Schlagwort: Punkrock

  • Turbobier und Alkbottle live zum Jahresabschluß

    Auf Konzertreise in der vorweihnachtlichen Steiermark

    So oft ich in Österreich verweile, so selten mache ich dies für gewöhnlich in der kalten Jahreszeit. Zugegeben: Eine etwas schnapsige Idee war es schon, als ich im luxemburgischen Hochsommer erfuhr, daß Alkbottle, eine alteingesessene Punkrock-Band aus Wien, Weihnachtskonzerte ankündigten, eines in Wien und eines am vergangenen Samstag in Graz. Da ich die Jungs schon länger höre, sie schon immer auch mal live sehen wollte und zudem Graz immer eine Reise wert ist, kaufte ich kurzerhand ein Ticket für »Biernachten« in Graz am vergangenen Samstag. Zwischenzeitlich gaben auch Turbobier, ebenfalls aus Wien und eigentlich noch mehr und länger von mir verehrt, die Termine ihrer 10-Jahres-Jubiläumstour in Österreich bekannt.

    Diese wurde als Clubtour gestaltet und führte die Jungs in kleinere Locations, darunter auch am vergangenen Freitag ins Sublime in Aflenz in der Steiermark. Ein kurzer Check ergab, daß sich das Örtchen rund eineinhalb Autostunden nördlich von Graz befand. Ein rot-weiß-rotes Punkrock-Wochenende war geboren und zu allem Überfluß, manchmal ist das Schicksal mir wirklich hold, trug auch noch der Grazer AK an jenem Samstagnachmittag sein letztes Heimspiel vor dem Jahreswechsel im Stadion Liebenau aus. Jackpot!

    Am vergangenen Freitagmorgen um 3 Uhr klingelte der Wecker und es ging los. Erstaunlicherweise vergingen die rund 10 Stunden Autofahrt von Luxemburg nach Aflenz wie im Fluge und ich war sogar noch vor der Check-In-Zeit angekommen. Schnell noch eine Palette Hülsen vom »bierigen Bier« aus Graz-Puntigam gekauft und das Zimmer bezogen, war ich trotz der langen Anfahrt zu aufgeregt, um mich noch mal ein Stündchen aufs Ohr zu legen.

    Willkommen in Aflenz
    Das Sublime in Aflenz

    Das Sublime in Aflenz ist ein kleiner Musikclub, der genau das Gegenteil des winterlich verschlafenen Kurortes war: Der Laden brannte förmlich, nicht zuletzt durch die absurd-unterhaltsame Performance der Vorgruppe Horny Monkeys, die sich selbst als eine Gruppe »verrückter Freunde« bezeichnen, die Musik »irgendwo zwischen Kuschelrock und Dubstep« machen.

    Horny Monkeys

    Turbobier haben immer wieder ein Händchen für ihre Vorgruppen. Im Dezember 2024 in Karlsruhe durfte ich deshalb Heckspoiler zum ersten Mal live erleben. Instant Fan!

    Turbobier starteten dann den Abend in Aflenz mit »Feuerwehrfestl«, einem meiner absoluten Favoriten, genau wie die nachfolgenden »Floschenpfand« und »I hoss olle Leit«. Den Abschluß machte der legendäre »Fuaßboiplotz«. Im Prinzip bestand der größte Teil der Jubiläums-Setlist aus Lieblingssongs.

    Club-Ambiente im Sublime

    An diesem Freitagabend war der Laden nicht komplett ausverkauft aber die Stimmung war grandios. Nur die aufblasbare Badeinsel wollte nicht so richtig mit den Leuten in Symbiose treten. Die Polonäse funktionierte dafür umso besser.

