Kanonenfieber LIVE in Arbon (CH)
Am vergangenen 6. Februar veröffentlichte das Extreme-Metal-Projekt Kanonenfieber aus dem deutschen Bamberg sein neuestes Album mit dem Titel »Soldatenschicksale«.
Diese Veröffentlichung markierte einen weiteren Meilenstein für die noch junge Band, die seit ihrem Debüt 2021 mit dem Album »Menschenmühle« mit modernem, geschichtsbewußten Metal auf sich aufmerksam macht. Denn »Soldatenschicksale« ist weit mehr als eine einfache Compilation. Band-Mastermind Noise hat hierfür die gefeierten, bisher teils vergriffenen EPs »Yankee Division«, »Der Füsilier« und »U-Bootsmann« klanglich komplett generalüberholt.

Das Herzstück bilden jedoch zwei brandneue Stücke, die das Grauen der Skagerrakschlacht (1916) vertonen. In den Songs »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« wird der Untergang des Kleinen Kreuzers SMS Wiesbaden aus der beklemmenden Perspektive eines Heizers im Maschinenraum erzählt. Musikalisch bleibt die Band dabei ihrem »Blackened Death Metal«-Stil treu: Brachiale Riffs treffen auf epische Melodien, getragen von einer dichten, beinahe cineastischen Atmosphäre. Das Video beispielsweise zum Song »Heizer Tenner« ist hochwertig produziert und transportiert hervorragend die beklemmende Atmosphäre unter Deck. Überhaupt legen Kanonenfieber viel Wert auf geschichtliche Aufklärung statt Verklärung rund um das Thema Krieg. Gerade in diesen Zeiten, wo die Jugend Europas wieder kriegsfähig gemacht werden soll, umso wichtiger. Kanonenfieber verfolgen dabei seit jeher einen strikt dokumentarischen Ansatz. Alle Texte basieren auf authentischen Quellen wie Feldpostbriefen und Tagebüchern. Auch fordern sie immer wieder zum Einsenden von Zeitzeugenberichten auf, um Material für neue Titel zu sammeln.
Die Compilation »Soldatenschicksale« ist am 6. Februar 2026 bei Century Media erschienen. Weitere Infos: https://kanonenfieber.noisebringer.de/.
Im Rahmen ihrer neuen Veröffentlichung sind Kanonenfieber aktuell dann auch gleich auf großer, gleichnamiger Tour unterwegs. Am vergangenen Samstag hatte ich die Möglichkeit, die Show im schweizerischen Bodenseestädtchen Arbon zu erleben.


Das Presswerk war seit Wochen ausverkauft und nachdem die Deathcore-Band Mental Cruelty einen durchaus energiegeladenen Auftakt des Abends abgeliefert hatte, erklommen Kanonenfieber gegen 21:15 Uhr die Bühne, welche einem Schützengrabenverhau glich und auf welcher eine stattliche Kanone Platz fand. Nach einem O-Ton-Intro startete die Show mit der »Feuertaufe«, passend untermalt mit mächtigen Pyro-Effekten.

Insbesondere »Der Füsilier« I und II sowie Ubootsperre mit erneut eindrucksvollen O-Ton-Einspielern sowie »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« schafften eine einzigartig faszinierende und zugleich bedrückende Atmosphäre. Vor diesem Treiben auf der Bühne wirkten Fans in WK1-Maskerade, die Texte mitgrölend, schon fast bizarr und unangebracht. Aber vielleicht sehe ich das ein wenig zu streng, mag sein. Das Thema Krieg ist nun einmal ein sehr sensibles für mich.

Immer wieder schafft es die Band auf dem engen Raum einer Konzertbühne auch in einer nicht so großen Location, wie dem Presswerk, mit Ton- und Lichteffekten, mit Feuer, Rauch und Pyro-Geschützdonner die beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Ein Metal-Projekt, welches meiner Ansicht nach grad auch in diesen Zeiten eine wichtige und provokante Antikriegsbotschaft sendet.

Gegen 23 Uhr war dann Schluß. eine eindrucksvolle Show, die einen geflasht und nachdenklich zugleich zurück durch den Regen zum Hotel stapfen ließ. Diese Reise in die Schweiz wird lange in Erinnerung bleiben, das steht fest.

(Text und Fotos: chrkuehne)
