Das 16. Studio-Album der Essener Urgesteine:

»Krushers Of The World« von Kreator ist da

Einigen vagen Ankündigungen bei Live-Auftritten im vergangenen Sommer folgte dann im Herbst die Gewißheit: Kreator hatten ein neues Album in der Pipeline. Unter den Rummel um den Dokumentarfilm »Hate & Hope« von Kordula Kablitz-Post, welche die Band ab Wacken 2023 rund ein Jahr mit der Kamera begleitet hatte, und die Autobiographie »Your Heaven – My Hell« von Frontmann Mille Petrozza mischten sich erste Infos zu neuen Songs, bevor Ende September mit »Seven Serpents« der Eröffnungstrack des neuen Albums vorgestellt wurde. Die Meinungen waren geteilt, insbesondere auch aufgrund des größtenteils KI-generierten Videos. Petrozza selbst gab in Interviews anschließend zu: »Mehr KI muß nicht sein«.

Ganz anders kam Ende Oktober »Tränenpalast« an: Eine Hommage an »Suspiria«, einen berühmten italienischen Horrorfilm von Dario Argento (1977) über eine Tänzerin an einer Ballettschule, die von Hexen geleitet wird und in der düstere, okkulte Geheimnisse lauern. Das Duett mit Hiraes-Sängerin Britta Görtz und ein hochwertig produziertes Video runden dieses Werk ab. Dagegen fällt der namensgebende Titeltrack des Albums in Sachen Härte fast schon wieder in den Schatten. Genau, wie der nach »Seven Serpents« folgende zweite Song »Satanic Anarchy« fällt er nach einem starken Beginn eher in einen gefälligen Mainstream-Thrash. Ab »Tränenpalast« allerdings nimmt das neue Album Fahrt auf. »Barbarian« ist eine Hommage an den guten alten Thrash-Metal der 1980er und 90er Jahre, gefolgt von »Blood Of Our Blood«, »Combatants« und »Psychiotic Imperator«. Der Abschluß »Loyal To The Grave« im Anschluß an das noch einmal schön oldschoolige »Deathscream«  klingt sauber und voluminös, jedoch wieder ganz anders, als die klassisch angehauchten Thrash-Tracks davor.

Kritiker werfen Kreator vor, mittlerweile zu sehr im melodischen »Stadion-Thrash« zu versinken, wobei das Vorgänger-Album »Hate Über Alles (2022) eine Menge Kritik einstecken mußte. Nach der Veröffentlichung des schauerlichen KI-Videos zu »Seven Serpents« fürchteten manche Thrash-Puristen, die sich nicht von der Frühphase der Band lösen mögen, schlimmes. Doch auch wenn 2-3 Tracks des neuen Albums vielleicht einen Tick zu weichgespült daherkommen, liefern Kreator wie gewohnt ab. Eine Band hat immer das Recht, sich weiterzuentwickeln. Und wie sagte Randy Blythe, Sänger von Lamb Of God, einmal treffend: »Wir machen Musik für fünf Leute (die Bandmitglieder. Anm. d. Red). Wenn sie dir nicht gefällt, ist mir das egal. Mir gefällt sie«.

 Kreator-Frontmann Petrozza strotzt vor Ideen, verarbeitet viele aktuelle politische und gesellschaftliche Themen in seinen Texten und seine Mannen,  Sami und Frédéric an Gitarre und Baß sowie Kindergartenkumpel Ventor am Schlagzeug setzen diese ein weiteres Mal gekonnt um. Eine gute Einstimmung auf die anstehende Europa-Tour der Band, in deren Rahmen sie, begleitet von Exodus, Carcass und Nails, am kommenden 31. März auch in der Escher Rockhal gastieren. Mille Petrozza verspricht im Vorfeld nicht weniger als eine Show der Superlative: »Dies wird die größte Produktion, die wir je auf Tour mitgenommen haben.«

Das Album »Krushers Of The World« ist am 16. Januar 2026 bei Nuclear Blast Records erschienen.

Dark Red/White Vinyl, limitiert auf 500 Stück.
Schönes Teil.

(Text und Fotos: chrkuehne)

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