Autor: chrkuehne

  • Punkrock-Party im Ländle

    Die Argies in Hohenems

    Die Argies sind eine Punkrock-Band aus Rosario in Argentinien, die 1984 gegründet wurde. Obwohl ihre Wurzeln im britischen Punk der 1970er Jahre liegen, haben sie im Laufe der Zeit einige Einflüsse von Ska, Reggae oder auch Rock sowie lateinamerikanische Rhythmen in ihren Sound aufgenommen. Der Name Argies resultiert aus der gleichnamigen abfälligen Bezeichnung der Argentinier durch britische Soldaten während des Krieges um die Malvinas.

    Album „La Frontera“ (CD 2001, vergriffen) mit Autogrammen.

    Bekanntheit im deutschsprachigen Raum erlangten sie maßgeblich durch ihre Auftritte als Vorband der Toten Hosen bei deren Konzerten vor  rund 20 Jahren in Europa und Argentinien. Gefühlt ständig auf Tour, so auch in diesem Jahr, ist es dabei zur Tradition geworden, sich regelmäßig in Hohenems im österreichischen Vorarlberg blicken zu lassen, um mit den Lokalmatadoren der „Tankstutzen„, einer lokalen Coverband, die dortige Punkrock-Szene zu beglücken. Am Mittwoch dieser Woche hatte ich die Gelegenheit,  mit dabei zu sein im Kulturzentrum ProKontra, wo rund 100 feierwütige Fans, darunter zahlreiche von auswärts angereist, die Auftritte beider Bands gleichermaßen zelebrierten. Der wohl am weitesten angereiste Fan kam eigens aus Argentinien.

    Das Kulturzentrum ProKontra im Zentrum von Hohenems.
    Zwischen Bühne (rechts hinter dem Merch) und der Bar knubbelten sich die Zuschauer.
    Den Anfang machten Tommy und seine Tankstutzen.
    Die Argies gaben anschließend einen mitreißenden Auftritt.

    Text und Fotos/Video: chrkuehne

  • Momentaufnahme

    Am 29. Mai 2025 um 17 Uhr in Koblach 🇦🇹

  • »Out of the Cave« am vergangenen Samstag in Tetingen:

    Harte Töne in familiärem Ambiente

    Am vergangenen Samstagabend lud die Rotten Stones asbl zum »Out oft he Cave« in die Tetinger Schungfabrik. Vier Bands aus dem Extreme Metal Bereich, darunter drei luxemburgische Eigengewächse, zeigten den rund 100 Besuchern, was sie drauf haben. Den Anfang machte die Post-Rocker von Kakumori, gefolgt von einer »Messe« der etwas anderen Art: Die Black-Thrasher von Dreadnought geizten wie immer nicht mit ihren Anspielungen auf die Kirche und Songs wie »Cleansing Fire« oder »Threshold« vom mittlerweile vier Jahre alten letzten Album »Path to the Unknown« hatten immer noch und weiterhin die Energie, um die stickige Luft im Saal zu teilen.

    Greh aus Karlsruhe ließen es nicht weniger düster und noch eine Spur härter angehen. Mit im Repertoire hatte das deutsche Death-Doom-Trio auch ihre neue Single »Chained Thoughts« aus ihrem neuesten und überhaupt ersten Album »Dysphoric Devotion«. Minimalistischer Genuß, der ab sofort definitiv auch die private Playlist bereichert. Nachdem die Gäste aus Deutschland die Bühne für den wohl am meisten erwarteten Auftritt des Abends von Kraton freimachten, hatten letztere offenbar einige Abstimmungsschwierigkeiten mit dem Sound, weshalb der Zeitplan dann doch noch ein wenig strapaziert wurde, bevor die Doom-Experten unter anderem aus ihrem letzten Album »Monolith« live vortragen und den Abend perfekt abrunden konnten.

    Abende wie diese sind es, an denen Bands, die vielleicht ansonsten eher wenig im Rampenlicht großer Konzerthallen stehen oder noch keine lange Historie vorzuweisen haben, eine Bühne bereitet werden kann, ihr Können unter Beweis zu stellen sowie ihr Merch an den Metalhead zu bringen und das ist gut so, denn die heimische Szene muß sich keineswegs verstecken. Das angenehm familiäre Ambiente solcher Veranstaltungen tut sein Übriges, um völlig entspannt nach harten Tönen heimzufahren.

