Autor: chrkuehne

  • Morgen in Belval:

    Die Death-Thrash-Meister aus Hyderabad

    Wer an Extreme Metal denkt, hat meistens Skandinavien, die USA oder Mitteleuropa im Kopf. Doch am morgigen Mittwoch beweist die MK Bar in Belval ein weiteres Mal, daß die globale Metal-Landkarte längst neue Zentren hat. Mit Godless kommt eine der derzeit spektakulärsten Death-Thrash-Kombos Südasiens nach Belval

    Gegründet im Jahr 2015 im indischen Hyderabad, hat sich das Quartett in den vergangenen zehn Jahren an die Spitze der asiatischen Underground-Szene gekämpft. Spätestens seit ihrem triumphalen Auftritt in Wacken 2018 ist die Band auch europäischen Genrefans ein Begriff. Der Sound von Godless ist dabei keine Neuerfindung des Rades, sondern eine perfekt exekutierte Ehrerbietung an die Urväter des Genres. Hier trifft die Geschwindigkeit des Old-School-Thrash-Metal auf die tonnenschwere Brutalität des klassischen Death Metal der Marke Vader oder Morbid Angel.

    Die aktuelle Visite in Luxemburg ist Teil einer 36 Termine umfassenden Europa-Tournee, mit welcher die Band ihr 10-jähriges Bestehen feiert. Nach einer ausverkauften Club-Tour quer durch den indischen Subkontinent sind die Männer um Abbas Razvi nun also in Europa unterwegs und starten die Tour in Belval.

    Im Gepäck haben sie dabei nicht nur Klassiker ihres gefeierten Debütalbums »States of Chaos« (2021), sondern auch brandneues Material. Mit der aktuellen EP »Genesis of Decay« und der jüngst erschienenen Single »Architect of Torment« haben Godless bewiesen, daß sie trotz eines Sängerwechsels nichts von ihrer messerscharfen Präzision eingebüßt haben.

    Lokale Unterstützung gibt es heute Abend von den luxemburgischen Death-Metallern Black Bleeding.

    Einlaß in die MK Bar (1 Avenue du Swing, Belval) ist um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Eintritt 10 Euro Abendkasse (bar oder digital).

    (Text chrkuehne)

  • Neues Album »Emotion Factory Reset«:

    Armored Saint trotzen der Zeit

    Es gibt Bands, die brennen hell und verglühen schnell. Und es gibt Armored Saint. Seit ihrer Gründung im Jahr 1982 in Los Angeles hat sich die Truppe durch alle Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts gekämpft. Am 22. Mai legte die Band über ihr langjähriges Label Metal Blade Records nun ihr neues Meisterwerk »Emotion Factory Reset« vor – genau sechs Jahre nach dem letzten Album »Punching the Sky«.

    Armored Saint galten in den frühen 1980er-Jahren an der Seite von Größen wie Metallica als die nächste große Hoffnung des US-amerikanischen Heavy Metal. Doch während die Kollegen in die weltweiten Stadien einzogen, blieb den »Panzerheiligen« trotz herausragender Alben der ganz große kommerzielle Massenerfolg verwehrt. James Hetfield wollte Sänger John Bush einst sogar für Metallica abwerben – Bush lehnte ab, blieb seiner Band treu und prägte später stattdessen eine Ära bei Anthrax. Dieser bedingungslose Zusammenhalt zeigt sich bis heute: Seit 1990 agiert das Quintett (John Bush, Joey Vera, Phil Sandoval, Jeff Duncan und Gonzo Sandoval) im absolut identischen Line-Up.

    Emotionaler Neustart in reizüberfluteter Welt

    Der Titel des neuen Werks, »Emotion Factory Reset«, ist Programm. Die Idee dazu stammt von Gitarrist Phil Sandoval. Es geht um den Versuch, sich in einer von Technologie und Reizüberflutung dominierten Welt innerlich auf den Nullpunkt zurückzusetzen – kurz innezuhalten und durchzuatmen, statt impulsiv auf äußere Einflüsse zu reagieren.

