Autor: chrkuehne

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    Mittwoch, 21. Mai 2025 um 10 Uhr in Düdelingen 🇱🇺

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    Hamburg🇩🇪, am 17. Mai 2025 um 17:30 Uhr

  • »Celestial Lands« von Wolvencrown

    Eine klangvolle Reise in den atmosphärischen Black Metal:

    Wenn es um Metal als Musikrichtung geht, schweben uns wohl sofort die alten und neuen Schwergewichte der Szene vor. Wenn es jedoch um Black Metal geht, gehen die Meinungen schnell auseinander. Für viele Zeitgenossen, die gerne mal Iron Maiden oder Judas Priest hören, eine eher düstere und unheimliche Welt. Dabei hat dieses Genre ebenfalls seine Stilrichtungen, wie Thrash Metal, Power Metal oder Speed Metal ebenfalls unterschiedliche Strömungen sind.

    In der schier unendlich vielfältigen Welt des Black Metal gibt es da etwa Atmospheric Metal, welcher insbesondere in Großbritannien seine Vertreter findet. Er zeichnet sich oft durch eine Mischung aus rauer Energie gepaart mit atmosphärischen Melodien aus. Besonders der melodische Black Metal hat in den letzten Jahren durchaus an Bedeutung gewonnen. Bands wie Fen oder Saor sind längst keine Unbekannten mehr. Letzteres ist ein im Folk-Bereich angesiedeltes Solo-Projekt von Andy Marshall (ehemals Falloch) und 2025 ebenfalls mit neuem Album auf Tour

    Die Band Wolvencrown aus Nottingham vertritt selbst das Genre des Atmospheric Black Metal und stand international bisher eher nicht im Vordergrund, gab sie doch erst vor rund 5 Jahren ihr Debüt mit dem Album »Of Bark And Ash«, gefolgt von 2 EPs in 2017 und 2021 (»Wolvencrown« sowie »A Shadow of What Once Was«. Wolvencrown, das sind Reece Atkin, Matt Dawson, Nick Horton, Will Cupitt sowie Chris Marsland.

    Auf der Streaming-Plattform Spotify zählt die Band aktuell etwas weniger als 300 monatliche Zuhörer, was ihren Geheimtipp-Status zumindest nach diesem Kriterium noch unterstreichen dürfte. Mit »Celestial Lands« hat die fünfköpfige Band im vergangenen November ihr zweites Studio-Album vorgelegt, welches 8 vorwiegend lange Tracks enthält, die ein neues Kapitel in der noch jungen Bandgeschichte aufzuschlagen scheinen.

    Eigentlich sind es keine vollständig neuen Stücke, welche die neue Scheibe enthält. Es handelt sich teils um Songs, die schon zuvor bereits bei Live-Auftritten gespielt und nun endlich auf Vinyl und CD gepreßt wurden.

    Das neue Album ist eine regelrechte Explosion von Klangfarben und nicht zuletzt das herausragende Albumcover macht es zu einer voluminös-atmosphärischen Reise in die Magie der Beziehung zwischen Mensch und Natur mit allen Facetten und einem Hingucker im Plattenregal. Ich habe es insbesondere in den dunklen Wintermonaten gern auf Wanderungen und Spaziergängen gehört. Gerade inmitten der winterlich kargen Natur hat das Album für mich sein ganzes atmosphärisches Spektrum entfaltet.

    Gitarrenriffs, typisches schnelles Schlagzeug und keyboard-intensive Abschnitte machen aus der rund einstündigen Platte eine bewegende musikalische Erfahrung mit Gänsehaut-Momenten.

    Die Album-Premiere seinerzeit auf dem für Album- und Bandvorstellungen des Genres relevanten YouTube-Kanal Black Metal Promotion brachte bei mehr als 20.000 Zuhörern ein begeistertes Feedback. Bleibt zu hoffen, in absehbarer Zeit hierzulande oder in der Großregion auch Live am Sound der fünf aus Nottingham teilhaben zu können.

    »Celestial Lands« ist am 25. November 2024 beim italienischen Label Avantgarde Music auf Vinyl (Auf 150 Stück limitierte Special Edition erhältlich), CD sowie digital erschienen.

