zu wollen. Für das Jahr 2026 haben The Troops of Doom erste Festival-Termine in Europa bestätigt. Ausgewählte Club-Shows sollen dazu kommen, um das aktuelle Material sowie Klassiker der frühen Sepultura-Ära live zu präsentieren.

    Insgesamt eine tolle Neuigkeit und interessante Veränderung bei den »Troops«. Man darf gespannt sein, was aus dieser Verbindung musikalisch hervorgeht.

    Foto: Screenshot Instagram

    (Text chrkuehne, Foto: The Troops Of Doom)

  • Drawn by Evil mit neuem Album »Shores«

    Moderner Metal aus dem Saarland:

    In der Metal-Szene der Großregion sind sie längst keine Unbekannten mehr, tourten sie doch bereits mit ihrem Debüt-Album »Another Sin, Another Life« (2019) bereits vor der Pandemie durch ganz Deutschland. Mit ihrem neuesten Werk katapultieren sich Drawn by Evil nun wohl endgültig in höhere Sphären der  Aufmerksamkeit. Die Saarbrücker Formation hat am 5. Februar 2026 ihr lang erwartetes Album »Shores« veröffentlicht und erntete dafür bereits begeisterte Kritiken in der Fachpresse.

    Vom Erbe zur eigenen Identität

    Die Geschichte der Band ist geprägt von Evolution. 2019 aus der Formation Ignition hervorgegangen, markierte bereits das erwähnte Debüt »Another Sin, Another Life« einen stilistischen Wendepunkt hin zu moderneren, härteren Klängen. Nach einer Phase der Neufindung während der Corona-Jahre und dem Einstieg von Sänger Sebastian Theobald im Jahr 2023 hat die Band nun zu einem Sound gefunden, der den Spagat zwischen roher Energie und atmosphärischer Tiefe meistert.

    Das neue Album »Shores« zeigt die handwerkliche Reife der Akteure und ihrer Produktion. Musikalisch bewegen sich Drawn by Evil im Modern Metal, fürchten sich aber nicht, Anleihen bei anderen Stilrichtungen, wie etwa beim Groove, zu machen. Dadurch erhalten die Songs eine enorme Durchschlagskraft.

    Thematisch greift die Band dabei tief: In Songs wie der Vorabsingle »Unburdened« setzen sich die Musiker intensiv mit psychischen Belastungen und Depressionen auseinander. Es ist diese authentische Herangehensweise, die der Band in Fankreisen eine hohe Glaubwürdigkeit verschafft. Frontmann Sebastian Theobald gelingt es dabei, die emotionale Last der Texte stimmlich eindrucksvoll zwischen aggressiven Shouts und hymnischen Refrains zu transportieren.

    Daß die Band auch live eine Naturgewalt sein kann, bewies sie zuletzt 2024 als Support für die britisch-amerikanische Kombo Kill the Lights. Mit dem Rückenwind des neuen Albums im Gepäck stehen die Zeichen für 2026 auf Sturm. »Shores« markiert dabei nicht nur einen musikalischen Höhepunkt, sondern festigt den Status von Drawn by Evil als einer der derzeit spannendsten Metal-Exporte aus dem Saarland.

    Am kommenden 16. Mai werden die Jungs auch das »Hell Keller« Metal Fest in Wellenstein (L) beehren. Weitere Infos hierzu unter: https://www.instagram.com/hell_keller_welleschten/?hl=de oder https://www.facebook.com/events/838155992437701/?locale=de_DE.

    Das Album »Shores« ist am 5. Februar 2026 bei MDD Records/Black Sunset erschienen. Weitere Infos: https://drawnbyevil.de/.

