Samstag, 5. April 2025 um 20:15 Uhr bei Bitburg 🇩🇪

Neues Album »Ikiharmaja – (Evergrey)« von Sammale
Finnland, das sind endlose Wälder, Seen und Flüsse, Fabelwesen und Urgewalten der nordischen Welt – und in jedem noch so kleinen Dorf eine Metalband, wie wir kürzlich aus einer kurzen aber schönen Arte-Reportage lernen konnten, obwohl wir es ja eigentlich schon immer wußten. Die Finnen verstehen ihr musikalisches Handwerk in mannigfaltigen Genres. Eines, das es mir persönlich angetan hat, ist das des Melodic Black Metal.
Hier bin ich vor einigen Tagen über eine Album-Veröffentlichung gestolpert, die mich sofort in ihren Bann zog: »Ikiharmaja – (Evergrey)« der finnischen Band Sammale, deren Markenzeichen eine Mischung aus Melancholie und verträumter Atmosphäre ist, die sich sehr häufig an Elemente aus der finnischen Natur und nationalen Identität im Angesicht jahrhundertelanger Fremdherrschaft und erreichter Selbständigkeit anlehnt. Die Texte des neuen Albums drehen sich so neben dem erwähnten Gedicht auch um Trauer im Ersten Weltkrieg sowie Volkslieder. Diese Bodenständigkeit, ausgedrückt durch das Stilmittel des Black Metal, ist für mich deutlich faszinierender, als die x-te »Teufel«,»Hölle«-Thematik anderer Metal-Vertreter.
Es ist die bisher vierte Veröffentlichung der Nordländer und gleich das erste Stück trägt atmosphärisch ordentlich auf: »Vapauden Virsi« (»The Hymn of Freedom«) beinhaltet den Text eines Gedichts mit dem selben Namen von Eino Leino, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten sowie eines großen Vertreters der Poesie des Landes und handelt von der Unabhängigkeit Finnlands von russischer und schwedischer Herrschaft.
Insgesamt bieten die fünf langen Tracks des am 28. März digital, auf CD und Kassette bei Naturmacht erschienenen Albums eine gelungene Kombination aus traditionellen Klängen und Metal-Komponenten, häufig sehr melodisch und nicht zu abstrakt. Ein wunderschönes Cover-Artwork rundet das Ganze ab. Ich hoffe auf eine Vinyl-Ausgabe.

Albumcover (Foto: naturmacht.com)
»Blood Dynasty« – Solider Sound mit Überraschung
Am Freitag veröffentlichte die 1995 im schwedischen Halmstad gegründete Melodic Death Metal Band Arch Enemy ihr mittlerweile zwölftes Studioalbum. »Blood Dynasty« folgt damit auf »Deceivers« aus dem Jahre 2022 und ist das erste Album der Band, auf welchem Gitarrist Joey Concepcion zu hören ist, nachdem Jeff Loomis die Band 2023 verlassen hatte, obwohl letzterer auf den Bonustracks »Break the Spell« und »Moths« noch mitwirkt. Bereits am vergangenen 31. Juli wurde als erste Single »Dream Stealer« veröffentlicht. Das neue Album umfaßt elf Tracks, plus die genannten beiden Bonustitel.
»Blood Dynasty« startet mit dem seit letztem Sommer bekannten »Dream Stealer« fulminant und setzt sich in »Illuminate the Path« nicht weniger stürmisch, mit eingängiger Hintergrundmelodie und einem Wechsel zwischen klarem Gesang und dem typischen Growling von Sängerin Alissa White-Gluz fort. Die Kanadierin mit der auffälligen blauen Mähne ersetzte im Jahre 2014 die Deutsche Angela Gossow und ist seither das optische Markenzeichen der Band. Alissa schlägt in der Ballade »Vivre Libre« später im Album auch deutlich andere Töne an, als man überwiegend von ihr gewöhnt ist. Soviel Klarstimme gibt es ansonsten selten und man mag darüber streiten, ob der Song zum Album paßt, allerdings ist er für sich genommen ein schönes Stück.
Der Rest ist solides Arch-Enemy-Programm und das durchaus noch einmal besser und abwechslungsreicher, als auf »Deceivers«. Schon faszinierend, mit welcher Routine auch beim zwölften Mal, rein die Studio-Alben betrachtet, hier mitreißendes Ohrensausen abgeliefert wird.
Die Schweden sind darüber hinaus auch hierzulande keine Unbekannten mehr: Am kommenden 3. November sind sie bereits zum dritten Mal in den vergangenen drei Jahren in Esch/Alzette zu Gast. Nachdem sie im vergangenen Jahr im Rahmen der »Rising from the North«-Tour gemeinsam mit ihren Landsleuten von In Flames und Soilwork die Rockhal zum Beben brachten, werden sie in diesem Herbst auf ihrer »Blood Dynasty Tour« durchaus hochkarätig von den Progressive-Metal-Finnen »Amorphis« und der schweizerischen Folk-Metal-Formation »Eluveitie« begleitet.
Der Vorverkauf auf https://rockhal.lu/shows/arch-enemy-2025/ läuft bereits und das Ticket kostet 59 Euro. Angesichts des Lineups absolut machbar.