    Das mit der Badeinsel klappte nicht so recht

    Turbobier habe ich zur Zeit ihrer Albumveröffentlichung von »King Of Simmering« durch Zufall entdeckt. Insbesondere der Song »Tanke« war unter uns Fußballfans eine echte Hymne, da wir uns zu dieser Zeit regelmäßig vor Spielen an der Tankstelle trafen. So entstand für mich eine Punkrock-Musikliebe zwischen Luxemburg und Wien. Ohnehin bin ich musikalisch ziemlich austrophil. Schon in sehr jungen Jahren waren Falco, die Erste Allgemeine Verunsicherung oder S.T.S. Bands, die ich gerne und regelmäßig hörte. Diese Verbundenheit entstand vermutlich durch die zahlreichen Familienurlaube im Alpenland und noch heute bin ich jedes Jahr zwei bis dreimal in Österreich und liebe es.

    Marco Pogo

    Turbobier sah ich an diesem Abend zum dritten Mal live, nach Salzburg und Karlsruhe 2024. Das Ticket für Köln 2026 ist bereits gekauft, Innsbruck 2026 zusammen mit dem neuen Album vorbestellt und wer weiß, was im kommenden Jahr spontan außerdem noch geht. Am Samstagmorgen konnte ich mit Marco Pogo kurz im Hotel sprechen. Toller Moment, ich schätze ihn wirklich sehr, auch was seine mittlerweile vergangene »Bierpartei« und seine sonstigen Aktivitäten angeht. Interessant ist, daß die Auftritte von Turbobier sich immer weiter nach Westen schieben. Sogar die Niederlande sind kommendes Jahr im Programm. Vielleicht irgendwann auch mal Luxemburg?

    Das wars mal wieder, und es war wieder legendär

    Viel zu schnell ging der Freitagabend vorbei und machte wirklich Bock auf mehr. Doch am Samstag stand ja das eigentlich so genannte Highlight der Reise an mit »Biernachten« in Graz. Also ging es am Morgen nach dem Plausch im Hotel weiter in Richtung Graz. Dort war ich bereits 2022 und 2024 jeweils im Sommer und ich mag die Stadt sehr: Jugendlich-progressiv und abwechslungsreich. Hier war am Nachmittag zunächst das Spiel des Grazer AK im Stadion Liebenau, das man sich mit dem SK Sturm Graz teilt, auf dem Programm. Ich hatte das Glück, mal wieder eine große Choreographie zu erleben und das Spiel war insgesamt ansehnlich.

    Der Fanblock des GAK in Aktion. Leider gab es gegen den Linzer ASK eine 1:2 Niederlage

    Im Anschluß daran ging es mit der »Bim« (Straßenbahn) zurück ins Zentrum und von dort zu Fuß zum Kulturzentrum Explosiv. Ein alternativer kleiner Punkschuppen mit alten Ledersofas und einer guten Playlist auf den Lautsprechern.

    Nebenan im Saal hatten Alkbottle bereits begonnen und der Laden war wirklich komplett überfüllt.

    Ausverkauftes Haus bei »BIernachten« in Graz

    Auf meine Kosten kam ich absolut: Ein Alkbottle-Pulli ging mit heim, den ich mir nicht außerhalb von Österreich hätte zuschicken lassen können und alle Lieblingssongs waren dabei: »Geh Scheissn«, das freundlichste österreichische Kompliment überhaupt, »Blader, Fetter, Lauter«, »Sechs Bier«, die Hausmeisterin oder auch »Rockstar in Austria«.

    Der Abend klang für mich auf einem der erwähnten Sofas aus, bevor ich mich zurück ins Hotel aufmachte. Das wars also dann. Ein halbes Jahr Planung und der aktive Teil der Reise war abgehakt. Was folgte, war am Sonntag ein ausgedehnter Spaziergang durch das Zentrum von Graz, welches, wie bereits am Samstag sehr gut gefüllt war. Die an mehreren Stellen in der Stadt aufgebauten Weihnachtsminimärkte zogen die Massen an und entzerrten sie gleichzeitig.