    Musikalisch zeigt sich die Band im Jahr 2026 so experimentierfreudig wie selten zuvor. »Wir wollten ein neues Kapitel aufschlagen, das eine Momentaufnahme unseres aktuellen Schaffens zeigt, ohne daß wir uns selbst zu kopieren«, erklärt Bassist Joey Vera, der das Album auch dieses Mal eigenhändig produziert hat. Der druckvolle und moderne Mix von Jay Ruston verleiht dem klassischen Soundgewand das nötige, zeitgemäße Fundament. Sänger John Bush ergänzt im Interview: »Wir lassen beim Songwriting völlig frei alle Einflüsse zu. Das macht den Sound abenteuerlicher als in der Vergangenheit.«

    Zwischen Tradition und Moderne

    Das 11 Tracks umfassende Werk pendelt geschickt zwischen den Stilen. Während der packende Opener und die erste Singleauskopplung »Close to the Bone« tief in den traditionellen, von der New Wave of British Heavy Metal inspirierten US-Power-Metal eintaucht, bricht die zweite Single »Hit a Moonshot« mit modernen Dynamiken aus dem starren Genre-Korsett aus.

    John Bushs unverkennbare, raue Stimme hat über die Jahrzehnte nichts an Energie verloren. Auch wenn die ganz großen, sofort zündenden Stadionhymnen im Vergleich zum 1991er-Kultalbum »Symbol of Salvation« rarer sind, darf die neue Scheibe getrost als eines der reifsten und mutigsten Spätwerke des traditionellen Metals gefeiert werden.

    »Emotion Factory Reset« ist am 22. Mai 2026 bei Metal Blade Records erschienen.

    (Text: chrkuehne, Foto: armoredsaint.com)

  • 20 Jahre Scarlet Anger

    Jubiläumskonzert in der Escher Kufa

    Am kommenden 23. Januar 2027 feiern die Luxemburger Thrasher Scarlet Anger in der Escher Kulturfabrik ihr 20-jähriges Bandjubiläum und erklären dazu: »Vom ersten Tag an wart ihr Teil dieses Abenteuers. Von den ersten Riffs bis zu den wildesten Moshpits, von kleinen Clubs bis zu unvergeßlichen Konzerten. Eure Unterstützung hat uns auf jedem Schritt dieser Reise getragen.«

    Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 haben sich Sänger Joe Block und seine Mitstreiter einen Ruf erarbeitet, der weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Ihr musikalischer Werdegang hat dabei bisher drei markante Studioalben hervorgebracht, von denen zuletzt »Martyr«  im Jahr 2024 erschienen ist. Vor einiger Zeit gab die Band außerdem bekannt, einen Plattenvertrag beim renommierten deutschen Label Metalville Records unterschrieben zu haben. Ein neues, viertes Studioalbum ist noch für Ende 2026 angekündigt.

    Am kommenden 23. Januar 2027 werde man aus diesem Grund 20 Jahre Metal mit einem mit einem außergewöhnlichen »Scarlet Anger & Friends«-Konzert in der Escher Kufa feiern. Dieser Abend sei all jenen gewidmet, welche die Band über die Jahre begleitet haben: Freunde, Fans und Familie.

    Der Eintritt kostet im Vorverkauf 20 Euro, Abendkasse wird am Veranstaltungstag 22 Euro kosten. Der Vorverkauf läuft bereits unter https://kulturfabrik.lu/event/scarlet-anger-2026. Beginn wird um 18 Uhr sein.

    (Text: chrkuehne, Foto: kulturfabrik.lu)

  • Exodus melden sich zurück

    Neues Album und Live-Show in der Rockhal

    Dienstag wird es laut in der Rockhal: Die US-amerikanischen Legenden aus der kalifornischen Bay-Area, Exodus, rücken an, um ihr brandneues Album »Goliath« live vorzustellen. Mit dabei ist eine alte Bekannte am Mikrofon und eine musikalische Wucht, die beweist, dass Thrash Metal im Jahr 2026 lebendiger ist denn je.