Albumcover (archenemy.net)

Am 3. August im »Atelier« in Luxemburg
Den Sommer nutzen viele Bands, um zwischen ihren Shows bei diversen Festivals quer durch Europa immer wieder Club-Auftritte einzuschieben und dort unter Umständen auch schon mal eine andere Setlist zu präsentieren, als auf den großen Bühnen. Dies tun beispielsweise die Thrasher von Kreator. Oder auch etwa Machine Head, deren Auftritt ebenfalls im kommenden August im »Atelier« nach für luxemburgische Verhältnisse sehr kurzer Zeit ausverkauft war. Auch eine der einflußreichsten US-amerikanischen Metalbands des 21. Jahrhundert läßt sich diese Gelegenheit nicht nehmen und schiebt am Sonntag, dem 3. August 2025 ebenfalls einen Auftritt im »Atelier« in ihren Festivalkalender.
Mit ihrem progressiv-modernen Ansatz des Metal, der lange Instrumentalpassagen, anspruchsvolle Rythmusvariationen und komplizierte Gitarrenriffs vereint, haben sie sich weltweit einen Ruf gemacht. Gegründet im Jahre 2000 in Atlanta hat die Band bisher acht Studioalben veröffentlicht und im Jahre 2018 für das Lied »Sultan’s Curse« einen Grammy in der Kategorie »Best Metal Performance« einheimsen können. In ihrem Versuch, Metal immer wieder neu und modern zu definieren, greifen sie nicht selten zu interessanten und außergewöhnlichen Geschichten. So etwa für ihr zweites Album »Leviathan« aus dem Jahr 2004, welches ein Konzeptalbum war, welches auf Herman Melvilles ikonischem Roman Moby Dick über Walfang und Besessenheit basierte und der Band den kommerziellen Durchbruch bescherte. Das Album wird von Kritikern als eines der wichtigsten Alben in der Geschichte des Genres angesehen. Das 2017 erschienene Album »Emperor of Sand« debütierte direkt in den Top Ten und wurde für einen Grammy als bestes Rockalbum nominiert. Im vergangenen Jahr taten sie sich mit Lamb of God um Sänger Randy Blythe für die Single »Floods of Triton« zusammen.
Nach langer Zeit also wieder ein Live-Auftritt der Band aus Atlanta hier in Luxemburg. Wer das Fassungsvermögen des »Atelier« in der Hollericher Straße kennt und gesehen hat, wie schnell Machine Head die Bude vollgemacht haben und sicherlich zum Beben bringen werden, sollte sich am kommenden Freitag, dem 28. März um 11 Uhr nichts vornehmen, denn dann startet der Ticketvorverkauf für den 3. August unter https://www.atelier.lu/shows/mastodon-2/.

Der März zeigte sich am vergangenen Wochenende, dem Föhnwetter geschuldet, zumindest am Freitag und Samstag im österreichischen Vorarlberg mit bis zu 20 Grad bereits von seiner frühlingshaften Seite.

Die Pfarrkirche St. Karl Borromäus, kurz bevor die Sonne den Kirchplatz erreicht. (Foto: chrkuehne)

In der Frontalansicht ist die beherrschende Wirkung des 1806 fertiggestellten spätbarocken Steinbaus auf den Platz sichtbar. (Foto: chrkuehne)

Rechts daneben findet sich der Palast von Hohenems. Er war das Residenzschloß der Grafen von Hohenems und befindet sich bis heute in Privatbesitz der Familie Waldburg-Zeil. (Foto: chrkuehne)

Der Emsbach ist im Bereich des Schloßplatzes eingefaßt und bietet mit seinen Stufen Gelegenheit zum Verweilen. Das schöne und warme Frühlingswetter am vergangenen Wochenende lud dazu ein, auch wenn noch kahle Bäume vielleicht anderes suggerieren. (Foto: chrkuehne)

(Foto: chrkuehne)

