Kürzlich fand in Düsseldorf die »XPONENTIAL Europe« statt, eine Messe für autonome Technologien. Auf den Ausstellungsflächen zeigen führende Unternehmen neben militärischem Gerät auch neue Prototypen der autonomen zivilen Mobilität. Neben ferngesteuerten Kleinbussen, Drohnen oder selbstfahrenden Forschungsschiffen wurde unter anderem auch ein fahrerloser Verkehrsbus vorgestellt, der wesentlich größer ist, als etwa das in der Escher Fußgängerzone verkehrende Gerät. Er soll, unabhängig von einer ausreichenden Personaldecke, helfen können, zukünftig Fahrgäste durch Großstädte, wie etwa die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, ebenso zuverlässig zu befördern, wie es derzeit mit Händen am Steuer geschieht.
Die Entwicklung macht keineswegs Halt bei unzureichenden autonomen Systemen, wie sie derzeit noch im Tesla verbaut sind, sondern verlangt durchaus nach Aufmerksamkeit, spätestens dann, wenn technologischer Fortschritt auf gesellschaftliche Entwicklung trifft. KI ist heute bereits in der Lage, wichtige Arbeitsprozesse gestalten zu helfen, um Probleme bei Routinetätigkeiten zu vermeiden, die Menschen eben mitunter passieren. Durch ihre Effizienz stellt KI neben allem Augenmerk auf mögliche Mißbräuche eben auch eine Chance dar, die Lebensqualität in der Gesellschaft deutlich voranzubringen.
Die Schwachstelle bei all der Zukunftsvision bleibt dabei allerdings wieder der Mensch: Im 19. Jahrhundert waren sich Wissenschaftler sicher, daß es im Jahr 2000 nur noch darum gehen könne, nach den wenigen nötigen Arbeitsstunden des Tages den Rest der Zeit kurzweilig zu gestalten. Daß wir im Jahr 2025 immer noch die fremdbestimmte Arbeit als nahezu alleinigen Tages-, Wochen- und Lebensinhalt eines lohnabhängigen Menschen definieren und daß selbst dies der derzeit herrschenden Politik noch nicht genug ist, zeigt, daß auch die Wohlstandszuwächse durch diese Stufe der Produktivitätssteigerung in der Geschichte der Industrialisierung wieder von Herrschenden und den von ihnen vertretenen Konzernen abgeschöpft wird. Die neuen Technologien werden im Zusammenhang mit den arbeitenden Massen höchstens zur noch perfideren Überwachung eingesetzt.
Themen wie Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich und eine generelle Verkürzung der Lebensarbeitszeit ohne Einbußen werden weiterhin nur als linke Utopien betrachtet, während soziale Errungenschaften nach und nach eingestampft werden, ohne nennenswerte Gegenwehr der Massen. Solange technologische Entwicklungen nicht vergesellschaftet werden, sprich zum Wohle der gesamten Menschheit eingesetzt, sondern wieder nur zu einer weiteren Verdichtung der Arbeitshetze dienen, so lange werden auch Lohnabhängige KI und fahrerlose Fahrzeuge als eine Gefahr ansehen, die ihnen das Brot vom Teller spart. Die Profiteure jedoch haben keinerlei Interesse daran, daß ihre Profite durch gesellschaftlichen Fortschritt geschmälert werden. Bereits in den 1970er Jahren etwa waren die Folgen eines kapitalistischen Raubbaus an der Erde wissenschaftlich bekannt, in Richard Fleischers Thriller »Soylent Green« mit Charlton Heston auf einer verseuchten und verarmten Erde des Jahres 2022 spielend brillant dargestellt. In den 1980ern fuhr die Ölindustrie eine beispiellose Desinformationskampagne, um ihre Pfründe vor einer gesellschaftlichen Fortentwicklung zu schützen. Neue Technologien wurden bis auf kommerzielle Spielereien der gesellschaftlichen Entwicklung vorenthalten oder blieben dem Militär vorbehalten. Dasselbe geschieht heute mit KI. Und wieder interessiert es niemanden.



