Schlagwort: Warbringer

  • In der Hitze von Heidelberg:

    Demonic Summer Tour – Kreator, Warbringer und Rotting Christ

    Zugegeben: So lange ich mich bereits für Metal interessiere, haben Kreator eigentlich lange Jahre nie eine führende Rolle in meinen täglichen Playlists gespielt. Sie gehörten mit einigen Songs zwar immer dazu, jedoch als eine Band unter vielen. Ich muß sagen, daß mein Interessenfeld im Metal auch recht weit gefächert ist. Bis zu jenem Abend in der Escher Rockhal am vergangenen 3. Dezember, als Kreator, begleitet von Testament und Anthrax, im wahrsten Sinne des Wortes ein derartiges Feuerwerk abbrannten, das ich sofort begann, mich intensiver mit der Band zu beschäftigen. Dazu verlangt eine vierzigjährige Historie natürlich, allerhand aufzuholen. Diese Jungs, war mein Entschluß, mußt du von nun an öfter sehen, und da ich kein Festivalgänger bin, fiel meine Wahl bei Ankündigung unter anderem direkt auf das Konzert in der halle02 in Heidelberg im Rahmen einer Minitour mit dem Namen »Demonic Summer«. Ganz besonders erfreut war ich, daß Kreator hier Warbringer und Rotting Christ mit dabei hatten, die ich beide ebenfalls und schon seit längerem unglaublich gut finde.

    Alle drei Bands sind in meiner Sammlung mit Tonträgern und Textilien vertreten.

    Warbringer konnte ich zuletzt im vergangenen Juni in der Escher KuFa erleben. Leider auch hier mit einem recht kurzen Auftritt. In Heidelberg allerdings noch einmal um rund zehn Minuten kürzer: Lediglich 30 Minuten dauerte der Auftritt, der es allerdings in sich hatte. Beim dritten Song war die unter der Sommerhitze und der schlechten Luftzirkulation ohnehin ächzende voll besetzte halle02 am Kochen: Circle Pits in Dauerschleife. Die Jungs aus Kalifornien boten wieder einmal eine energiegeladene Power-Show. Ich würde mir wünschen, daß sie in unseren Breiten noch deutlich mehr Aufmerksamkeit erlangen. Verdient hätten sie es. Das aktuelle Album »Wrath and Ruin« ist in meinen Augen ein Wahnsinnsteil.

    In einer kurzen Umbaupause gab es Gelegenheit, die astronomischen Bierpreise zu begutachten. Mit deutlich über 4 Euro plus Pfand war das Palmbräu Pils im 0,33l-Becher wahrlich kein Schnapper. Insbesondere ab der zweiten Umbaupause war es ohnehin aufgrund langer Schlangen kaum noch möglich, rechtzeitig nachzutanken. So sah ich Rotting Christ nur von relativ weit hinten.

    Der Saal ist lang gezogen mit der Technik in der Mitte und einer relativ niedrigen Bühne. Keine optimalen Voraussetzungen bei voller Hütte. Doch auch von weiter hinten konnte ich die atmosphärische Show der Griechen um Sakis Tolis noch gut miterleben. Rotting Christ, 1987 in Athen gegründet, gelten mittlerweile als eine der führenden Vertreter nicht nur des griechischen Black Metal. Einflüsse aus Folk und Gothic und ein düsteres »gotteslästerliches« Setting bestimmen ihre Auftritte. Der Bandname führte in der Vergangenheit unter anderem in Südafrika oder in den USA zu Protesten. In Heidelberg allerdings konnten sie ihr mitreißendes Programm unbehelligt abspielen. Das neue Live-Album »35 Years Of Evil Existence«, 2024 im Athener Lycabettus-Theater aufgezeichnet, ist unglaublich stimmungsvoll und überdies grafisch sehr schön gestaltet. Ich kaufe selten Live-Alben, schon gar nicht von Konzerten, wo ich nicht anwesend war. Dieses Album ist eine deutliche Ausnahme. Die Jungs einmal in ihrer Heimat live zu erleben, wäre phantastisch.

    Warbringer
    Rotting Christ

    Den Abschluß machten ab 21 Uhr, wie sollte es anders sein, die Urgesteine aus Essen. Angekündigt war im Vorfeld eine »Deep Cut Setlist«, also eine Titelabfolge, die normalerweise so nicht auf dem Programm steht. Und so gab es eine Reise in frühere Jahre mit Songs wie »Violent Revolution«, »Coma Of Souls«. »Flag Of Hate«, »People Of the Lie« oder »Phobia«. Mille erklärte gleich zu Anfang: »Wir machen eine Reise zurück in die Achtziger. Und in den Achtzigern war Crowdsurfing total in. Ich möchte heute Abend so viele Crowdsurfer sehen, wie es geht«. Dieser Aufforderung ließ man sich dann auch keine Zeit, zu folgen. Bereits Warbringer hatten nach dem zweiten Song den ersten Circle Pit und die Ausrast-Wütigkeit des Publikums erreichte nun ihren Gipfel. Die Riffs schnitten durch die schweißgetränkte Luft der halle02, wie die Wall Of Death und die Feuer-Effekte auf der Bühne. Die Jungs hatten sichtlich Spaß an diesem Abend. Respekt, wenn man daran denkt, daß diese drei Konzerte in Club-Atmosphäre nachträglich in die volle Festival-Agenda gequetscht worden waren.