    Wer glaubte, die Urgesteine des Thrash Metal würden sich nach über 40 Jahren Bandgeschichte auf ihrem Altenteil ausruhen, wurde am vergangenen Freitag eines Besseren belehrt. Mit der Veröffentlichung ihres zwölften Studioalbums »Goliath« haben Exodus ein Monster erschaffen, das seinen Namen zu Recht trägt. Am kommenden Dienstag, den 31. März, wird dieses Ungetüm in der Rockhal von der Leine gelassen.

    Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

    Die Nachricht, die in der Metal-Szene einschlug wie eine Bombe: Nach elf Jahren ist Rob Dukes zurück am Gesang. Dukes, der bereits zwischen 2005 und 2014 die Ära der »Atrocity Exhibition« prägte, bringt eine Aggressivität und stimmliche Varianz zurück, die dem neuen Material eine beeindruckende Durchschlagskraft verleiht.

    Das Album selbst bricht mit Konventionen. Während Tracks wie »Beyond The Event Horizon« die für Exodus typische Lichtgeschwindigkeit halten, wagt sich die Band im Titeltrack »Goliath« in doomige Gefilde vor – unterstützt von der Violinistin Katie Jacoby. Es ist diese Mischung aus gnadenloser Härte und mutigen Experimenten, die »Goliath« schon jetzt zu einem der interessantesten Metal-Alben des Jahres macht.

    Ein Abend der Superlative

    Der Auftritt am kommenden Dienstag ist Teil der gewaltigen »Krushers Of The World« Tour 2026. Exodus flankieren auf dieser Tour, die vergangene Woche in Lissabon startete, die deutschen Genre-Könige von Kreator und die britischen Grindcore-Pioniere Carcass sowie die ebenfalls aus Kalifornien stammenden Extreme-Metaler von Nails. Ein Line-up, das die Rockhal in einen denkwürdigen Abend tauchen dürfte.

    Für Fans der ersten Stunde ist der Auftritt ein Muß. Exodus gelten als die Band, die den Bay Area Thrash miterfunden hat – noch bevor Metallica ihren weltweiten Siegeszug antraten. Daß Gründungsmitglied Tom Hunting nach seinem überstandenen Krebsleiden wieder mit gewohnter Präzision hinter dem Schlagzeug sitzt und Gary Holt, der »Riff-Lord« persönlich, die Gitarre schwingt, verleiht der Show eine besondere emotionale Tiefe.

    Die Setlist dürfte ein geschickt geschnürtes Paket sein: Neue Brecher wie die Single »3111« werden auf Klassiker wie »Bonded By Blood« oder »The Toxic Waltz« treffen. Eines ist sicher: Wenn Exodus am Dienstag gegen kurz nach 19 Uhr die Bühne betreten, wird die Rockhal in Esch auf Betriebstemperatur gebracht.

    Tickets sind, Stand 24. März, noch zu haben unter https://rockhal.lu/shows/kreator-2026/.

    Albumcover »Goliath«. Erschienen am 20. März 2026 bei Napalm Records

    (Text: chrkuehne, Foto: Exodus)

  • »Soldatenschicksale«-Tour und Album 2026

    »Soldatenschicksale«-Tour und Album 2026

    Kanonenfieber LIVE in Arbon (CH)

    Am vergangenen 6. Februar veröffentlichte das Extreme-Metal-Projekt Kanonenfieber aus dem deutschen Bamberg sein neuestes Album mit dem Titel »Soldatenschicksale«.

