Am vergangenen Freitag, dem 22. August war ich zum ersten Mal in Gießen. Die 90.000-Einwohner-Kreisstadt in Hessen hat nach meinem Dafürhalten kein sonderlich attraktives Zentrum, beherbergt jedoch unter anderem das ehemalige Kloster Schiffenberg auf dem nahen, 280m hohen Hausberg der Stadt. Dieser Berg war bereits in der späten Bronzezeit besiedelt, wie Archäologen erklärten. An jenem Freitag wurde er nun von Thrash-Metal-Freunden aus nah und fern heimgesucht, die sich auf ein ganz besonderes Lineup im Rahmen der Konzertreihe »Gießener Kultursommer« freuen durften: Drei der »big four« des deutschen Thrash-Metal gaben sich hier an einem einzigen Abend die Ehre. Das Ticket hatte ich bereits früh im Jahr erstanden, natürlich wegen Kreator, jedoch auch, um Destruction endlich einmal live zu sehen. Das aktuelle Album »Birth Of Malice« hat mich wirklich sehr begeistert. Ein Shuttlebus brachte die Zuschauer schnell und komfortabel auf den Klosterberg, wo sich in einem tollen Ambiente Bühne, Verköstigungs- und Merchstände in die Szenerie fügten.
Nettes GeländeTankard
Tankard gründeten sich 1983 und sind unter anderem für die Fußballhymne »Schwarz-Weiß wie Schnee« für ihren Lieblingsklub Eintracht Frankfurt bekannt. An diesem Abend war allerdings für jeden etwas dabei und Andreas »Gerre« Geremia wußte von der ersten Minute an, welche Knöpfe er beim Publikum drücken mußte, damit die Stimmung schnell auf Betriebstemperatur war.
Im Anschluß inspizierte ich während der Umbaupause das kulinarische Angebot. es gab allerhand für das leibliche Wohl und das zu durchaus humanen Preisen. Das Bier war schnell gezapft, auch gab es an den Essensständen und auf dem Weg zu den Toiletten keine nennenswerten Staus. Die Organisation hat mich wirklich beeindruckt.
Als nächstes gaben Destruction Vollgas. Die stimmlichen Fähigkeiten von »Schmier« (Marcel Schirmer), der mit kurzer Unterbrechung seit Bandgründung 1982 am Mikro steht, sind absolut beeindruckend. Die tollen Riffs und die gesamte, energiegeladene Show haben mich absolut begeistert. Destruction werde ich eventuell im Oktober in Oberhausen wiedersehen, ganz sicher jedoch im kommenden August in Eindhoven, wo ich mir zwischenzeitlich ein Ticket fürs »Dynamo Metal Fest« gesichert habe. Zwar spielten Kreator erst in diesem Jahr wieder dort, doch hoffe ich, im nächsten Jahr Glück auf ein Wiedersehen dort zu haben.
Destruction»Schmier« war in Höchstform.
Apropos Kreator: Der Höhepunkt und Abschluß des Abends gehörte natürlich dem Altenessener Thrasher Mille Petrozza und seiner Kultband. Wall Of Death, Circle Pit oder Crowdsurfing: Die Jungs ließen das Publikum nicht zur Ruhe kommen. Die energiegeladene und feurige Show war von der ersten bis zur letzten Minute der absolute Wahnsinn. Ich könnte den Jungs stundenlang zusehen und zuhören. Nebenbei erwähnte Mille ein neues Album Anfang 2026 und ich bin mir nicht sicher, ob es um eine Live-Scheibe geht, das habe ich leider akustisch nicht richtig mitbekommen.
Warten auf KreatorSami Yli-Sirniö»Flag Of Hate« ist ein absoluter Burner und stammt aus 1986. Da war ich zehn Jahre alt. (V.l.n.r.:) Mille, Ventor (Schlagzeug, verdeckt) und Frédéric Leclercq.Das war das letzte Kreator-Konzert in Deutschland 2025. Wo werden wir uns 2026 wiedersehen?
Irgendwann war dann aber wirklich Schluß und nach dann doch einer kleinen Schlangenbildung beim Warten auf den Shuttlebus in die Stadt war ich froh, sitzen zu können, bevor ich die 2 km zurück ins Hotel die Beine noch einmal benutzen mußte. Ein toller Abend. Dies nicht nur wegen den geilen Bands, sondern auch aufgrund der tollen Organisation des Gießener Kultursommers. Ich bin gespannt, wer nächstes Jahr den Schiffenberg thrashen darf und würde gerne wiederkommen.