    Murinsel
    Schloßbergbahn
    Der Grazer Uhrturm auf dem Schloßberg – Ein Wahrzeichen der Stadt
    Der Grazer Hauptplatz mit Rathaus

    Ich gönnte mir ein Weizenbier auf dem nebelumhüllten Schloßberg und stattete im Anschluß dem schönen Gösser Brauhaus sowie dem Café Centraal einen Besuch ab. Letzteres kann ich als Kneipentipp sehr empfehlen: Ruhiges, alternatives Ambiente mit lecker Bieren.

    Weihnachtliche Bim
    »Punti« trinken im Café Centraal
    Und Gösser im gleichnamigen Brauhaus zum Ćevapčići (nicht im Bild)

    Die Rückfahrt am Montag bot Zeit, das erlebte Revue passieren zu lassen und Vorfreude auf Turbobier in Köln im kommenden Mai im Rahmen ihrer »Das Leben is ein Oaschloch«-Tour. Vorher allerdings steht wieder jede Menge Metal auf dem Programm.

    (Text und Fotos: chrkuehne)

  • Alles neu macht der Oktober:

    Perkeles 13. Studioalbum »Theater« erschienen

    Die Band Perkele, im Jahre 1993 im schwedischen Göteborg aus der Taufe gehoben, war viele Jahre und Alben lang bekannt für ihre eingängigen Punk-Melodien und damit einhergehend deutlichen Positionen gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus oder Homophobie. Genretechnisch ursprünglich aus dem Oi- und Streetpunk kommend, entwickelten die Mannen um Sänger und Leadgitarrist Ron Halinoja ihren eigenen Stil immer weiter und konnten ihre treue Fangemeinde immer wieder aufs neue begeistern. Ihre Hymne »Heart full of Pride« vom 2012er Album »No Shame« schließt jedes Konzert als Höhepunkt ab und gilt als wohl bekanntestes Stück der »Teufelchen« (»Perkele«).

    Die leichtgängigen Melodien erscheinen vielleicht manchmal etwas simpel, verfehlen jedoch ihre Botschaften weiterhin nur selten. Da geht es um die Probleme und Sorgen der Arbeiterbewegung, um Spaß am Leben oder auch um ihre geliebte Heimatstadt Göteborg. Waren Perkele anfangs höchstens einem kleineren Kreis in ihrer Heimat ein Begriff, entwickelten sie sich spätestens seit der Entscheidung, größtenteils auf Englisch zu Texten und zu singen, auch im Rest Europas eine wachsende Fangemeinde. Die Auftritte sind regelmäßig sehr gut besucht bis ausverkauft und die Jungs ohne Starallüren quasi eine Band zum Anfassen, die auch via Social Media nie verlegen ist, Anfragen in Windeseile persönlich zu beantworten. Und Fragen hatten wohl viele Fans in den Wochen vor Erscheinen des neuen Albums. Bereits vor Veröffentlichung der ersten Single »Theater« des gleichnamigen neuen Albums am vergangenen 4. Juli 2025 wurde über Social Media die Spannung gesteigert, indem man durchsickern ließ, daß ein neuer Stil und ein neues musikalisches Gewand ins Haus stehe. Hatte die Band zuletzt mit der EP »Back in Time« (2023) eine eher metal-lastige Neuvertonung einiger Klassiker veröffentlicht, lag, wer dachte, es würde in dieser Richtung weitergehen, komplett daneben. Die zweite vorab veröffentlichte Single »Sail Away« bestätigte den neuen Sound, bestehend aus leichteren Melodien als zuletzt, die eingängiger zum Mitsingen und -Tanzen einladen, jedoch weiterhin eine Botschaft transportieren wollen. Ging es zuletzt oft um schwere Themen, wie Selbstmord, Ausgrenzung oder gesellschaftliche Probleme, soll das neue Album eine Weiterentwicklung ihres Sounds in Richtung hellerer Töne und Themen, die Mut machen, sich nicht unterkriegen zu lassen und man selbst zu sein, darstellen. Während »Burn«, der erste Track der neuen Scheibe, direkt zur Mitsingnummer taugt und erstmal richtig pusht, beschäftigen sich Songs wie »Give it Back«, »Theater«, »Still there« oder »Attitude« deutlicher mit dem Thema der eigenen Identität im Sumpf des vorurteilbehafteten gesellschaftlichen Mainstreams. Immer wieder wird aufgerufen, seinen eigenen Weg zu gehen und in »Attitude« insbesondere dazu aufgerufen, als Punk die Werte der Bewegung nicht zu vergessen. Während es nach »Burn« musikalisch etwas ruhiger wird auf der Scheibe, präsentiert sich die zweite Hälfte der Songs wieder deutlicher im alten Perkele-Muster mit mehr rockigen Einlagen. Obschon die Band also angekündigt hatte, grundlegend am Stil zu feilen, wurde nicht alles über den Haufen geworfen, sondern mit Bedacht bearbeitet, anders als der etwa radikale Logo-Wandel, weg von der »Punkrock-Army«, hin zu sanfteren Formen. Das neue Album »Theater« ist am 3. Oktober 2025 beim deutschen Label Spirit of the Streets erschienen und auf allen gängigen Streaming Plattformen sowie den üblichen Tonträgern erhältlich.