    Diese Veröffentlichung markierte einen weiteren Meilenstein für die noch junge Band, die seit ihrem Debüt 2021 mit dem Album »Menschenmühle« mit modernem, geschichtsbewußten Metal auf sich aufmerksam macht. Denn »Soldatenschicksale« ist weit mehr als eine einfache Compilation. Band-Mastermind Noise hat hierfür die gefeierten, bisher teils vergriffenen EPs »Yankee Division«, »Der Füsilier« und »U-Bootsmann« klanglich komplett generalüberholt.

    Cover »Soldatenschicksale« (2026)

    Das Herzstück bilden jedoch zwei brandneue Stücke, die das Grauen der Skagerrakschlacht (1916) vertonen. In den Songs »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« wird der Untergang des Kleinen Kreuzers SMS Wiesbaden aus der beklemmenden Perspektive eines Heizers im Maschinenraum erzählt. Musikalisch bleibt die Band dabei ihrem »Blackened Death Metal«-Stil treu: Brachiale Riffs treffen auf epische Melodien, getragen von einer dichten, beinahe cineastischen Atmosphäre. Das Video beispielsweise zum Song »Heizer Tenner« ist hochwertig produziert und transportiert hervorragend die beklemmende Atmosphäre unter Deck. Überhaupt legen Kanonenfieber viel Wert auf geschichtliche Aufklärung statt Verklärung rund um das Thema Krieg. Gerade in diesen Zeiten, wo die Jugend Europas wieder kriegsfähig gemacht werden soll, umso wichtiger. Kanonenfieber verfolgen dabei seit jeher einen strikt dokumentarischen Ansatz. Alle Texte basieren auf authentischen Quellen wie Feldpostbriefen und Tagebüchern. Auch fordern sie immer wieder zum Einsenden von Zeitzeugenberichten auf, um Material für neue Titel zu sammeln.

    Die Compilation »Soldatenschicksale« ist am 6. Februar 2026 bei Century Media erschienen. Weitere Infos: https://kanonenfieber.noisebringer.de/.

    Im Rahmen ihrer neuen Veröffentlichung sind Kanonenfieber aktuell dann auch gleich auf großer, gleichnamiger Tour unterwegs. Am vergangenen Samstag hatte ich die Möglichkeit, die Show im schweizerischen Bodenseestädtchen Arbon zu erleben.

    Arbon

    Am Hafen

    Das Presswerk war seit Wochen ausverkauft und nachdem die Deathcore-Band Mental Cruelty einen durchaus energiegeladenen Auftakt des Abends abgeliefert hatte, erklommen Kanonenfieber gegen 21:15 Uhr die Bühne, welche einem Schützengrabenverhau glich und auf welcher eine stattliche Kanone Platz fand. Nach einem O-Ton-Intro startete die Show mit der »Feuertaufe«, passend untermalt mit mächtigen Pyro-Effekten.

    Insbesondere »Der Füsilier« I und II sowie Ubootsperre mit erneut eindrucksvollen O-Ton-Einspielern sowie »Z-Vor!« und »Heizer Tenner« schafften eine einzigartig faszinierende und zugleich bedrückende Atmosphäre. Vor diesem Treiben auf der Bühne wirkten Fans in WK1-Maskerade, die Texte mitgrölend, schon fast bizarr und unangebracht. Aber vielleicht sehe ich das ein wenig zu streng, mag sein. Das Thema Krieg ist nun einmal ein sehr sensibles für mich.

    Immer wieder schafft es die Band auf dem engen Raum einer Konzertbühne auch in einer nicht so großen Location, wie dem Presswerk, mit Ton- und Lichteffekten, mit Feuer, Rauch und Pyro-Geschützdonner die beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Ein Metal-Projekt, welches meiner Ansicht nach grad auch in diesen Zeiten eine wichtige und provokante Antikriegsbotschaft sendet.

    Gegen 23 Uhr war dann Schluß. eine eindrucksvolle Show, die einen geflasht und nachdenklich zugleich zurück durch den Regen zum Hotel stapfen ließ. Diese Reise in die Schweiz wird lange in Erinnerung bleiben, das steht fest.