    Albumcover (Foto: Avantgarde Music)
  • Auf wilden Pfaden im Ösling

    Der Rundwanderweg (Autopédestre) von Dahl

    Derzeit gibt es in Luxemburg insgesamt 201 Auto-Pédestre Rundwanderwege, deren Anzahl immer wieder variiert, weil viel angepaßt und umgebaut wird. Diese Routen sind über das ganze Land verteilt und bieten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Streckenlängen, jedoch auch sehr unterschiedliche Wandererlebnisse. Manche von ihnen schlängeln sich durch verwunschene Natur, andere hingegen, und das sind nicht wenige, verbringen viele Kilometer entlang von stark befahrenen Hauptverkehrsstraßen, durch Wohngebiete oder über unterschiedlichste Qualitäten von geteerten Straßen oder Forstwegen. Daneben gibt es seit einiger Zeit immer mehr „Éislek Pied“ (Ösling Pfade) und „Guttland Trails“ (Gutland Trails), die mehr Naturbelassenheit versprechen sollen.

    Ich habe während der Pandemie im Jahre 2020 angefangen, an der vom luxemburgischen Wanderverband FLMP eingerichteten „Coupe Autopédestre“ teilzunehmen. Ich war nie ein Freund der veranstalteten Massenwanderungen, da ich in der Natur Ruhe und Ausgleich suche. Aufgrund der notwendigen Kontaktvermeidung wegen Corona richtete der Verband die Möglichkeit ein, die Autopédestres unorganisiert abzuwandern und in speziellen Formularen einzutragen, mit beigefügten Screenshots aus Strava oder Komoot, einzusenden und Diplome oder Abzeichen zu erwerben.

    Die Pandemie ist längst vorbei, doch dieses Hobby führe ich weiter. Der Autopédestre in Dahl (luxemburgisch: Dol) war am Donnerstag der 80. von 201 in meiner Sammlung. Dahl ist ein kleiner Ort in der Gemeinde Goesdorf im Kanton Wiltz auf einer Hochebene des Ösling im Norden Luxemburgs und zählt rund 360 Einwohner.

    Das Ausgangsschild jedes Autopédestre sieht so aus, der Ortsname steht dabei. Darunter das typische Wegmarkierungssymbol. Ein QR-Code bietet die Wanderroute fürs Handy an.

    Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz am Schulkomplex des Ortes. Schon von hier läßt sich das Tal des Flüßchens „Deierbaach“ überblicken, in welches ich nach einem Stück durch den Ort und über ein Firmengelände auf einem schmalen, teils verwachsenen Pfad in Serpentinen hinabsteige. Nachdem ich im Tal auch die „Rolbaach“ überquert habe, geht es ebenso steil und schmal wieder bergauf zurück aufs Plateau. Dabei eröffnen sich tolle, mit Ginster umstandene Aussichten auf den Talort Bockholtz.

    Der Ginster in voller Blüte
    In der Ferne im Tal Bockholtz
    Typische Untergründe des Luxemburger Nordens
    Die Wanderwege in Luxemburg sind größtenteils sehr gut ausgeschildert. Neben Wanderkarten ist auch das Geoportail hilfreich zur Orientierung.
    Verschnaufpause mit Blick nach Bockholtz

    Wieder oben angelangt, geht es ein Stückchen entlang des CR331, einer glücklicherweise wenig befahrenen Straße, bis ich auf der anderen Seite wieder in den Wald eintauche, diesmal am Nordhang des Plateaus absteigend.

    Auf einen breiten Forstweg folgt bald wieder ein schmaler Serpentinenabstieg bis ins Tal der „Nacherbaach“. Hier geht es im Schatten des Waldes auf einem eher langweiligen, jedoch mit schönen Ausblicken auf das Bächlein ausgestatteten Forstweg bis zum Rückanstieg nach Dahl, wo es noch einmal steil wird.

    Der Abstieg am Nordhang zeigt ein ganz anderes Vegetationsbild
    Zurück auf dem Plateau mit Ausblick nach Norden auf Nocher

    Entlang von Feldern und ein Stück durch den Ort erreiche ich nach etwas mehr als 9 Kilometern wieder den Ausgangspunkt.

    Zurück in Dahl. Das typischerweise zweisprachige Ortsschild empfängt mich

    Angesichts der eingangs erwähnten zahlreichen eher urbanen Autopédestres, die wirklich ätzend sind, ein schönes, sportliches und naturbelassenes Highlight ohne große Sehenswürdigkeiten. Für mich optimal, da ruhig und konditionell fordernd.

    Alle Fotos und Text: chrkuehne

  • Mahnender Makel am Rathaus von Düdelingen

    Aus der Geschichte der luxemburgischen Südgemeinde

    Im Jahre 1928 beschloß der Gemeinderat von Düdelingen, ein neues Rathaus zu bauen, und zwar gegenüber dem alten Gemeindehaus, welches später abgerissen wurde und heute unter anderem die »Spuerkeess« beherbergt.