    Drawn By Evil (Foto: https://drawnbyevil.de)

    Text: chrkuehne, Photo: Drawn By Evil

  • Teutonic Slaughter sind mit neuem Album zurück

    »Cheap Food« ist solider Ruhrpott-Thrash

    Die Gladbecker Thrasher mit dem in der deutschen Übersetzung doch eigenwilligen Namen Teutonic Slaughter sind zurück mit einem neuen Album. »Cheap Food« heißt der dritte Longplayer der vierköpfigen Combo und brilliert im Anschluß an einen einleitenden gesprochenen Rückblick auf das Geiseldrama von Gladbeck, ihrer Heimatstadt, im Jahre 1988 mit astreinem Ruhrpott-Thrash. Dazu kommt ein schönes oldschoolig-augenzwinkerndes Plattencover. Zugegeben: Recht kurz ist die Platte mit gerade einmal acht Songs und 36 Minuten Spieldauer eigentlich schon. Nach dem Intro, welches die Abfolge der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Geiseldrama aufzählt und dabei leider den Tod des 14-jährigen Emanuele De Giorgi vergißt, welcher im zwischenzeitlich gekidnappten Bus versuchte, seine kleine Schwester zu beschützen, startet der direkt nachfolgende Song »Hostage« deutlich konsequenter das neue Album. Rund vier Jahre nach dem letzten Album »Decade Of Terror« (2022) tut es gut, wieder was Neues von den Jungs zu hören. Dabei bleibt die Band ihrem »Oldschool« Thrash-Metal treu. Der Charme der 1980er, als Bands wie Kreator oder Sodom in den Kinderschuhen steckten und einfach schnellen Thrash spielen wollten. In diesem Zusammenhang seien auf der neuen Platte insbesondere der Titelsong »Cheap Food«, »Redistribution« oder »Eviscerating Surgery« empfohlen. »Give em Hell«, der letzte Track läßt irgendwie Pennywise-Vibes aufkommen und streut zum Ende noch einmal Nachrichtenfetzen zum Geiseldrama, gesprochen vom 2019 verstorbenen Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben, in die ausklingende Musik ein.

    Die neue Platte weiß meiner Ansicht nach insgesamt absolut zu überzeugen, läßt sich top immer wieder am Stück durchhören, und wen die kurze Spieldauer vielleicht stört, dem sei gesagt, daß das Album auch nicht die üblichen Vinyl- oder CD-Preise aufruft, sondern mit 18 Euro für die LP und 12 Euro für die CD ein gutes Stück darunter liegt. Doch überhaupt sollte man als Fan des Genres auch nicht unbedingt bei den »Kleineren« der Szene geizig sein, ohne »klein« abwertend zu meinen. So gerne ich Kreator höre, so sehr mag ich das gute alte »Geballer« und die Jungs haben mich mit ihrer neuen Platte absolut nostalgisch abgeholt. Nicht aufgrund der schrecklichen Ereignisse in ihrer Heimatstadt, die natürlich ihrerseits niemals vergessen werden dürfen, sondern mit ihrem Thrash.

    Teutonic Slaughter – »Cheap Food«. Erschienen am 30. Januar 2026 bei Iron Shield Records.

    (Text: chrkuehne, Foto: teutonicslaughter.bigcartel.com/)

  • Das 16. Studio-Album der Essener Urgesteine:

    »Krushers Of The World« von Kreator ist da

    Einigen vagen Ankündigungen bei Live-Auftritten im vergangenen Sommer folgte dann im Herbst die Gewißheit: Kreator hatten ein neues Album in der Pipeline. Unter den Rummel um den Dokumentarfilm »Hate & Hope« von Kordula Kablitz-Post, welche die Band ab Wacken 2023 rund ein Jahr mit der Kamera begleitet hatte, und die Autobiographie »Your Heaven – My Hell« von Frontmann Mille Petrozza mischten sich erste Infos zu neuen Songs, bevor Ende September mit »Seven Serpents« der Eröffnungstrack des neuen Albums vorgestellt wurde. Die Meinungen waren geteilt, insbesondere auch aufgrund des größtenteils KI-generierten Videos. Petrozza selbst gab in Interviews anschließend zu: »Mehr KI muß nicht sein«.