In der vergangenen Woche verschlug es mich endlich wieder in die Berge. Für mich ein magischer Sehnsuchtsort mein ganzes Leben lang, was sicherlich auch daran liegt, daß Vater uns in den 1980ern und 90ern regelmäßig in den Sommerferien zumeist ins Allgäu schleifte, während die Schulkollegen an irgendeinem Beach lagen. Damals habe ich es gehaßt. Wenn mit 16 die Hormone beginnen, Pogo zu tanzen und andere Interessen wecken, als in den Schulferien morgens um 5 Uhr aufzustehen, um die Scesaplana im Schweizer Rätikon zu erklimmen oder drei Wochen lang während der Osterferien im verregneten Ostallgäu trüber Touren zwischen Weihern zu unternehmen.
Damals ahnte ich noch nicht, daß es aber genau diese Erlebnisse sein werden, die mich bis ins Erwachsenenalter prägen und selbst antreiben sollten, die Freude an den Bergen weiter zu tragen. Wie es das Schicksal will, ist es mir nicht mehr möglich, mit meinem Vater darüber zu fachsimpeln, verstarb er doch vor einem Vierteljahrhundert, jünger als ich es heute bin.
Und so wird die Fahrt ins Allgäu und darüber hinaus jedes mal nicht nur eine Fahrt in die Berge, sondern auch zu den Erinnerungen der Kindheit und Jugend. wenn, gutes Wetter vorausgesetzt, hinter dem Rastplatz »Allgäuer Tor« an der A7 südwärts sich plötzlich die Kulisse der Allgäuer und Tannheimer Berge zeigt. Immer öfter aber habe ich in den letzten Jahren auch andere Regionen besucht, Abwechslung braucht der Mensch.
So führte mich die rigide Corona-Politik Bayerns im Jahr 2020 mit einem Einreisetest in der Tasche, den eigentlich keiner sehen wollte, erstmalig nach Vorarlberg ins Montafon. Eine Entdeckung, die mich bis heute sehr glücklich macht. Dort habe ich seither bereits viermal eine gute Zeit verbracht und wunderbare Natur genießen können. In diesem Sommer aber wollte ich mal wieder über die Landkarte wandern und schauen, wo ich etwas neues oder neues altes entdecken könnte. Denn interessanterweise heftet sich das Hirn immer gerne an jene Regionen, die einem aus der Kindheit in Erinnerung geblieben sind.
Das wohl berühmteste Wahrzeichen des Vinschgau ist der Kirchturm von Altgraun im Reschensee.
So war es auch diesmal, als meine Wahl aufs südtiroler Vinschgau fiel. Die Region am Ortler kannte ich bisher nur durch eine einmalige Durchfahrt über Reschenpaß und über Meran in Richtung Gardasee zu einem der genannten Familienurlaube. Mich hat Südtirol immer fasziniert, auch wegen der politisch-geographischen Situation. Meine Wahl fiel auf das Örtchen Burgeis direkt am Rande der langen Halde, welche sich vom Reschensee hinab bis nach Mals zieht. Als wir Ende der 1990er Jahre hier vorbeifuhren, blieben mir die Schilder und gesprayten Parolen entlang der Strecke im Kopf. Eine beeindruckende Bergkulisse, über welcher der Ortler majestätisch thront, die aufgrund dieses politischen Schwelbrandes eine gewisse surreale Faszination auf mich ausübte. Von Nauders in Tirol her kommend, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, in Graun kurz zu halten, um den legendären Kirchturm zu sehen.
Blick von Burgeis über die Halde, durch welche sich die SS40 von Reschen in Richtung Meran schlängelt.
In den Tagen, die ich nun im oberen Vinschgau verbrachte, nahm ich keinerlei Reibungen wahr. Mein Vermieter, Südtiroler, kokettierte häufig mit italienischen Sprüchen, sprach dieses fließend mit seinen italienischsprachigen Gästen und hob die Vorteile hervor, die eine Zweisprachigkeit bringe. Ich selbst bin allerdings in der gesamten Woche in Restaurants, Geschäften und anderswo ausnahmslos mit Deutsch ausgekommen. Während Städte wie Meran oder Bozen langsam den Kipp-Punkt erreichen oder bereits überschritten haben, nach welchem mehr italienischsprachige Einwohner gezählt werden, als deutschsprachige, schien dies im Obervinschgau weit weg.
Burgeis von Oben mit Fürstenburg und Pfarrkirche. Im Hintergrund der Hauptort Mals.