    Das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar wurde vom Grafen von Bertier zum Preis von 1,5 Mio. LUF (Luxemburger Franken) abgetreten. Die Idee für das Gebäude kam von den Architekten J. Haal und G. Schopen. Die Ausführung der Pläne erfolgte durch den Architekten Joseph Ruckert, der unter anderem die Firma Reimen & Fils aus Düdelingen mit den Bauarbeiten, die Firma Neisius aus Düdelingen mit den Malerarbeiten und das Atelier Linster aus Bad Mondorf mit der Anfertigung der Kunstverglasungen im Treppenhaus beauftragte. Die Bauarbeiten dauerten zwei Jahre. Der Neubau wurde dann am 5. Juni 1932 von Bürgermeister Emile Ludwig und den Schöffen Eugène Conrad und Nicolas Biever eingeweiht.

    Das neue Stadthaus in einer Broschüre anläßlich der Einweihung. (Foto: Gemeinde Düdelingen)

    Heute hat dieses Gemeindehaus eine sichtbare Erinnerung an Zeiten, die nur wenige Jahre nach der oben erzählten Einweihung viel Leid brachten. Wer auf dem Gemeindeplatz steht und sich die Fassade bis zum Stadtwappen ganz oben über dem Rathausbalkon anschaut, wird es schnell entdecken: Ein Makel, Überbleibsel, Einschußlöcher, direkt neben der Rathaus-Uhr. Absichtlich nicht entfernt und repariert, um ein besonderes Andenken zu bewahren an den 1. September 1944.

    Der Mittelbau des neuen Stadthauses aus der Broschüre zur Einweihung. (Foto: Gemeinde Düdelingen)

    An jenem Tag nämlich dachten die Einwohner von Düdelingen, sie hätten die finsteren Jahre der Nazi-Besatzung überstanden, seit deutsche Truppen am 10. Mai 1940 einmarschiert waren und strömten auf eben jenen Gemeindeplatz, auf welchem sich der imaginäre Betrachter gerade befand und die Rathausuhr betrachtete.

    Die deutschen Truppen hatten Düdelingen bereits in Richtung Osten verlassen, nicht ohne zuvor noch schnell die Gemeindekasse zu plündern und In freudiger Erwartung der aus Süden, von Volmerange herannahenden US-Truppen, die jeden Moment eintreffen müßten, war das Stadtzentrum voll von Menschen, um die Befreier willkommen zu heißen, ohne zu ahnen, daß die Gerüchte über die nahenden Befreier nicht korrekt waren. Die US-Truppen waren längst noch nicht in der Region.

    Am Tag darauf wurde allenthalben die jahrelang verbotene Nationalflagge gehißt, deutsche Straßenschilder heruntergeholt, Nazi-Symbole verbrannt und die Glocken der Pfarrkirche läuteten anläßlich der vermeintlichen Befreiung. Abermals hatten sich tausende Menschen versammelt. Jetzt bald müßten die US-Soldaten doch kommen.

    Der Uhrturm heute. Rechts neben dem Stadtwappen der beschädigte Teil. (Foto: chrkuehne)

    Doch es kam ganz anders: Am Mittag plötzlich kamen zwei Lkw der Waffen-SS durch die »Niddeschgaass« (Avenue G-D Charlotte) gefahren, die jahrelang »Adolf-Hitler-Straße« hatte genannt werden müssen. Die deutschen Soldaten schossen auf die Menge und auch auf die ebenfalls am Rathaus wieder gehißte Nationalflagge. Dabei sorgten einige Geschosse dafür, daß das Eck oberhalb der Rathaus-Uhr noch heute so aussieht. Das gute Ende kam für die Düdelinger erst eine zermürbende Woche später: die »Amis« waren da, die Nazis weg. Der zerschossene Bogen an der Rathaus-Uhr bleibt mahnend zurück.

    Stadthausfront heute. (Foto: chrkuehne)
  • Auf und ab an der Our

    Eine Wandertour rund um den Land-Zipfel von Bivels

    Nachdem ich mehr als 2 Wochen aus gesundheitlichen Gründen sportlich außer Gefecht war, fand ich am Samstag endlich wieder Zeit für eine Wanderung, und zum Einstieg in meine Wandersaison durfte es schon etwas gediegeneres sein: Die Ourschleife bei Bivels (Luxemburgisch: Biwels) habe ich in den mehr als 20 Jahren, die ich in Luxemburg lebe noch nie besucht.