    Dreadnought (Foto: chrkuehne)
    Dreadnought (Foto: chrkuehne)
    Greh (Foto: chrkuehne)
    Kraton (Foto: chrkuehne)

    Anmerkung zum Schluß und generell: Meine Handykamera ist leider für solche Einsätze abgrundtief schlecht geeignet. Ich bitte um Nachsicht.

  • »Out of the Cave« – Extreme Metal der Extraklasse

    Am 24. Mai in der Schungfabrik in Tetingen (L)

    Bevor am kommenden 21. Juni im beeindruckenden Amphitheater Breechkaul bei Berdorf im Müllerthal das Rotten Stones Festival stattfindet, hat die veranstaltende Rotten Stones asbl am Samstag, dem 24. Mai sozusagen einen Appetithappen für Metalfreunde parat: Ab 19 Uhr gibt es dann in der Tetinger Schungfabrik im Süden gleich vier Bands auf die Ohren, darunter drei Vertreter aus Luxemburg.

    Kakumori ist eine dreiköpfige Post-Rock-Band aus Luxemburg, die mit Rock, atmosphärischen Soundeffekten und einer energiegeladenen Live-Performance ihre Zuhörer zu begeistern wissen. Greh haben sich 2022 gegründet, kommen aus Karlsruhe (D) und spielen einen düsteren, minimalistischen Sound mit nur einer Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Wut und Härte werden so mit Groove und Dissonanz verbunden. Am vergangenen 15. Januar veröffentlichte die Band ihr Debütalbum »Dysphoric Devotion«. Dreadnought sind deutlich länger im Geschäft. Bereits 2006 gegründet, präsentiert die fünfköpfige Kombo eine Symbiose aus Black- und Thrash-Metal, Das Growling sowie der markante Gitarrensound sind ihr Markenzeichen. Sie haben nach »Demon« (2012) im Jahre 2021 mit »Path to the Unknown« ihr zweites Album veröffentlicht. Kraton schließlich, ein weiteres luxemburgisches Eigengewächs, haben sich 2011 gegründet und entwickelten sich im Laufe der Jahre vom Death- zum Post- und Doom-Metal. Ein rauer, lebendiger aber düsterer Sound ist ihr Markenzeichen, der sich viel um die Abgründe der menschlichen Natur dreht. Ihr mittlerweile drittes Album erschien im vergangenen Januar und trägt den Titel »Monolith«. Das Cover-Artwork ihrer neuesten Veröffentlichung ist zudem wirklich sehenswert. Denn bekanntlich »hört« das Auge ja gern mit.

    Alles in allem also eine Reise in verschiedene Genres für Freunde des Extreme Metals in der Schungfabrik. Der Eintritt kostet am Samstag 12 Euro an der Abendkasse und für das leibliche Wohl ist laut Veranstalter ebenfalls gesorgt.

    Weitere Infos: https://schungfabrik.lu/events/out-of-the-cave/.

  • Momentaufnahme

    Mittwoch, 21. Mai 2025 um 10 Uhr in Düdelingen 🇱🇺

  • Momentaufnahme

    Hamburg🇩🇪, am 17. Mai 2025 um 17:30 Uhr

  • »Celestial Lands« von Wolvencrown

    Eine klangvolle Reise in den atmosphärischen Black Metal:

    Wenn es um Metal als Musikrichtung geht, schweben uns wohl sofort die alten und neuen Schwergewichte der Szene vor. Wenn es jedoch um Black Metal geht, gehen die Meinungen schnell auseinander. Für viele Zeitgenossen, die gerne mal Iron Maiden oder Judas Priest hören, eine eher düstere und unheimliche Welt. Dabei hat dieses Genre ebenfalls seine Stilrichtungen, wie Thrash Metal, Power Metal oder Speed Metal ebenfalls unterschiedliche Strömungen sind.