Ich bezog ein hübsches kleines Zimmer mit Balkon und Blick auf die Bergkulisse und nutzte den ersten Tag, komplett verregnet, zur Akklimatisierung. Oftmals allerdings will mein Kopf schnell mehr, als mein Körper, dessen beste Kondition trotz regelmäßigen Joggens und gelegentlicher heimischer Wanderungen auch schon etwas her ist. So zog es mich am ersten Tag, unmotiviert, schon wieder ins Auto zu steigen, den Hausberg Watles hinauf. Mein Ehrgeiz interessierte sich mal wieder nicht für die Seilbahn und so war ich an jenem ersten Tag von 1.250 Metern Ortshöhe auf 2.300 Meter. es war schön, wieder in der grünen Natur des Alpenraumes unterwegs zu sein, so sehr ich verschiedene luxemburgische Regionen schätze. Aufgrund meiner Geschichte fühle ich mich hier einfach mehr zuhause. Die Überschreitung des Watlesgipfels aber ließ ich aus, da der Regen und der kalte Wind sich mit zunehmender Höhe deutlich intensivierten. Ich zog es vor, zur Bergstation der Seilbahn zu wandern, um mir dort ein paar Würstel und Bier zur verregneten Aussicht zu gönnen. Der Abstieg fand, natürlich nicht mit der Bahn, ganz einfallslos über den breiten Fahrweg bis oberhalb von Burgeis statt, wo ein kleiner Bergpfad mich zu dem kleinen »Bergsee« zurück führte, an welchem ich bereits beim Anstieg vorbeigekommen war. Für eine erste kleine Tour waren 18,3 km Strecke und 1.119 Höhenmeter in 5:30 Stunden sicherlich nicht schlecht.
Der Ausblick von der Watles-Bergstation blieb überschaubar.Weiter unten lud der »Bergsee« zum Verweilen in absoluter Ruhe ein.
Der zweite Tag sollte dann bei deutlich besserem Wetter mit der »Spitzigen Lun« (2.324m) oberhalb von Mals einen Gipfel bringen, der für seine tolle Aussicht bekannt ist. Da ich in einer Frühstückspension untergebracht war, wo ein Fortkommen auch mir Frühstücksmuffel nicht vor 9 Uhr möglich war, platzte mein Plan, die »Lun« über den kürzeren, steileren Weg ab dem kleinen Örtchen Planeil anzugehen, da hier alle elf Parkplätze bereits belegt waren. Also wieder hinunter nach Mals gefahren und dort vom großen Parkplatz aus den Hauptanstieg gewagt, welcher rund 1.200 Höhenmeter zu bieten hat.
Der Weg schlängelt sich, mal auf dem Fahrweg, mal als Pfad zwischen her, den Hang hinauf und bietet immer wieder Ausblicke auf Mals und darüber hinaus.
MalsSonniger Steig auf dem »Balkon« über Mals mit Blick zum Ortler-Massiv.Glurns von oben, das ich am übernächsten tag noch besuche.Wunderbare Weitsicht
Allerdings machte sich in der Höhe bemerkbar, daß meine Kondition trotz regelmäßiger sportlicher Aktivitäten in heimischen Gefilden wohl doch nicht mehr so höhentauglich ist. Zwar bin ich ein- bis zwei Mal im Jahr in den Bergen unterwegs, doch scheint dies kein Garant mehr für entsprechende Höhenfitneß zu sein. Rund 200 Meter unterhalb des »Lun«-Gipfels verließen mich die Kräfte. Auch vermehrte Pausen brachten keinen erholsamen Effekt. So beschloß ich schweren Herzens, den Rückweg anzutreten. Eigenschutz ist für mich das höchste Gut in den Bergen. Natur und Gesundheit bestimmen, wie weit ich Spaß haben darf und das herauszufordern halte ich für fahrlässig. Doch beim Abstieg zurück nach Mals hatte ich viel Freude an den Ausblicken, so daß das fehlende Gipfelkreuz an diesem Tag für mich leicht zu ertragen war.
Blick hinüber zum Watles und zur Sesvenna-Gruppe mit der Fürstenburg und dem Kloster Marienberg bei Burgeis. Dort oben rechts bin ich gestern im Regen gekraxelt.
Die Churburg ist eine hochmittelalterliche Burg über Schluderns, die zu den am besten erhaltenen Burgen der Region zählt. sie wurde um 1250 vom Fürstbischof Heinrich von Montfort von Chur erbaut, um die aufstrebenden Herren von Matsch in Schach zu halten, wie es heißt. Im Jahr 1297 ging die Burg in den Besitz eben jener Herren von Matsch über. Nach dem Tod des letzten männlichen Vertreters der Matscher im Jahr 1504 fiel die Burg an die Familie Trapp, welche bis heute Eigentümer ist. Nach meiner Wanderung bei Mals fuhr ich kurz nach Schluderns und konnte immerhin einen Schnappschuß mitnehmen.
