Ein kurzer Grusel, eine Fortsetzung und ein Tamagotchi-Spiel
Als die britische Science-Fiction-Serie »Black Mirror« im Jahre 2013 mit ihrer ersten Staffel bei Netflix aufschlug, schaute ich eher semi-neugierig mal rein, was das wohl sein mag. Mich interessieren dystopische Zukunftsvisionen und Science-Fiction seit je her, nur leider ist vieles, was in der Streaming Welt diese Bezeichnung trägt, eher Schrott.
Wir erinnern uns, daß die erste Staffel seinerzeit lediglich 3 in sich abgeschlossene Kurzgeschichten umfaßte, darunter in »Der Wille des Volkes« die Entführung der britischen Prinzessin Susannah, für deren Freilassung die Entführer forderten, der Premierminister müsse live im TV mit einem Schwein Sex haben. Ein irritierender Thriller, der »Black Mirror« sofort im Kopf verankerte.
Auch die beiden nachfolgenden Filme der ersten Staffel mit »Das Leben als Spiel« sowie »Das transparente Ich« verstörten mit ihren Zukunftsvisionen einer völligen Auslieferung des Menschen in die Welt moderner Technologien im negativen Kontext.
Die nachfolgenden Staffeln werden dann länger und sind weiterhin durchaus immer wieder mit dystopischem Content versehen. Insbesondere »Böse neue Welt« hat mich enorm fasziniert. Auch »Abgestürzt« aus Staffel 3 fand ich extrem bedrückend. Eine Phantasie in einer Welt, in der Menschen nach ihrem Social Ranking beurteilt werden und dementsprechend belohnt oder bestraft werden, die in Asien bereits bis zu einem gewissen Grad Realität geworden ist und auch bei uns auf die ein oder andere Weise immer näher rückt.
In »Männer aus Stahl« macht eine private Militärorganisation in Dänemark Jagd auf Mutanten, sogenannte »Kakerlaken«. Eine ethnische Säuberungsaktion durch Soldaten eines Eugenik-Programms. Dies sind Episoden, die mir besonderes gefallen haben, und ja: Auch »U.S.S. Callister« aus der vierten Staffel gehörte irgendwie dazu.
Daß es nun in Staffel 7 eine Fortsetzung dazu gibt, fand ich grundsätzlich nicht schlecht, nur im Gegensatz zu den dystopischen Gesellschaftskritiken der genannten Episoden wirkt die Handlung zu phantastisch-abgehoben mit dem im Kern von »Infinity« sitzenden Klon von Robert Daly. Irgendwie war in der Fortsetzung für mich der Lack ab und auch das, was »Black Mirror« für mich ausmachte, nicht mehr wirklich vorhanden. Das findet sich meines Erachtens in der siebten Staffel eigentlich nur noch in der ersten Episode, die wieder deutlich mit dystopischen Zukunftsvisionen spielt, wenn Amanda und Mike an »Rivermind« und seinen Abo-Fallen zerbrechen. Das kalte Abo-Geschäft mit dem Leben läßt gar nicht kalt und den Zuschauer am Schluß schockiert zurück.
Demgegenüber konnten mich die restlichen Episoden zwar hier und dort interessieren und neugierig machen, jedoch immer nur bis zu einem bestimmten Grad. Der Funke sprang am Ende dann doch nicht über. Ein netter Gimmick ist die Episode »Spielzeug«. Die Episode zum Spiel »Thronglets« oder auch umgekehrt. Denn passenderweise wurde eine Smartphone-Version des Spiels, das eine Art Tamagotchi-Verschnitt darstellt, in dem kleine Wesen gefüttert, gewaschen und amüsiert werden müssen, zeitnah ebenfalls auf Netflix veröffentlicht. Hier überzeugten mich in erster Linie die Passagen des Cameron Walker über die Gesellschaft und die Natur des Menschen. Der Rest wirkt eher wie eine um das Game herum zusammengezimmerte Story. »Hotel Reverie« sehe ich eigentlich ähnlich: Eine Story, die über eine Reihe von Spezialeffekten gelegt wurde und in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt wirklich gezündet hat. Was jedoch ohne Frage geblieben ist, sind die überzeugenden Schauspieler.
Vielleicht ist weniger doch mehr und »Black Mirror« sollte sich wieder mehr auf seine Ausgangsidee konzentrieren. Gerne warte ich einige Zeit auf „nur“ 3 neue Episoden, die es aber dafür wieder durchgängig in sich haben.

(Foto: Wikipedia)
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