    (Text und Fotos: chrkuehne)

  • Trierer Urgewalt:

    Rotten Soil mit neuem Album »I Worship Death«

    Die Moselmetropole hat ein neues Aushängeschild in Sachen Extreme Metal: Die Band Rotten Soil hat mit ihrem zweiten Studioalbum »I Worship Death« am 27. Februar ein Werk vorgelegt, das die Brücke zwischen lokaler Verbundenheit und internationalem Standard schlägt.

    Vom Proberaum nach Schweden

    Nach ihrem Debüt »From Beyond The Grave« (2022) überließen die vier Trierer nichts dem Zufall. Für den perfekten Sound reiste das Quartett klanglich nach Schweden: Niemand Geringeres als Produzenten-Legende Fredrik Nordström übernahm im renommierten Studio Fredman den Mix und das Mastering. Das Ergebnis ist ein massiver »Kettensägen-Sound«, der Fans von klassischem Old-School Death Metal direkt in die Magengrube trifft.

    Visuelles und musikalisches Statement

    Nicht nur akustisch, auch optisch setzt die Band auf Qualität. Das markante Bandlogo stammt aus der Feder von Christophe Szpajdel (»Lord Of The Logos«), während das düstere Artwork von Adrián Ribes die Atmosphäre der 11 neuen Tracks perfekt einfängt und das Albumcover zu einem echten Hingucker macht. Songs wie die Single »Purgatory« zeigen die Marschrichtung: kompromisslose Riffs, brachialer Groove und eine ordentliche Portion »Teutonen-Death«.

    Rauschende Heimspiel-Release-Party

    Ihre Live-Qualitäten bewies die Band pünktlich zum Release am 28. Februar bei einer fulminanten Release-Show im Trierer Kult-Club Lucky’s Luke. Damit zementieren Rotten Soil ihren Status als eine der derzeit spannendsten Metal-Formationen der Region.

    Das Album »I Worship Death« ist ab sofort als Digi-CD, als farbiges Vinyl sowie auf allen gängigen Streaming-Plattformen und Bandcamp erhältlich.

    Weitere Infos: https://rottensoil.bandcamp.com/.

    Das Album »I Worship Death«. ist am 27. Februar erschienen.

    (Text: chrkuehne, Foto: Rotten Soil Youtube)

  • Line-Up-News bei The Troops Of Doom:

    Ex-Kreator und Sodom-Gitarrist Frank Blackfire neu an Bord

    Am Mittwoch teilte die Band The Troops Of Doom auf ihrer Instagram-Seite mit, daß man in Freundschaft mit Gitarrist Marcelo Vasco auseinandergehe. Eine Entscheidung, die im »gegenseitigen Einvernehmen und in einer Atmosphäre des Respekts und der gegenseitigen Bewunderung« getroffen worden sei. Vasco habe gemeinsam mit seinen Bandkollegen Jairo Guedz, Alex Kafer und Alexandre Oliveira die ersten fünf Jahre der Geschichte von Troops of Doom maßgeblich geprägt und »sein Beitrag war grundlegend für die Festigung der musikalischen Identität der Band und ihren internationalen Erfolg«. Sein Nachfolger, welcher im Instagram-Beitrag bereits vorgestellt wurde, ist kein geringerer, als Frank »Blackfire« Gosdzik, der »Riffmaster« des deutschen Thrash Metal. Mit ihm wolle man ein »neues Kapitel« aufschlagen und auch die Verbindung zur deutschen Szene weiter stärken, wie es heißt. Dies mit Blick auf eine ausgedehnte Europatour im laufenden Jahr. Am vergangenen 11. November waren die »Troops« in der MK Bar in Belval zu Gast und wurden dabei von den lokalen Thrash-Größen Sublind unterstützt. Ein legendärer Abend, der auch hier im Blog festgehalten wurde.

