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  • »Soldatenschicksale«-Tour und Album 2026

    »Soldatenschicksale«-Tour und Album 2026

    Kanonenfieber LIVE in Arbon (CH)

    Am vergangenen 6. Februar veröffentlichte das Extreme-Metal-Projekt Kanonenfieber aus dem deutschen Bamberg sein neuestes Album mit dem Titel »Soldatenschicksale«.

    Diese Veröffentlichung markierte einen weiteren Meilenstein für die noch junge Band, die seit ihrem Debüt 2021 mit dem Album »Menschenmühle« mit modernem, geschichtsbewußten Metal auf sich aufmerksam macht. Denn »Soldatenschicksale« ist weit mehr als eine einfache Compilation. Band-Mastermind Noise hat hierfür die gefeierten, bisher teils vergriffenen EPs »Yankee Division«, »Der Füsilier« und »U-Bootsmann« klanglich komplett generalüberholt.

    Cover »Soldatenschicksale« (2026)

    Das Herzstück bilden jedoch zwei brandneue Stücke, die das Grauen der Skagerrakschlacht (1916) vertonen. In den Songs »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« wird der Untergang des Kleinen Kreuzers SMS Wiesbaden aus der beklemmenden Perspektive eines Heizers im Maschinenraum erzählt. Musikalisch bleibt die Band dabei ihrem »Blackened Death Metal«-Stil treu: Brachiale Riffs treffen auf epische Melodien, getragen von einer dichten, beinahe cineastischen Atmosphäre. Das Video beispielsweise zum Song »Heizer Tenner« ist hochwertig produziert und transportiert hervorragend die beklemmende Atmosphäre unter Deck. Überhaupt legen Kanonenfieber viel Wert auf geschichtliche Aufklärung statt Verklärung rund um das Thema Krieg. Gerade in diesen Zeiten, wo die Jugend Europas wieder kriegsfähig gemacht werden soll, umso wichtiger. Kanonenfieber verfolgen dabei seit jeher einen strikt dokumentarischen Ansatz. Alle Texte basieren auf authentischen Quellen wie Feldpostbriefen und Tagebüchern. Auch fordern sie immer wieder zum Einsenden von Zeitzeugenberichten auf, um Material für neue Titel zu sammeln.

    Die Compilation »Soldatenschicksale« ist am 6. Februar 2026 bei Century Media erschienen. Weitere Infos: https://kanonenfieber.noisebringer.de/.

    Im Rahmen ihrer neuen Veröffentlichung sind Kanonenfieber aktuell dann auch gleich auf großer, gleichnamiger Tour unterwegs. Am vergangenen Samstag hatte ich die Möglichkeit, die Show im schweizerischen Bodenseestädtchen Arbon zu erleben.

    Arbon

    Am Hafen

    Das Presswerk war seit Wochen ausverkauft und nachdem die Deathcore-Band Mental Cruelty einen durchaus energiegeladenen Auftakt des Abends abgeliefert hatte, erklommen Kanonenfieber gegen 21:15 Uhr die Bühne, welche einem Schützengrabenverhau glich und auf welcher eine stattliche Kanone Platz fand. Nach einem O-Ton-Intro startete die Show mit der »Feuertaufe«, passend untermalt mit mächtigen Pyro-Effekten.

    Insbesondere »Der Füsilier« I und II sowie Ubootsperre mit erneut eindrucksvollen O-Ton-Einspielern sowie »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« schafften eine einzigartig faszinierende und zugleich bedrückende Atmosphäre. Vor diesem Treiben auf der Bühne wirkten Fans in WK1-Maskerade, die Texte mitgrölend, schon fast bizarr und unangebracht. Aber vielleicht sehe ich das ein wenig zu streng, mag sein. Das Thema Krieg ist nun einmal ein sehr sensibles für mich.

    Immer wieder schafft es die Band auf dem engen Raum einer Konzertbühne auch in einer nicht so großen Location, wie dem Presswerk, mit Ton- und Lichteffekten, mit Feuer, Rauch und Pyro-Geschützdonner die beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Ein Metal-Projekt, welches meiner Ansicht nach grad auch in diesen Zeiten eine wichtige und provokante Antikriegsbotschaft sendet.

    Gegen 23 Uhr war dann Schluß. eine eindrucksvolle Show, die einen geflasht und nachdenklich zugleich zurück durch den Regen zum Hotel stapfen ließ. Diese Reise in die Schweiz wird lange in Erinnerung bleiben, das steht fest.