    Um kurz nach 21 Uhr war es dann soweit.
    Kreator

    Was bleibt zu sagen? Ach ja: Die Merch-Preise waren verständig. Vierzig Euro für das Kreator Tour-Shirt waren akzeptabel. Patches im 3er-Set für 20 Euro. Caps und Bomberjacken sowie natürlich Tonträger. Bei Warbringer war man mit 30 Euro für ein Shirt dabei und Rotting Christ ebenfalls. Mit einem »Rotting Christ«-Jutebeutel dürfte man vermutlich beim Einkauf gut gerüstet sein. Was ich etwas schade finde als Nicht-Kuttenträger ist die Tatsache, daß Aufkleber wohl völlig aus der Mode gekommen zu sein scheinen. Preislich dürfte der kommende Samstag bei Iron Maiden Merch in Stuttgart wohl deutlich heftiger aussehen. Das Thema vertretbare T-Shirt-Preise wird nicht umsonst heftig diskutiert.

    Kreator Merch

    Alles in allem ein denkwürdiger Abend. Die nächsten Kracher sind im August geplant mit dem Besuch der Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms »Hate & Hope« in der Essener Lichtburg sowie tags drauf Kreator, Destruction und Tankard gemeinsam auf dem Gießener Kultursommer. Dieser Sonntagabend hat unfaßbar Bock auf mehr gemacht.

    (Fotos und Text: chrkuehne)

  • Headbanging bis zur Genickstarre

    Carnation – Warbringer – Cryptopsy und Decapitated brachten die Escher Kufa zum Beben

    Am Montag war es endlich soweit: Die polnischen Death-Metal-Urgesteine von Decapitated gaben sich in der gut gefüllten Kulturfabrik in Esch/Alzette die Ehre. Mit dabei hatten sie Carnation, Cryptopsy und Warbringer.

    Draußen vor der KuFa war es noch warm und sonnig, als Carnation bereits ab 18.30 Uhr versuchten, die Besucher vor die Bühne zu locken.

    Ich muß gestehen, daß ich in der Hauptsache für die letztgenannten New-Thrasher gekommen war, weil ich mir im Vorfeld ihres gemeinsamen Auftritts mit Kreator und Rotting CHrist in Heidelberg im nächsten Monat einen ersten Eindruck verschaffen wollte. Das neue Album »Wrath and Ruin« hat mich ziemlich begeistert und auch die allgemeine Attitüde der Band gefiel mir auf Anhieb, so daß ich quasi »instant Fan« wurde, als ich sie vor rund einem Jahr zum ersten Mal durchhörte und mich über sie informierte.

    Warbringer: »The Sword and the Cross«.

    Während die belgischen Death-Metaler von Carnation bereits ab 18.30 Uhr den Anfang machten, als ein großer Teil der Metalheads sich noch draußen im Hof ein Bier oder einen 10-Euro-Burger schmecken ließen, war der Saal nur sehr spärlich gefüllt. Hut ab vor einer tollen Performance (leider kein Foto). Es ist sicher immer irgendwie undankbar, den Anfang machen zu müssen. Im Anschluß kamen bereits gegen 19.10 Uhr sofort Warbringer, die zum Ersten Mal den mittlerweile halb gefüllten Saal zu mehrfachen Circle-Pits bewegen konnten. Nach einer für meinen Geschmack leider viel zu kurzen Show übergaben sie gegen 20 Uhr den Staffelstab an Cryptopsy aus Kanada, die wiederum zum ersten Mal an diesem Abend die Hütte richtig füllten.

    Cryptopsy

    Für mich, da bin ich ehrlich, nichts, was ich mir dauerhaft anhören könnte, jedoch durchaus interessant anzusehen und manche Songs sprechen mich schon an. Skurril: Kanadische Künstler meinen irgendwie immer, in Luxemburg mit ihrem Französisch punkten zu können.

    Decapitated

    Gegen 21.10 Uhr war es dann soweit: Decapitated erklommen die Bühne und legten los. Insgesamt finde ich das letzte Album »Cancer Culture«, was mittlerweile auch schon wieder drei Jahre auf dem Buckel hat, tatsächlich ziemlich gut und Tracks wie »Iconoclast«, »Just a Cigarette« oder das titelgebende »Cancer Culture« schafften es in meine Metal-Playlist. Allerdings war ich an diesem Abend wirklich begeistert nur von Warbringer und Death-Metal spricht mich, wie ich merke, nur teilweise an. Daher freue ich mich besonders auf den Juli, wenn Warbringer und Rotting Christ gemeinsam mit meinen Favoriten von Kreator die Bühne in Heidelberg teilen werden. Was ich auch merke: Drei oder mehr Bands an einem Abend bringen mich tatsächlich mittlerweile ans Limit. Obschon 27 Euro im Vorverkauf ein sehr guter Preis sind und ich verstehen kann, daß dies vermehrt praktiziert wird aus logistischen und finanziellen Gründen. Jedoch bin ich eher ein Fan der klassischen Vorband-Hauptband-Shows. Einmal, weil ich zeitlich mehr von jeder Band habe und außerdem, weil die lange Steherei (im Regelfall bin ich kein Mosh- oder Circle-Piter wegen zu vieler Ersatzteile und Brille) mittlerweile einige Energie fordert. Man wird nicht jünger.

    Text und Fotos: chrkuehne