    »Blackfire« war von 1987-1989 bei Sodom aktiv und brachte sein technisch versiertes Gitarrenspiel in den bis dahin recht rohen Sound der Gelsenkirchener ein, bevor er im Anschluß mit den Essener Thrashern Kreator um Mille Petrozza bis 1996 die Bühnen zum Brennen brachte. Seit 2018 war er bis zum heutigen Tage wieder bei Sodom aktiv. Im Anschluß an seine Kreator-Zeit zog es ihn nach Brasilien, die Heimat der Troops Of Doom, wo er unter anderem sein Projekt »Frank Blackfire« gründete.

    Während Sodom-Chef Tom Angelripper Ende des vergangenen Jahres ankündigte, kürzer treten zu wollen, scheint Frank durchaus Bock auf mehr zu haben und äußerte zuletzt, wieder mehr live spielen zu wollen. Für das Jahr 2026 haben The Troops of Doom erste Festival-Termine in Europa bestätigt. Ausgewählte Club-Shows sollen dazu kommen, um das aktuelle Material sowie Klassiker der frühen Sepultura-Ära live zu präsentieren.

    Insgesamt eine tolle Neuigkeit und interessante Veränderung bei den »Troops«. Man darf gespannt sein, was aus dieser Verbindung musikalisch hervorgeht.

    Foto: Screenshot Instagram

    (Text chrkuehne, Foto: The Troops Of Doom)

  • Drawn by Evil mit neuem Album »Shores«

    Moderner Metal aus dem Saarland:

    In der Metal-Szene der Großregion sind sie längst keine Unbekannten mehr, tourten sie doch bereits mit ihrem Debüt-Album »Another Sin, Another Life« (2019) bereits vor der Pandemie durch ganz Deutschland. Mit ihrem neuesten Werk katapultieren sich Drawn by Evil nun wohl endgültig in höhere Sphären der  Aufmerksamkeit. Die Saarbrücker Formation hat am 5. Februar 2026 ihr lang erwartetes Album »Shores« veröffentlicht und erntete dafür bereits begeisterte Kritiken in der Fachpresse.

    Vom Erbe zur eigenen Identität

    Die Geschichte der Band ist geprägt von Evolution. 2019 aus der Formation Ignition hervorgegangen, markierte bereits das erwähnte Debüt »Another Sin, Another Life« einen stilistischen Wendepunkt hin zu moderneren, härteren Klängen. Nach einer Phase der Neufindung während der Corona-Jahre und dem Einstieg von Sänger Sebastian Theobald im Jahr 2023 hat die Band nun zu einem Sound gefunden, der den Spagat zwischen roher Energie und atmosphärischer Tiefe meistert.

    Das neue Album »Shores« zeigt die handwerkliche Reife der Akteure und ihrer Produktion. Musikalisch bewegen sich Drawn by Evil im Modern Metal, fürchten sich aber nicht, Anleihen bei anderen Stilrichtungen, wie etwa beim Groove, zu machen. Dadurch erhalten die Songs eine enorme Durchschlagskraft.

    Thematisch greift die Band dabei tief: In Songs wie der Vorabsingle »Unburdened« setzen sich die Musiker intensiv mit psychischen Belastungen und Depressionen auseinander. Es ist diese authentische Herangehensweise, die der Band in Fankreisen eine hohe Glaubwürdigkeit verschafft. Frontmann Sebastian Theobald gelingt es dabei, die emotionale Last der Texte stimmlich eindrucksvoll zwischen aggressiven Shouts und hymnischen Refrains zu transportieren.

    Daß die Band auch live eine Naturgewalt sein kann, bewies sie zuletzt 2024 als Support für die britisch-amerikanische Kombo Kill the Lights. Mit dem Rückenwind des neuen Albums im Gepäck stehen die Zeichen für 2026 auf Sturm. »Shores« markiert dabei nicht nur einen musikalischen Höhepunkt, sondern festigt den Status von Drawn by Evil als einer der derzeit spannendsten Metal-Exporte aus dem Saarland.