    In der schier unendlich vielfältigen Welt des Black Metal gibt es da etwa Atmospheric Metal, welcher insbesondere in Großbritannien seine Vertreter findet. Er zeichnet sich oft durch eine Mischung aus rauer Energie gepaart mit atmosphärischen Melodien aus. Besonders der melodische Black Metal hat in den letzten Jahren durchaus an Bedeutung gewonnen. Bands wie Fen oder Saor sind längst keine Unbekannten mehr. Letzteres ist ein im Folk-Bereich angesiedeltes Solo-Projekt von Andy Marshall (ehemals Falloch) und 2025 ebenfalls mit neuem Album auf Tour

    Die Band Wolvencrown aus Nottingham vertritt selbst das Genre des Atmospheric Black Metal und stand international bisher eher nicht im Vordergrund, gab sie doch erst vor rund 5 Jahren ihr Debüt mit dem Album »Of Bark And Ash«, gefolgt von 2 EPs in 2017 und 2021 (»Wolvencrown« sowie »A Shadow of What Once Was«. Wolvencrown, das sind Reece Atkin, Matt Dawson, Nick Horton, Will Cupitt sowie Chris Marsland.

    Auf der Streaming-Plattform Spotify zählt die Band aktuell etwas weniger als 300 monatliche Zuhörer, was ihren Geheimtipp-Status zumindest nach diesem Kriterium noch unterstreichen dürfte. Mit »Celestial Lands« hat die fünfköpfige Band im vergangenen November ihr zweites Studio-Album vorgelegt, welches 8 vorwiegend lange Tracks enthält, die ein neues Kapitel in der noch jungen Bandgeschichte aufzuschlagen scheinen.

    Eigentlich sind es keine vollständig neuen Stücke, welche die neue Scheibe enthält. Es handelt sich teils um Songs, die schon zuvor bereits bei Live-Auftritten gespielt und nun endlich auf Vinyl und CD gepreßt wurden.

    Das neue Album ist eine regelrechte Explosion von Klangfarben und nicht zuletzt das herausragende Albumcover macht es zu einer voluminös-atmosphärischen Reise in die Magie der Beziehung zwischen Mensch und Natur mit allen Facetten und einem Hingucker im Plattenregal. Ich habe es insbesondere in den dunklen Wintermonaten gern auf Wanderungen und Spaziergängen gehört. Gerade inmitten der winterlich kargen Natur hat das Album für mich sein ganzes atmosphärisches Spektrum entfaltet.

    Gitarrenriffs, typisches schnelles Schlagzeug und keyboard-intensive Abschnitte machen aus der rund einstündigen Platte eine bewegende musikalische Erfahrung mit Gänsehaut-Momenten.

    Die Album-Premiere seinerzeit auf dem für Album- und Bandvorstellungen des Genres relevanten YouTube-Kanal Black Metal Promotion brachte bei mehr als 20.000 Zuhörern ein begeistertes Feedback. Bleibt zu hoffen, in absehbarer Zeit hierzulande oder in der Großregion auch Live am Sound der fünf aus Nottingham teilhaben zu können.

    »Celestial Lands« ist am 25. November 2024 beim italienischen Label Avantgarde Music auf Vinyl (Auf 150 Stück limitierte Special Edition erhältlich), CD sowie digital erschienen.

    Albumcover (Foto: Avantgarde Music)
  • Auf wilden Pfaden im Ösling

    Der Rundwanderweg (Autopédestre) von Dahl

    Derzeit gibt es in Luxemburg insgesamt 201 Auto-Pédestre Rundwanderwege, deren Anzahl immer wieder variiert, weil viel angepaßt und umgebaut wird. Diese Routen sind über das ganze Land verteilt und bieten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Streckenlängen, jedoch auch sehr unterschiedliche Wandererlebnisse. Manche von ihnen schlängeln sich durch verwunschene Natur, andere hingegen, und das sind nicht wenige, verbringen viele Kilometer entlang von stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen, durch Wohngebiete oder über unterschiedlichste Qualitäten von geteerten Straßen oder Forstwegen. Daneben gibt es seit einiger Zeit immer mehr „Éislek Pied“ (Ösling Pfade) und „Guttland Trails“ (Gutland Trails), die mehr Naturbelassenheit versprechen sollen.