Die Churburg in Schluderns
Am Mittwoch, dem dritten Tag, ging es dann nach Sulden am Ortler. Die Fahrerei dorthin, teils über die Stilfserjoch-Straße, entpuppte sich aufgrund von Radfahrern, Baustellenfahrzeugen und dem üblichen Verkehr als so anstrengend, wie gedacht. Oben angekommen war es erstaunlich wenig überfüllt. Mein heutiges Tagesziel sollte keiner der Gipfel meiner »To-do-Liste« sein, sondern aufgrund der gesundheitlichen Erfahrung des Vortages ein Aufstieg zur Düsseldorfer Hütte (2.721m) durch das Zaytal, welcher mit zweieinhalb Stunden veranschlagt ist.
Bergwelt um Sulden
Zu Beginn wird der Pfad begleitet von einen reißenden Wildbach, später umstanden von Kühen, die sich nicht sonderlich für den Wanderer interessieren.
Immer aber im Rücken: Der große Ortler, der bis auf ein paar lichte Momente sein Haupt verdeckte. Sowieso habe ich in der gesamten Woche vor Ort auch vom Balkon meines Zimmers in Burgeis aus den Ortler nie »oben ohne« sehen können.
»König« Ortler (3.905m). Höchster Berg Südtirols sowie der gesamten Region Tirol.
Im oberen Teil nahmen die Wandererströme dann aufgrund des zukommenden Weges vom Kanzellift deutlich zu und »Everest-Feeling« machte sich in den letzten Serpentinen zur bereits sichtbaren Hütte breit.
Wanderer wie an der Perlenschnur. Insbesondere Niederländer und Italiener pflegen beim Wandern gern ohne Unterlaß zu reden. Sehnsuchtsort (für heute): Die Düsseldorfer Hütte (Rifugio Serristori).
Auch hier überkam mich kurz vor dem Ziel wieder diese eigenartige Erschöpfung, wie bereits am Vortag. Dieses Mal allerdings erreichte ich mein Ziel und ein großes Glas Spezi weckte die Lebensgeister für einen nahezu beschwerdefreien Rückweg, den ich auch recht zügig antrat, da die Hütte brechend voll war und ich mich nicht wirklich wohl fühlte. Die umliegende Berggegend ist wunderschön, jedoch aufgrund des Trubels an diesem Tag für mich nicht wirklich zu genießen. Im Abstieg, insbesondere nach dem Abzweig zum Kanzellift, war ich nahezu allein und konnte doch noch die Natur aufsaugen.
Der Donnerstag, vierter Tag, wurde genutzt, um das obere Tal bis nach Glurns einmal zu erkunden, zumal das Wetter sich auch deutlich besser präsentierte. Der Weg führte zunächst durch Burgeis und hinaus an der Fürstenburg vorbei.
Zunächst ging es entlang des Radweges durch Schleis, einem kleinen Dörfchen südlich von Burgeis.
Es ist immer unangenehm, auf Radwegen wandern zu müssen, genau, wie es unangenehm ist, Radfahrer auf Wanderwegen ertragen zu müssen. Hier allerdings führte der ordnungsgemäße Wanderweg alternativlos entlang der Radroute Via Claudia Augusta. Man hält sich halt am Rand. In Laatsch verlasse ich die Radroute und nehme eine kleine Teerstraße jenseits der Brücke über die junge Etsch in Richtung Glurns.
bei der Pfarrkirche zum heiligen Luzius biege ich ab in Richtung Glurns.
Im Anschluß an den Abzweig in Richtung Glurns bei der Kirche on Laatsch komme ich auf der sonnigen und aussichtsreichen Teerstraße mit Blick auf die Obstplantagen vor Glurns auch an einem, alten Bunker vorbei, der allerdings nicht zugänglich war.
Mussolinibunker mit Blick ins Münstertal in Richtung Taufers.
Die Bunker bei Laatsch im Vinschgau sind Teil des sogenannten Alpenwalls (italienisch: Vallo Alpino), einer massiven Befestigungslinie, die in der Zeit des Faschismus unter Mussolini errichtet wurde. Sie sollte die italienischen Staatsgrenzen, insbesondere zu Frankreich, der Schweiz, Jugoslawien und dem Deutschen Reich, sichern. Die Anlagen mussten nie einem Angriff standhalten.