    Am kommenden 16. Mai werden die Jungs auch das »Hell Keller« Metal Fest in Wellenstein (L) beehren. Weitere Infos hierzu unter: https://www.instagram.com/hell_keller_welleschten/?hl=de oder https://www.facebook.com/events/838155992437701/?locale=de_DE.

    Das Album »Shores« ist am 5. Februar 2026 bei MDD Records/Black Sunset erschienen. Weitere Infos: https://drawnbyevil.de/.

    Drawn By Evil (Foto: https://drawnbyevil.de)

    Text: chrkuehne, Photo: Drawn By Evil

  • Teutonic Slaughter sind mit neuem Album zurück

    »Cheap Food« ist solider Ruhrpott-Thrash

    Die Gladbecker Thrasher mit dem in der deutschen Übersetzung doch eigenwilligen Namen Teutonic Slaughter sind zurück mit einem neuen Album. »Cheap Food« heißt der dritte Longplayer der vierköpfigen Combo und brilliert im Anschluß an einen einleitenden gesprochenen Rückblick auf das Geiseldrama von Gladbeck, ihrer Heimatstadt, im Jahre 1988 mit astreinem Ruhrpott-Thrash. Dazu kommt ein schönes oldschoolig-augenzwinkerndes Plattencover. Zugegeben: Recht kurz ist die Platte mit gerade einmal acht Songs und 36 Minuten Spieldauer eigentlich schon. Nach dem Intro, welches die Abfolge der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Geiseldrama aufzählt und dabei leider den Tod des 14-jährigen Emanuele De Giorgi vergißt, welcher im zwischenzeitlich gekidnappten Bus versuchte, seine kleine Schwester zu beschützen, startet der direkt nachfolgende Song »Hostage« deutlich konsequenter das neue Album. Rund vier Jahre nach dem letzten Album »Decade Of Terror« (2022) tut es gut, wieder was Neues von den Jungs zu hören. Dabei bleibt die Band ihrem »Oldschool« Thrash-Metal treu. Der Charme der 1980er, als Bands wie Kreator oder Sodom in den Kinderschuhen steckten und einfach schnellen Thrash spielen wollten. In diesem Zusammenhang seien auf der neuen Platte insbesondere der Titelsong »Cheap Food«, »Redistribution« oder »Eviscerating Surgery« empfohlen. »Give em Hell«, der letzte Track läßt irgendwie Pennywise-Vibes aufkommen und streut zum Ende noch einmal Nachrichtenfetzen zum Geiseldrama, gesprochen vom 2019 verstorbenen Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben, in die ausklingende Musik ein.

    Die neue Platte weiß meiner Ansicht nach insgesamt absolut zu überzeugen, läßt sich top immer wieder am Stück durchhören, und wen die kurze Spieldauer vielleicht stört, dem sei gesagt, daß das Album auch nicht die üblichen Vinyl- oder CD-Preise aufruft, sondern mit 18 Euro für die LP und 12 Euro für die CD ein gutes Stück darunter liegt. Doch überhaupt sollte man als Fan des Genres auch nicht unbedingt bei den »Kleineren« der Szene geizig sein, ohne »klein« abwertend zu meinen. So gerne ich Kreator höre, so sehr mag ich das gute alte »Geballer« und die Jungs haben mich mit ihrer neuen Platte absolut nostalgisch abgeholt. Nicht aufgrund der schrecklichen Ereignisse in ihrer Heimatstadt, die natürlich ihrerseits niemals vergessen werden dürfen, sondern mit ihrem Thrash.

    Teutonic Slaughter – »Cheap Food«. Erschienen am 30. Januar 2026 bei Iron Shield Records.