    (Text und Fotos: chrkuehne)

  • Mahnender Makel am Rathaus von Düdelingen

    Aus der Geschichte der luxemburgischen Südgemeinde

    Im Jahre 1928 beschloß der Gemeinderat von Düdelingen, ein neues Rathaus zu bauen, und zwar gegenüber dem alten Gemeindehaus, welches später abgerissen wurde und heute unter anderem die »Spuerkeess« beherbergt.

    Das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar wurde vom Grafen von Bertier zum Preis von 1,5 Mio. LUF (Luxemburger Franken) abgetreten. Die Idee für das Gebäude kam von den Architekten J. Haal und G. Schopen. Die Ausführung der Pläne erfolgte durch den Architekten Joseph Ruckert, der unter anderem die Firma Reimen & Fils aus Düdelingen mit den Bauarbeiten, die Firma Neisius aus Düdelingen mit den Malerarbeiten und das Atelier Linster aus Bad Mondorf mit der Anfertigung der Kunstverglasungen im Treppenhaus beauftragte. Die Bauarbeiten dauerten zwei Jahre. Der Neubau wurde dann am 5. Juni 1932 von Bürgermeister Emile Ludwig und den Schöffen Eugène Conrad und Nicolas Biever eingeweiht.

    Das neue Stadthaus in einer Broschüre anläßlich der Einweihung. (Foto: Gemeinde Düdelingen)

    Heute hat dieses Gemeindehaus eine sichtbare Erinnerung an Zeiten, die nur wenige Jahre nach der oben erzählten Einweihung viel Leid brachten. Wer auf dem Gemeindeplatz steht und sich die Fassade bis zum Stadtwappen ganz oben über dem Rathausbalkon anschaut, wird es schnell entdecken: Ein Makel, Überbleibsel, Einschußlöcher, direkt neben der Rathaus-Uhr. Absichtlich nicht entfernt und repariert, um ein besonderes Andenken zu bewahren an den 1. September 1944.

    Der Mittelbau des neuen Stadthauses aus der Broschüre zur Einweihung. (Foto: Gemeinde Düdelingen)

    An jenem Tag nämlich dachten die Einwohner von Düdelingen, sie hätten die finsteren Jahre der Nazi-Besatzung überstanden, seit deutsche Truppen am 10. Mai 1940 einmarschiert waren und strömten auf eben jenen Gemeindeplatz, auf welchem sich der imaginäre Betrachter gerade befand und die Rathausuhr betrachtete.

    Die deutschen Truppen hatten Düdelingen bereits in Richtung Osten verlassen, nicht ohne zuvor noch schnell die Gemeindekasse zu plündern und In freudiger Erwartung der aus Süden, von Volmerange herannahenden US-Truppen, die jeden Moment eintreffen müßten, war das Stadtzentrum voll von Menschen, um die Befreier willkommen zu heißen, ohne zu ahnen, daß die Gerüchte über die nahenden Befreier nicht korrekt waren. Die US-Truppen waren längst noch nicht in der Region.

    Am Tag darauf wurde allenthalben die jahrelang verbotene Nationalflagge gehißt, deutsche Straßenschilder heruntergeholt, Nazi-Symbole verbrannt und die Glocken der Pfarrkirche läuteten anläßlich der vermeintlichen Befreiung. Abermals hatten sich tausende Menschen versammelt. Jetzt bald müßten die US-Soldaten doch kommen.

    Der Uhrturm heute. Rechts neben dem Stadtwappen der beschädigte Teil. (Foto: chrkuehne)

    Doch es kam ganz anders: Am Mittag plötzlich kamen zwei Lkw der Waffen-SS durch die »Niddeschgaass« (Avenue G-D Charlotte) gefahren, die jahrelang »Adolf-Hitler-Straße« hatte genannt werden müssen. Die deutschen Soldaten schossen auf die Menge und auch auf die ebenfalls am Rathaus wieder gehißte Nationalflagge. Dabei sorgten einige Geschosse dafür, daß das Eck oberhalb der Rathaus-Uhr noch heute so aussieht. Das gute Ende kam für die Düdelinger erst eine zermürbende Woche später: die »Amis« waren da, die Nazis weg. Der zerschossene Bogen an der Rathaus-Uhr bleibt mahnend zurück.

    Stadthausfront heute. (Foto: chrkuehne)