    Plattensammler aufgemerkt: Das Bild zeigt die ebenfalls erhältliche und auf 1.000 Stück limitierte »Gold-Nugget« Vinyl. Das Logo und der Albumtitel des Covers sind geprägt und zusätzlich hat das Coverbild eine spezielle Lackveredelung. Das Vinyl selbst ist kein normales farbiges Vinyl, sondern eine spezielle Fertigung, wodurch eine Gold-Optik entsteht.

    »Gold Nugget« Vinyl des neuen Albums. (Foto: Spirit of the Streets)
  • Punkrock-Party im Ländle

    Die Argies in Hohenems

    Die Argies sind eine Punkrock-Band aus Rosario in Argentinien, die 1984 gegründet wurde. Obwohl ihre Wurzeln im britischen Punk der 1970er Jahre liegen, haben sie im Laufe der Zeit einige Einflüsse von Ska, Reggae oder auch Rock sowie lateinamerikanische Rhythmen in ihren Sound aufgenommen. Der Name Argies resultiert aus der gleichnamigen abfälligen Bezeichnung der Argentinier durch britische Soldaten während des Krieges um die Malvinas.

    Album „La Frontera“ (CD 2001, vergriffen) mit Autogrammen.

    Bekanntheit im deutschsprachigen Raum erlangten sie maßgeblich durch ihre Auftritte als Vorband der Toten Hosen bei deren Konzerten vor  rund 20 Jahren in Europa und Argentinien. Gefühlt ständig auf Tour, so auch in diesem Jahr, ist es dabei zur Tradition geworden, sich regelmäßig in Hohenems im österreichischen Vorarlberg blicken zu lassen, um mit den Lokalmatadoren der „Tankstutzen„, einer lokalen Coverband, die dortige Punkrock-Szene zu beglücken. Am Mittwoch dieser Woche hatte ich die Gelegenheit,  mit dabei zu sein im Kulturzentrum ProKontra, wo rund 100 feierwütige Fans, darunter zahlreiche von auswärts angereist, die Auftritte beider Bands gleichermaßen zelebrierten. Der wohl am weitesten angereiste Fan kam eigens aus Argentinien.

    Das Kulturzentrum ProKontra im Zentrum von Hohenems.
    Zwischen Bühne (rechts hinter dem Merch) und der Bar knubbelten sich die Zuschauer.
    Den Anfang machten Tommy und seine Tankstutzen.
    Die Argies gaben anschließend einen mitreißenden Auftritt.

    Text und Fotos/Video: chrkuehne