    (Text: chrkuehne, Foto: teutonicslaughter.bigcartel.com/)

  • Das 16. Studio-Album der Essener Urgesteine:

    »Krushers Of The World« von Kreator ist da

    Einigen vagen Ankündigungen bei Live-Auftritten im vergangenen Sommer folgte dann im Herbst die Gewißheit: Kreator hatten ein neues Album in der Pipeline. Unter den Rummel um den Dokumentarfilm »Hate & Hope« von Kordula Kablitz-Post, welche die Band ab Wacken 2023 rund ein Jahr mit der Kamera begleitet hatte, und die Autobiographie »Your Heaven – My Hell« von Frontmann Mille Petrozza mischten sich erste Infos zu neuen Songs, bevor Ende September mit »Seven Serpents« der Eröffnungstrack des neuen Albums vorgestellt wurde. Die Meinungen waren geteilt, insbesondere auch aufgrund des größtenteils KI-generierten Videos. Petrozza selbst gab in Interviews anschließend zu: »Mehr KI muß nicht sein«.

    Ganz anders kam Ende Oktober »Tränenpalast« an: Eine Hommage an »Suspiria«, einen berühmten italienischen Horrorfilm von Dario Argento (1977) über eine Tänzerin an einer Ballettschule, die von Hexen geleitet wird und in der düstere, okkulte Geheimnisse lauern. Das Duett mit Hiraes-Sängerin Britta Görtz und ein hochwertig produziertes Video runden dieses Werk ab. Dagegen fällt der namensgebende Titeltrack des Albums in Sachen Härte fast schon wieder in den Schatten. Genau, wie der nach »Seven Serpents« folgende zweite Song »Satanic Anarchy« fällt er nach einem starken Beginn eher in einen gefälligen Mainstream-Thrash. Ab »Tränenpalast« allerdings nimmt das neue Album Fahrt auf. »Barbarian« ist eine Hommage an den guten alten Thrash-Metal der 1980er und 90er Jahre, gefolgt von »Blood Of Our Blood«, »Combatants« und »Psychiotic Imperator«. Der Abschluß »Loyal To The Grave« im Anschluß an das noch einmal schön oldschoolige »Deathscream«  klingt sauber und voluminös, jedoch wieder ganz anders, als die klassisch angehauchten Thrash-Tracks davor.

    Kritiker werfen Kreator vor, mittlerweile zu sehr im melodischen »Stadion-Thrash« zu versinken, wobei das Vorgänger-Album »Hate Über Alles (2022) eine Menge Kritik einstecken mußte. Nach der Veröffentlichung des schauerlichen KI-Videos zu »Seven Serpents« fürchteten manche Thrash-Puristen, die sich nicht von der Frühphase der Band lösen mögen, schlimmes. Doch auch wenn 2-3 Tracks des neuen Albums vielleicht einen Tick zu weichgespült daherkommen, liefern Kreator wie gewohnt ab. Eine Band hat immer das Recht, sich weiterzuentwickeln. Und wie sagte Randy Blythe, Sänger von Lamb Of God, einmal treffend: »Wir machen Musik für fünf Leute (die Bandmitglieder. Anm. d. Red). Wenn sie dir nicht gefällt, ist mir das egal. Mir gefällt sie«.

     Kreator-Frontmann Petrozza strotzt vor Ideen, verarbeitet viele aktuelle politische und gesellschaftliche Themen in seinen Texten und seine Mannen,  Sami und Frédéric an Gitarre und Baß sowie Kindergartenkumpel Ventor am Schlagzeug setzen diese ein weiteres Mal gekonnt um. Eine gute Einstimmung auf die anstehende Europa-Tour der Band, in deren Rahmen sie, begleitet von Exodus, Carcass und Nails, am kommenden 31. März auch in der Escher Rockhal gastieren. Mille Petrozza verspricht im Vorfeld nicht weniger als eine Show der Superlative: »Dies wird die größte Produktion, die wir je auf Tour mitgenommen haben.«

    Das Album »Krushers Of The World« ist am 16. Januar 2026 bei Nuclear Blast Records erschienen.

    Dark Red/White Vinyl, limitiert auf 500 Stück.
    Schönes Teil.

    (Text und Fotos: chrkuehne)