    Das Ourtal als solches ist in seiner Gänze ein wunderschönes Naturparadies. Die Our ist ein 96 km langer Nebenfluß der Sauer, welcher in der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien bei Büllingen entspringt und eine echter Europäerin ist: Neben Belgien durchfließt sie wechselnd auch Deutschland. Ab dem Europadenkmal im Dreiländereck bei Lieler (L) verläuft sie als luxemburgisch-deutscher Grenzfluß mit der Besonderheit, daß die Grenze nicht, wie anderswo in Europa üblich, in der Flußmitte verläuft, sondern jeweils an den Ufern, während der Fluß gemeinschaftliches Territorium von Deutschland und Luxemburg ist.

    Grenzschild an der Ourbrücke bei Bivels.

    Auf ihrem Weg nach Süden legt sie sich kurz hinter Stolzemburg, wo es ein Minenmuseum zu bestaunen gibt, mehrmals richtig in die Kurve, daß jeder Biker, der an den Sommerwochenenden in der Region die Straßenkurven unsicher macht, vor Neid erblassen würde. Nachdem sie das Ourtalkraftwerk passiert, macht sie eine Schleife um einen Zipfel Luxemburgs herum.

    Bivels 🇱🇺

    Am Isthmus dieser Schleife liegt Bivels, ein beschauliches Örtchen mit etwas mehr als 100 Einwohnern und einem schönen Blick zur Ruine der Burg Falkenstein beim deutschen Ort Waldhof.

    Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden, wie Schilder informieren, nachdem man vom kleinen Parkplatz am Ende von Bivels aus die Tour gestartet und nach der Flußüberquerung einen stattlichen Anstieg hinter sich gebracht hat. Sie bietet immerhin schöne Fotomotive. Vielleicht bedient sich eine lokale Black Metal Band irgendwann daran.

    Burg Falkenstein 🇩🇪

    Im Anschluß geht der Ourtal Wanderweg in einem Bogen wieder hinunter zum Fluß, an welchem entlang ein im späteren Verlauf breiter Forstweg mit gelegentlichen Blicken über den Fluß aufwarten kann und in nördlicher Richtung weiterführt.

    Rechts die Nordspitze der Bivels-Halbinsel.
    Der Abstieg von der Ruine Falkenstein führt auf deutscher Seite bis kurz vor Stolzemburg.

    Ich nehme südlich von Stolzemburg eine Brücke zurück auf luxemburgische Seite und folge hier der Ourtal-Promenade sowie dem luxemburgischen Jakobsweg zurück in Richtung Bivels.

    Als breiter, unschwerer Weg verläuft dieser teils unmittelbar am Flußufer und eröffnet erneut schöne Aussichten, diesmal auf die deutsche Seite hinüber. Im weiteren Verlauf führt er über eine Holzstegkonstruktion direkt am Ufer. Erinnert ein wenig an jene am See von Bled in Slowenien.

    Sobald der Weg wieder trockenen Boden erreicht, zweigt rechts den Berg hinauf der lokale Wanderweg PU 1 ab.

    Steiler Anstieg in Richtung Bivels.

    Dieser fordert wieder ein bißchen mit seinem steilen Anstieg aus dem Tal, bietet jedoch nach einer Felsumrundung einen echten Überraschungsmoment: Ich befinde mich quasi direkt an der Ourschleifen-Engstelle und kann die Our zu beiden Seiten überblicken.

    Ein knackiger Abstieg führt im Anschluß hinunter in den Ort, wo ich die Straße bis zum eingangs genannten kleinen Parkplatz durch den Ort nehme.

    Die zweisprachigen Straßenschilder verraten: Auf Luxemburgisch sind es zwei unterschiedliche Straßennamen.
    Erinnerungstafel am nahen Friedhof.

    Insgesamt waren es laut Strava 9,2 km, die doch mit einigen Highlights aufwarten konnten in einer Region, die ich sicherlich bald wieder besuchen werde. Denn der kommende Bergsommer ruft nach mehr Training.