    Ich habe während der Pandemie im Jahre 2020 angefangen, an der vom luxemburgischen Wanderverband FLMP eingerichteten „Coupe Autopédestre“ teilzunehmen. Ich war nie ein Freund der veranstalteten Massenwanderungen, da ich in der Natur Ruhe und Ausgleich suche. Aufgrund der notwendigen Kontaktvermeidung wegen Corona richtete der Verband die Möglichkeit ein, die Autopédestres unorganisiert abzuwandern und in speziellen Formularen einzutragen, mit beigefügten Screenshots aus Strava oder Komoot, einzusenden und Diplome oder Abzeichen zu erwerben.

    Die Pandemie ist längst vorbei, doch dieses Hobby führe ich weiter. Der Autopédestre in Dahl (luxemburgisch: Dol) war am Donnerstag der 80. von 201 in meiner Sammlung. Dahl ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Goesdorf im Kanton Wiltz auf einer Hochebene des Ösling im Norden Luxemburgs und zählt rund 360 Einwohner.

    Das Ausgangsschild jedes Autopédestre sieht so aus, der Ortsname steht dabei. Darunter das typische Wegmarkierungssymbol. Ein QR-Code bietet die Wanderroute fürs Handy an.

    Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz am Schulkomplex des Ortes. Schon von hier läßt sich das Tal des Flüßchens „Deierbaach“ überblicken, in welches ich nach einem Stück durch den Ort und über ein Firmengelände auf einem schmalen, teils verwachsenen Pfad in Serpentinen hinabsteige. Nachdem ich im Tal auch die „Rolbaach“ überquert habe, geht es ebenso steil und schmal wieder bergauf zurück aufs Plateau. Dabei eröffnen sich tolle, mit Ginster umstandene Aussichten auf den Talort Bockholtz.

    Der Ginster in voller Blüte
    In der Ferne im Tal Bockholtz
    Typische Untergründe des Luxemburger Nordens
    Die Wanderwege in Luxemburg sind größtenteils sehr gut ausgeschildert. Neben Wanderkarten ist auch das Geoportail hilfreich zur Orientierung.
    Verschnaufpause mit Blick nach Bockholtz

    Wieder oben angelangt, geht es ein Stückchen entlang des CR331, einer glücklicherweise wenig befahrenen Straße, bis ich auf der anderen Seite wieder in den Wald eintauche, diesmal am Nordhang des Plateaus absteigend.

    Auf einen breiten Forstweg folgt bald wieder ein schmaler Serpentinenabstieg bis ins Tal der „Nacherbaach“. Hier geht es im Schatten des Waldes auf einem eher langweiligen, jedoch mit schönen Ausblicken auf das Bächlein ausgestatteten Forstweg bis zum Rückanstieg nach Dahl, wo es noch einmal steil wird.

    Der Abstieg am Nordhang zeigt ein ganz anderes Vegetationsbild
    Zurück auf dem Plateau mit Ausblick nach Norden auf Nocher

    Entlang von Feldern und ein Stück durch den Ort erreiche ich nach etwas mehr als 9 Kilometern wieder den Ausgangspunkt.

    Zurück in Dahl. Das typischerweise zweisprachige Ortsschild empfängt mich

    Angesichts der eingangs erwähnten zahlreichen eher urbanen Autopédestres, die wirklich ätzend sind, ein schönes, sportliches und naturbelassenes Highlight ohne große Sehenswürdigkeiten. Für mich optimal, da ruhig und konditionell fordernd.

    Alle Fotos und Text: chrkuehne

  • Mahnender Makel am Rathaus von Düdelingen

    Aus der Geschichte der luxemburgischen Südgemeinde

    Im Jahre 1928 beschloß der Gemeinderat von Düdelingen, ein neues Rathaus zu bauen, und zwar gegenüber dem alten Gemeindehaus, welches später abgerissen wurde und heute unter anderem die »Spuerkeess« beherbergt.