Nach dem Fußbad im kalten Emsbach konnte am Platz in der gleichnamigen »Bierwelt« auch die Kehle befeuchtet werden. (Foto: chrkuehne)
Weitere Infos zu Hohenems: https://www.hohenems.at/.
Desdemonia (LU) – Drogher (LU) – All it’s Grace (DE)
Für Kurzentschlossene Metalfreunde in und um Luxemburg noch schnell der Veranstaltungstipp: Am morgigen Samstagabend öffnen sich die Türen der MK Bar in Belval wieder für einen Live Metal Abend der Extraklasse. Eigentlich muß man über die luxemburgischen Death-Metal-Vertreter Desdemonia nicht mehr viele Worte verlieren, sind sie doch mittlerweile international bekannt. Die 1994 in Helmdange gegründete vierköpfige Band absolvierte bereits zwei Jahre später ihren ersten Live-Auftritt und ist heute international unterwegs im Kreise anderer Vertreter der Metalszene, wie Apocalyptica, Oomph! oder Soilwork sowie auf zahlreichen Festivals in Europa. Ihr viertes Studioalbum erschien im Frühjahr 2018 und trägt den Titel »Anguish«.
All it’s Grace sind eine 2004 in Mainz gegründete Band, die sich modernem Melodic Death Metal mit Metalcore-Einflüssen verschrieben hat. Die Band hat bisher zwei Alben veröffentlicht, das letzte im Jahr 2023 mit dem Titel »To What End?«.
Drogher sind eine 2021 in Luxemburg entstandene Band, die mit einem Mix aus Progressive- und Thrash Metal unterwegs ist. Die vierköpfige Kombo hat bisher eine EP und drei Singles veröffentlicht, unter letzteren im Jahr 2024 »Mither« und »Pariahs Parade«.
Der Eintritt kostet 13 Euro (online 10 Euro) und Showbeginn ist um 20.30 Uhr. Weitere Infos unter www.desdemonia.net. Die MK Bar ist zu finden in der 1, Avenue du Swing, L-4367 Belvaux.

(Foto: Desdemonia.net)
Folk in Rock und Metal laufen allzu häufig Gefahr, ins Kitschige abzudriften. Es wirkt nicht selten wie zu dicke Tünche, die jede Struktur überdeckt. Seit 2013 gibt es das schottische Musikprojekt SAOR (Gälisch für »frei«). In Glasgow gegründet vom ehemaligen Falloch-Musiker Andy Marshall bewegt sich SAOR in den Weiten des atmosphärischen Black Metal, welcher sich hier sich mit traditionellen Klängen von Tin Whistle, Dudelsack und Violine mischt. Marshall selbst nennt es »Caledonian Black Metal«.
Vor dem Hintergrund der rauen schottischen Landschaft und der uralten Geschichte bildet die Musik von SAOR eine Brücke zwischen der Wildheit des Black Metal und den zarten Feinheiten traditioneller schottisch-keltischer Melodien. Der Name der Band spiegelt dabei eigenen Aussagen zufolge ihr Engagement für künstlerische Freiheit und die grenzenlose Bandbreite ihrer musikalischen Erkundungen wider.
Bisher veröffentlichte das Projekt fünf Alben: »Roots« (2013), »Aura« (2014), »Guardians« (2016), »Forgotten Paths« (2019) und zuletzt im Jahr 2022 »Origins«.
Das im Februar neu erschienene sechste Album mit dem Titel »Amidst The Ruins« zeigt gleich beim ersten Track, dem Titelstück, die unglaublich große atmosphärische Dichte. In über 12 massiven Minuten entführt es den Zuhörer umgehend in die schottische Natur, die sich vor dem inneren Auge ausbreitet.
Der Wechsel zwischen harten Metal- und weichen Folklore-Elementen, zwischen schnellen und ruhigen Abschnitten, sorgt für immer neue Erfahrungen beim Zuhörer. Das gesamte Album steckt dabei voller Überraschungen und umsteuert bewußt die eingangs erwähnten üblichen Klischees in seinen fünf langen Tracks, die es umfaßt.
Das Vinyl-Album besticht zusätzlich zu seinen musikalischen Reizen auch mit edlem Design und Verarbeitung des Covers. Ein echter Hingucker für die Plattensammlung.
»Amidst The Ruins« ist am 7. Februar 2025 erschienen beim Label »Season Of Mist« auf CD und Vinyl. Weitere Infos: https://www.season-of-mist.com/bands/saor/ oder https://www.saormusic.com/.

Albumcover (Foto: Season Of Mist)