    (Alle Fotos und Bericht: chrkuehne)

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    Dienstag, 29. April 2025 um 12:30 Uhr in Schifflingen 🇱🇺

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    Donnerstag, 24. April um 19 Uhr in Bad Mondorf 🇱🇺

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    Montag, 21. April 2025 um 14 Uhr in Düdelingen 🇱🇺

    (Foto: chrkuehne)
  • »Black Mirror« Staffel 7

    Ein kurzer Grusel, eine Fortsetzung und ein Tamagotchi-Spiel

    Als die britische Science-Fiction-Serie »Black Mirror« im Jahre 2013 mit ihrer ersten Staffel bei Netflix aufschlug, schaute ich eher semi-neugierig mal rein, was das wohl sein mag. Mich interessieren dystopische Zukunftsvisionen und Science-Fiction seit je her, nur leider ist vieles, was in der Streaming Welt diese Bezeichnung trägt, eher Schrott.

    Wir erinnern uns, daß die erste Staffel seinerzeit lediglich 3 in sich abgeschlossene Kurzgeschichten umfaßte, darunter in »Der Wille des Volkes« die Entführung der britischen Prinzessin Susannah, für deren Freilassung die Entführer forderten, der Premierminister müsse live im TV mit einem Schwein Sex haben. Ein irritierender Thriller, der »Black Mirror« sofort im Kopf verankerte.

    Auch die beiden nachfolgenden Filme der ersten Staffel mit »Das Leben als Spiel« sowie »Das transparente Ich« verstörten mit ihren Zukunftsvisionen einer völligen Auslieferung des Menschen in die Welt moderner Technologien im negativen Kontext.

    Die nachfolgenden Staffeln werden dann länger und sind weiterhin durchaus immer wieder mit dystopischem Content versehen. Insbesondere »Böse neue Welt« hat mich enorm fasziniert. Auch »Abgestürzt« aus Staffel 3 fand ich extrem bedrückend. Eine Phantasie in einer Welt, in der Menschen nach ihrem Social Ranking beurteilt werden und dementsprechend belohnt oder bestraft werden, die in Asien bereits bis zu einem gewissen Grad Realität geworden ist und auch bei uns auf die ein oder andere Weise immer näher rückt.

    In »Männer aus Stahl« macht eine private Militärorganisation in Dänemark Jagd auf Mutanten, sogenannte »Kakerlaken«. Eine ethnische Säuberungsaktion durch Soldaten eines Eugenik-Programms. Dies sind Episoden, die mir besonderes gefallen haben, und ja: Auch »U.S.S. Callister« aus der vierten Staffel gehörte irgendwie dazu.

    Daß es nun in Staffel 7 eine Fortsetzung dazu gibt, fand ich grundsätzlich nicht schlecht, nur im Gegensatz zu den dystopischen Gesellschaftskritiken der genannten Episoden wirkt die Handlung zu phantastisch-abgehoben mit dem im Kern von »Infinity« sitzenden Klon von Robert Daly. Irgendwie war in der Fortsetzung für mich der Lack ab und auch das, was »Black Mirror« für mich ausmachte, nicht mehr wirklich vorhanden. Das findet sich meines Erachtens in der siebten Staffel eigentlich nur noch in der ersten Episode, die wieder deutlich mit dystopischen Zukunftsvisionen spielt, wenn Amanda und Mike an »Rivermind« und seinen Abo-Fallen zerbrechen. Das kalte Abo-Geschäft mit dem Leben läßt gar nicht kalt und den Zuschauer am Schluß schockiert zurück.

    Demgegenüber konnten mich die restlichen Episoden zwar hier und dort interessieren und neugierig machen, jedoch immer nur bis zu einem bestimmten Grad. Der Funke sprang am Ende dann doch nicht über. Ein netter Gimmick ist die Episode »Spielzeug«. Die Episode zum Spiel »Thronglets« oder auch umgekehrt. Denn passenderweise wurde eine Smartphone-Version des Spiels, das eine Art Tamagotchi-Verschnitt darstellt, in dem kleine Wesen gefüttert, gewaschen und amüsiert werden müssen, zeitnah ebenfalls auf Netflix veröffentlicht. Hier überzeugten mich in erster Linie die Passagen des Cameron Walker über die Gesellschaft und die Natur des Menschen. Der Rest wirkt eher wie eine um das Game herum zusammengezimmerte Story. »Hotel Reverie« sehe ich eigentlich ähnlich: Eine Story, die über eine Reihe von Spezialeffekten gelegt wurde und in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt wirklich gezündet hat. Was jedoch ohne Frage geblieben ist, sind die überzeugenden Schauspieler.

    Vielleicht ist weniger doch mehr und »Black Mirror« sollte sich wieder mehr auf seine Ausgangsidee konzentrieren. Gerne warte ich einige Zeit auf „nur“ 3 neue Episoden, die es aber dafür wieder durchgängig in sich haben.

    (Foto: Wikipedia)