    Das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar wurde vom Grafen von Bertier zum Preis von 1,5 Mio. LUF (Luxemburger Franken) abgetreten. Die Idee für das Gebäude kam von den Architekten J. Haal und G. Schopen. Die Ausführung der Pläne erfolgte durch den Architekten Joseph Ruckert, der unter anderem die Firma Reimen & Fils aus Düdelingen mit den Bauarbeiten, die Firma Neisius aus Düdelingen mit den Malerarbeiten und das Atelier Linster aus Bad Mondorf mit der Anfertigung der Kunstverglasungen im Treppenhaus beauftragte. Die Bauarbeiten dauerten zwei Jahre. Der Neubau wurde dann am 5. Juni 1932 von Bürgermeister Emile Ludwig und den Schöffen Eugène Conrad und Nicolas Biever eingeweiht.

    Das neue Stadthaus in einer Broschüre anläßlich der Einweihung. (Foto: Gemeinde Düdelingen)

    Heute hat dieses Gemeindehaus eine sichtbare Erinnerung an Zeiten, die nur wenige Jahre nach der oben erzählten Einweihung viel Leid brachten. Wer auf dem Gemeindeplatz steht und sich die Fassade bis zum Stadtwappen ganz oben über dem Rathausbalkon anschaut, wird es schnell entdecken: Ein Makel, Überbleibsel, Einschußlöcher, direkt neben der Rathaus-Uhr. Absichtlich nicht entfernt und repariert, um ein besonderes Andenken zu bewahren an den 1. September 1944.

    Der Mittelbau des neuen Stadthauses aus der Broschüre zur Einweihung. (Foto: Gemeinde Düdelingen)

    An jenem Tag nämlich dachten die Einwohner von Düdelingen, sie hätten die finsteren Jahre der Nazi-Besatzung überstanden, seit deutsche Truppen am 10. Mai 1940 einmarschiert waren und strömten auf eben jenen Gemeindeplatz, auf welchem sich der imaginäre Betrachter gerade befand und die Rathausuhr betrachtete.

    Die deutschen Truppen hatten Düdelingen bereits in Richtung Osten verlassen, nicht ohne zuvor noch schnell die Gemeindekasse zu plündern und In freudiger Erwartung der aus Süden, von Volmerange herannahenden US-Truppen, die jeden Moment eintreffen müßten, war das Stadtzentrum voll von Menschen, um die Befreier willkommen zu heißen, ohne zu ahnen, daß die Gerüchte über die nahenden Befreier nicht korrekt waren. Die US-Truppen waren längst noch nicht in der Region.

    Am Tag darauf wurde allenthalben die jahrelang verbotene Nationalflagge gehißt, deutsche Straßenschilder heruntergeholt, Nazi-Symbole verbrannt und die Glocken der Pfarrkirche läuteten anläßlich der vermeintlichen Befreiung. Abermals hatten sich tausende Menschen versammelt. Jetzt bald müßten die US-Soldaten doch kommen.

    Der Uhrturm heute. Rechts neben dem Stadtwappen der beschädigte Teil. (Foto: chrkuehne)

    Doch es kam ganz anders: Am Mittag plötzlich kamen zwei Lkw der Waffen-SS durch die »Niddeschgaass« (Avenue G-D Charlotte) gefahren, die jahrelang »Adolf-Hitler-Straße« hatte genannt werden müssen. Die deutschen Soldaten schossen auf die Menge und auch auf die ebenfalls am Rathaus wieder gehißte Nationalflagge. Dabei sorgten einige Geschosse dafür, daß das Eck oberhalb der Rathaus-Uhr noch heute so aussieht. Das gute Ende kam für die Düdelinger erst eine zermürbende Woche später: die »Amis« waren da, die Nazis weg. Der zerschossene Bogen an der Rathaus-Uhr bleibt mahnend zurück.

    Stadthausfront heute. (Foto: chrkuehne)
  • Auf und ab an der Our

    Eine Wandertour rund um den Land-Zipfel von Bivels

    Nachdem ich mehr als 2 Wochen aus gesundheitlichen Gründen sportlich außer Gefecht war, fand ich am Samstag endlich wieder Zeit für eine Wanderung, und zum Einstieg in meine Wandersaison durfte es schon etwas gediegeneres sein: Die Ourschleife bei Bivels (Luxemburgisch: Biwels) habe ich in den mehr als 20 Jahren, die ich in Luxemburg lebe noch nie besucht.