    Ganz anders kam Ende Oktober »Tränenpalast« an: Eine Hommage an »Suspiria«, einen berühmten italienischen Horrorfilm von Dario Argento (1977) über eine Tänzerin an einer Ballettschule, die von Hexen geleitet wird und in der düstere, okkulte Geheimnisse lauern. Das Duett mit Hiraes-Sängerin Britta Görtz und ein hochwertig produziertes Video runden dieses Werk ab. Dagegen fällt der namensgebende Titeltrack des Albums in Sachen Härte fast schon wieder in den Schatten. Genau, wie der nach »Seven Serpents« folgende zweite Song »Satanic Anarchy« fällt er nach einem starken Beginn eher in einen gefälligen Mainstream-Thrash. Ab »Tränenpalast« allerdings nimmt das neue Album Fahrt auf. »Barbarian« ist eine Hommage an den guten alten Thrash-Metal der 1980er und 90er Jahre, gefolgt von »Blood Of Our Blood«, »Combatants« und »Psychiotic Imperator«. Der Abschluß »Loyal To The Grave« im Anschluß an das noch einmal schön oldschoolige »Deathscream«  klingt sauber und voluminös, jedoch wieder ganz anders, als die klassisch angehauchten Thrash-Tracks davor.

    Kritiker werfen Kreator vor, mittlerweile zu sehr im melodischen »Stadion-Thrash« zu versinken, wobei das Vorgänger-Album »Hate Über Alles (2022) eine Menge Kritik einstecken mußte. Nach der Veröffentlichung des schauerlichen KI-Videos zu »Seven Serpents« fürchteten manche Thrash-Puristen, die sich nicht von der Frühphase der Band lösen mögen, schlimmes. Doch auch wenn 2-3 Tracks des neuen Albums vielleicht einen Tick zu weichgespült daherkommen, liefern Kreator wie gewohnt ab. Eine Band hat immer das Recht, sich weiterzuentwickeln. Und wie sagte Randy Blythe, Sänger von Lamb Of God, einmal treffend: »Wir machen Musik für fünf Leute (die Bandmitglieder. Anm. d. Red). Wenn sie dir nicht gefällt, ist mir das egal. Mir gefällt sie«.

     Kreator-Frontmann Petrozza strotzt vor Ideen, verarbeitet viele aktuelle politische und gesellschaftliche Themen in seinen Texten und seine Mannen,  Sami und Frédéric an Gitarre und Baß sowie Kindergartenkumpel Ventor am Schlagzeug setzen diese ein weiteres Mal gekonnt um. Eine gute Einstimmung auf die anstehende Europa-Tour der Band, in deren Rahmen sie, begleitet von Exodus, Carcass und Nails, am kommenden 31. März auch in der Escher Rockhal gastieren. Mille Petrozza verspricht im Vorfeld nicht weniger als eine Show der Superlative: »Dies wird die größte Produktion, die wir je auf Tour mitgenommen haben.«

    Das Album »Krushers Of The World« ist am 16. Januar 2026 bei Nuclear Blast Records erschienen.

    Dark Red/White Vinyl, limitiert auf 500 Stück.
    Schönes Teil.

    (Text und Fotos: chrkuehne)

  • Das Ende einer Ära naht: Das letzte Album von Megadeth

    Über 40 Jahre lang hatten sie großen Anteil an der Definierung des Thrash Metal. Megadeth werden oft gemeinsam mit Metallica, Slayer und Anthrax zu den »Big Four« des Thrash Metal gezählt.

    Nun ziehen Dave Mustaine und seine Mannen den Schlußstrich. Mit der Veröffentlichung ihres 17. und offiziell letzten Studioalbums mit dem Selbsttitel »Megadeth« am 23. Januar läutete die Band ihr finales Kapitel ein. Begleitet von einer mehrjährigen weltweiten Abschiedstournee und einem cineastischen Rückblick, verneigt sich eine der einflußreichsten Metal-Bands der Geschichte vor ihren Fans.

    Ein Album als Vermächtnis

    Das schlicht »Megadeth« betitelte Abschiedswerk präsentiert die Band auf einem technischen Zenit. Stimmen aus der Fachpresse  feiern die Platte als »würdigen, ungeschminkten Abschied«. Während der Opener »Tipping Point« bereits als moderner Klassiker gehandelt wird, zeigt sich Frontmann Dave Mustaine in Stücken wie »Hey God« so reflektiert und verletzlich wie selten zuvor. Das hat teils sicherlich auch mit einer Veränderung seines Gesangs zu tun, der nach einer im Jahr 2020 überstandenen Krebserkrankung nicht mehr so vielseitig sein kann, wie früher. Für seinen Ruhestand im Anschluß an die mehrjährige letzte Tour freut Mustaine sich auf mehr Familienzeit und einen eigenen Bauernhof mit Tieren.

    Musikalisch schließt sich der Kreis: Die Riffs erinnern teils an Meilensteine wie »Countdown to Extinction«, während der neue Gitarrist Teemu Mäntysaari mit präzisen Soli beweist, warum er die perfekte Wahl für das letzte Line-up war. Ein besonderes Highlight: Das Album schließt mit einer neu aufgenommenen Version von »Ride the Lightning« – jenem Song, den Mustaine vor über vier Jahrzehnten für seine Ex-Band Metallica schrieb, bevor er diese aufgrund seiner damaligen Alkohol- und Drogenprobleme verlassen mußte. Kritiker mögen bemängeln, daß die alte Rotzigkeit fehlt, die dem Thrash grundsätzlich innewohnt. Sind die Texte gewohnt politisch und gesellschaftskritisch, wirkt zumindest das letzte Album mitunter etwas sehr klinisch.

    Auf letzter Tour – auch in Luxemburg

    Für die Fans in Luxemburg gibt es derweil noch ein besonderes Datum im Kalender: Am kommenden 11. Juni werden Megadeth im Rahmen ihrer »Crush the World« Abschiedstournee in der Escher Rockhal gastieren. Es wird zumindest hierzulande die letzte Gelegenheit sein, Klassiker wie »Symphony of Destruction« oder »Holy Wars… The Punishment Due« noch einmal live zu erleben. Der Vorverkauf läuft bereits unter: https://rockhal.lu/shows/megadeth/.

    Das Album »Megadeth« ist am 23. Januar 2026 erschienen bei BLKIIBLK Records. (Foto: Megadeth.com)

    (Text: chrkuehne)

  • Mit »The Troops Of Doom« zurück in die Achtziger

    Brasilianer um Ex-Sepultura Jairo Guedz gastierten in Belval

    Am 11. November lud die MK Bar im südluxemburgischen Belval einmal mehr zu einem Metal-Abend der Extraklasse: Kein geringerer, als Jairo »Tormentor« Guedz, Ex-Mitglied der bekannten brasilianischen Thrash-Metaller von Sepultura, machte in der gewohnt familiären Atmosphäre der Bar mit seinen Mannen der im Pandemiejahr 2020 neu gegründeten Formation »The Troops Of Doom« im Rahmen ihrer »A Mass To The Grotesque«-Europatour halt.

    Guedz war Leadgitarrist von Sepultura in den Anfangsjahren und maßgeblich an den Aufnahmen der folgenden frühen Klassiker wie »Morbid Visions« (Album, 1986) und »Bestial Devastation« (EP, 1985) beteiligt. Nach einer freundschaftlichen Trennung von der Band widmete er sich zunächst anderen Aktivitäten, bevor er, gemeinsam mit Alex Kafer (Bass & Gesang), Alexandre Oliveira (Schlagzeug) und Marcelo Vasco (Gitarre) die »Troops« gründete. Vasco arbeitete in der Vergangenheit unter anderem als Grafiker für Slayer und Kreator. Kafer war Live-Gitarrist bei der brasilianischen Formation Matanza. Der Bandname stammt übrigens vom bekanntesten Song des Sepultura-Albums »Morbid Visions«.