    Das Ourtal als solches ist in seiner Gänze ein wunderschönes Naturparadies. Die Our ist ein 96 km langer Nebenfluß der Sauer, welcher in der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien bei Büllingen entspringt und eine echter Europäerin ist: Neben Belgien durchfließt sie wechselnd auch Deutschland. Ab dem Europadenkmal im Dreiländereck bei Lieler (L) verläuft sie als luxemburgisch-deutscher Grenzfluß mit der Besonderheit, daß die Grenze nicht, wie anderswo in Europa üblich, in der Flußmitte verläuft, sondern jeweils an den Ufern, während der Fluß gemeinschaftliches Territorium von Deutschland und Luxemburg ist.

    Grenzschild an der Ourbrücke bei Bivels.

    Auf ihrem Weg nach Süden legt sie sich kurz hinter Stolzemburg, wo es ein Minenmuseum zu bestaunen gibt, mehrmals richtig in die Kurve, daß jeder Biker, der an den Sommerwochenenden in der Region die Straßenkurven unsicher macht, vor Neid erblassen würde. Nachdem sie das Ourtalkraftwerk passiert, macht sie eine Schleife um einen Zipfel Luxemburgs herum.

    Bivels 🇱🇺

    Am Isthmus dieser Schleife liegt Bivels, ein beschauliches Örtchen mit etwas mehr als 100 Einwohnern und einem schönen Blick zur Ruine der Burg Falkenstein beim deutschen Ort Waldhof.

    Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden, wie Schilder informieren, nachdem man vom kleinen Parkplatz am Ende von Bivels aus die Tour gestartet und nach der Flußüberquerung einen stattlichen Anstieg hinter sich gebracht hat. Sie bietet immerhin schöne Fotomotive. Vielleicht bedient sich eine lokale Black Metal Band irgendwann daran.

    Burg Falkenstein 🇩🇪

    Im Anschluß geht der Ourtal Wanderweg in einem Bogen wieder hinunter zum Fluß, an welchem entlang ein im späteren Verlauf breiter Forstweg mit gelegentlichen Blicken über den Fluß aufwarten kann und in nördlicher Richtung weiterführt.

    Rechts die Nordspitze der Bivels-Halbinsel.
    Der Abstieg von der Ruine Falkenstein führt auf deutscher Seite bis kurz vor Stolzemburg.

    Ich nehme südlich von Stolzemburg eine Brücke zurück auf luxemburgische Seite und folge hier der Ourtal-Promenade sowie dem luxemburgischen Jakobsweg zurück in Richtung Bivels.

    Als breiter, unschwerer Weg verläuft dieser teils unmittelbar am Flußufer und eröffnet erneut schöne Aussichten, diesmal auf die deutsche Seite hinüber. Im weiteren Verlauf führt er über eine Holzstegkonstruktion direkt am Ufer. Erinnert ein wenig an jene am See von Bled in Slowenien.

    Sobald der Weg wieder trockenen Boden erreicht, zweigt rechts den Berg hinauf der lokale Wanderweg PU 1 ab.

    Steiler Anstieg in Richtung Bivels.

    Dieser fordert wieder ein bißchen mit seinem steilen Anstieg aus dem Tal, bietet jedoch nach einer Felsumrundung einen echten Überraschungsmoment: Ich befinde mich quasi direkt an der Ourschleifen-Engstelle und kann die Our zu beiden Seiten überblicken.

    Ein knackiger Abstieg führt im Anschluß hinunter in den Ort, wo ich die Straße bis zum eingangs genannten kleinen Parkplatz durch den Ort nehme.

    Die zweisprachigen Straßenschilder verraten: Auf Luxemburgisch sind es zwei unterschiedliche Straßennamen.
    Erinnerungstafel am nahen Friedhof.

    Insgesamt waren es laut Strava 9,2 km, die doch mit einigen Highlights aufwarten konnten in einer Region, die ich sicherlich bald wieder besuchen werde. Denn der kommende Bergsommer ruft nach mehr Training.

    (Alle Fotos und Bericht: chrkuehne)