    Bekannt für gepflegte Metal-Abende: Die MK Bar in Belval.

    Insgesamt also eine Menge Know-How in einer zeitlich jungen Band, die sich vor ihrem Auftritt an diesem Dienstagabend die gut gefüllte Bar von den Thrash-Lokalmatadoren »Sublind« ordentlich aufheizen ließen. Die Band ist seit ihrer Gründung 2006 längst aus den Kinderschuhen gewachsen und präsentiert ihrer treuen Fanbase soliden Thrash, der mit schnellen Riffs und experimentierfreudigen Vocals sein Vorbild ebenfalls in den 1980er und 1990er Jahren sucht. »Sublind« sind ebenfalls längst überregional bekannt und teilten sich bereits mit Metalgrößen, wie Exodus, Warbringer oder Benediction die Bühne. »Sublind«, das sind Luca Tommasi am Mikro, Kevin Gricius am Schlagzeug sowie Mehdi Addi am Bass sowie der in Kürze scheidende Ben Wilmes an der Gitarre. Die Band hat im laufenden Jahr ihre neueste EP »Metalmorphosis« veröffentlicht. Dessen Cover ist nebenbei bemerkt ein herrliches New-Wave-of-Thrash-Motiv.

    Sublind

    Alles da also für einen weiteren Top-Metalabend für kleines Geld: Mit 20 Euro im Vorverkauf war man diesmal dabei und auch in kleinen Kneipen kann durchaus gemoshed und abgetanzt werden. »The Troops Of Doom« haben in ihrer noch kurzen Bandgeschichte bisher zwei Alben veröffentlicht, von denen das letzte, »A Mass To The Grotesque«, namensgebend für die Tour, im vergangenen Jahr erschien. Ihr selbst auferlegter Anspruch, die alten Zeiten, inspiriert von der frühen Ära von Sepultura sowie Bands wie Slayer, Celtic Frost, Kreator und Possessed wieder auferstehen lassen zu wollen, ist vollauf gelungen.

    The Troops Of Doom. V.l.n.r.: Alexandre Oliveira (Schlagzeug), Marcelo Vasco (Gitarre), Alex Kafer (Bass & Gesang) und Jairo »Tormentor« Guedz (Gitarre).

    Songs vom neuen Album, wie »Chapel Of The Unholy« oder »Dawn Of Mephisto« sind mit ihrer Oldschool Mischung aus Death- und Thrash-Metal nur zwei Beispiele, daß von dieser Formation noch viel zu erwarten sein darf.

    Auch für Merch zu fairen Preisen war gesorgt. So gab es neben der neuen EP von »Sublind« auch die aktuellste Scheibe von »Troops Of Doom« sowie einiges an Shirts und anderen Devotionalien beider Gruppen.

    »A Mass To The Grotesque« (2024). Blue Vinyl limitierte Tour Edition.

    Text und Fotos: chrkuehne

  • Bridel! Bang Your Heads!

    16. Ausgabe des »Metalfestival Kopstal«

    Es war bereits die sechzehnte Edition des mittlerweile überregional bekannten Metalfestivals Kopstal, welches erneut in der Brideler Sporthalle stattfand. Und die Metalheads von nah und etwas weniger nah ließen sich das Lineup der luxemburgischen Metal-Creme nicht entgehen. Bereits um 13 Uhr fiel am vergangenen Samstag der Startschuß mit der Band Viktoria, nachdem in letzter Minute aufgrund gesundheitlicher Absagen von Count Wizzard und Kraton noch einmal am Zeitplan gewerkelt werden mußte. Eingesprungen sind für Kration die Melodic-Black-Metaller von Dreadnought. So schade es um die Ausfälle ist, so schön war es, Dreadnought wieder einmal in Aktion zu sehen. Ihr letztes Album »Path To The Unknown« sei hiermit ans Herz gelegt.

    Den nachfolgenden Auftritten von Last Prophecy und Fallen Lies folgte eine Jam Session, an der auch die Nachwuchsmetaller ihre Freude hatten, bevor im Anschluß Cosmogon den Abend einläuteten. Die Jungs verschmelzen Einflüsse von Doom über Punk bis hin zu Metal und Progressive Rock zu einem mächtigen Sound. Nach ihren ersten beiden Studio-EPs »Chaos Magnum« und »Devolution« folgte das Album »Penumbra« im Jahr 2023.

    Cosmogon

    Im Anschluß folgten Dreadnought mit ihrem vollen, melodischen Black-Metal-Sound, der immer wieder mit Thrash-Einlagen spielt. Das umgedrehte Kreuz und das Pfarrer-Outfit von Sänger Bob Wintersdorff, früher mit Assorted Nails aktiv, gehören ebenfalls zur Grundausstattung eines jeden Auftritts.

    Dreadnought

    Danach kamen dann die wohl am meisten erwarteten Auftritte des Abends: Zunächst ließen es die Death-Metal-Urgesteine von Desdemonia vor der mittlerweile zu rund zwei Dritteln gefüllten Halle ordentlich krachen. Ihr letztes Album »Anguish« hat zwar bereits sieben Jahre auf dem Buckel, dem Abriß, den diese Songs liefern, tut das jedoch keinen Abbruch. Die Vocals von Tom und Marc Dosser sitzen und die Interaktion der Band mit den Fans, die zwischendurch immer wieder ihre Jungs anfeuerten, paßt ein ums andere Mal. Eine Erfahrung aus über 20 Jahren Bandgeschichte ist ihnen anzusehen. Der schwere Metal, gepaart mit der tiefen Lead-Stimme animiert von der ersten Minute an, mitzugehen.

    Desdemonia
    Desdemonia
    Desdemonia

    Den Abschluß machten die mittlerweile ebenfalls international für Aufsehen sorgenden Thrasher von Scarlet Anger. Auch hier zeigte sich deutlich die Routine im Umgang mit dem Publikum. Zu keinem Moment wurde es unter den fünf Bandmitgliedern um Sänger Joe Block zu statisch auf der Bühne, immer war Bewegung und Leidenschaft drin. Das letzte Album der Jungs, »Martyr«, stammt aus dem vergangenen Jahr und fand ein international großes Echo unter Metal-Fans. Ein letztes großes Highlight also an diesem Samstag und dann war auch die sechzehnte Ausgabe des Metalfestivals Geschichte.

    Scarlet Anger
    Scarlet Anger

    Es sind nicht immer die großen Konzerte und Festivals. Die Unterstützung der lokalen Musikszene sollte dem Fan genauso am Herzen liegen, wie manche Idole, die sich in der Rockhal das Mikro in die Hand geben. Das Metalfest Kopstal wird seit Jahren leidenschaftlich organisiert von Jeff Buchette und seinem Team und es fehlt an nichts: Die Freiwilligen Helfer des FC Kopstal ’33 kümmerten sich hingebungsvoll um Speis und Trank für die Musikfreunde, die auch dieses Mal wieder quer durch alle Altersklassen vertreten waren. Sogar für den kulinarischen Klassiker »Bouneschlupp« war gesorgt. Die Bands waren mit kleinen Merchandise-Ständen vertreten und wer ein paar Euro übrig hatte, investierte diese gern in schön gestaltete Shirts und Mützen sowie andere Devotionalien.

    Alles in allem ein Nachmittag in Bridel, der wieder einmal viel zu schnell vorüber ging. Aber nach dem Metalfest ist bekanntlich davor.

    Text und Fotos: chrkuehne