Die Bauarbeiten am Alpenwall begannen in den 1930er Jahren. Die Bunker sollten als Verteidigungsanlagen und Rückzugsorte für Soldaten dienen und einige Anlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges in NATO-Planungen eingebunden. Nach 1990 wurden dann die Anlagen geschleift und teilweise verkauft. In der Gegen um Mals stehen einige solcher Teile in der Landschaft.
Weiter geht der Weg bei strahlendem Sonnenschein entlang von Obstanbauten in Richtung Glurns, der kleinsten Stadt Südtirols und einer der kleinsten im gesamten Alpenraum überhaupt. Ihren mittelalterlichen Charakter hat sie von ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer. Glurns wurde erstmals 1163 urkundlich erwähnt und erhielt 1291 das Marktrecht. Durch seine günstige Lage an der Etsch und an wichtigen Handelsrouten wie der Via Claudia Augusta, nach welcher auch der oben begangene Radweg benannt ist, erlangte die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte, insbesondere durch den Salzhandel. Nach der Zerstörung im Engadiner Krieg (Schlacht an der Calven) im Jahr 1499 wurde die Stadt im 16. Jahrhundert unter Kaiser Maximilian I. wieder aufgebaut und mit der bis heute bestehenden, vollständig erhaltenen Stadtmauer mit ihren drei Tortürmen (Malser, Schludernser und Tauferer Torturm) und zehn Wehrtürmen befestigt. Glurns liegt strategisch günstig am Knotenpunkt mehrerer wichtiger Alpenpässe (Reschenpass, Ofenpass, Stilfser Joch).
Entlang von Obstplantagen nach Glurns.Auf dem Stadtplatz herrscht reges Treiben.Die mächtigen Wehrtürme bestimmten das Stadtbild.Eindrucksvoll zeigt sich die östliche Stadtmauer im Bereich der Volksschule.Außerhalb der Stadtmauern sind Gärten angelegt.
Ohne mich lang in Glurns aufzuhalten, bestaune ich die mittelalterliche Anlage und gehe bald weiter in Richtung Tartsch, nordöstlich gelegen. Unterwegs weiterhin verwöhnt mit tollen Aussichten.
Anstieg zum Tartscher Bichl (oder auch Bühel) mit Blick zurück auf Glurns.
Der Anstieg zum Tartscher Bichl oder auch Bühel genannt ist dann doch etwas schweißtreibend. Der Bichl ist 1.077m hoch un ein markanter, kahler Rundhügel bei Mals. Er ist ein Wahrzeichen der Region und bekannt für seine historische und geologische Bedeutung. Historikern zufolge war er bereits in vorrömischer Zeit besiedelt, woraufhin entsprechende Funde schließen lassen. Oben liegt der kleine Ort Tartsch, welcher 1928 zu Mals eingemeindet wurde und etwa die Pfarrkirche St. Andreas beheimatet, welche im Jahr 1499 im Engadiner Krieg zerstört und 1503 neu geweiht wurde. Sie besitzt einen romanischen Turm und ein spätgotisches Netzrippengewölbe. Hier mache ich eine ausgedehnte Pause und beschließe, die Einkehr, welche eigentlich für Glurns geplant war, nach Mals zu verlegen.
Pfarrkirche St. Andreas in Tartsch.
Von nun an geht es entlang der Hauptverkehrsstraße nach Mals. Der mittlere Waalweg, den ich mir eigentlich ausgesucht hatte, war im Bereich eines weiteren Mussolinibunkers gesperrt, weshalb der mühsame Anstieg völlig umsonst war. Die Sperrung ist nirgends ausgeschildert.
Bunker 23 zwischen Tartsch und Mals.
Der Bunker 23 in Tartsch ist ein herausragendes Beispiel für die Umnutzung der ehemaligen Militäranlagen des Alpenwalls. Er wurde er in ein Kunst- und Kulturprojekt verwandelt, welches zeitweise besichtigt werden kann.
Mals von Süden.
Dann erreiche ich Mals, welches ich ja bereits vom Dienstag flüchtig kenne. Hier gibt es erstmal zwei kalte Humpen Forst Bier und was zu knabbern, bevor ich mich durch den Ort und über den Sonnensteig zurück nach Burgeis aufmache.
Im Zentrum von Mals.Noch ein Bunker.
Der Sonnensteig quert die Halde, welche sich vom Reschensee hinunter ins Tal erstreckt und die auch von der SS40 im Zickzack durchzogen ist. er bietet noch einmal eine schöne Talsicht. Dann ist Schluß und ich bin ziemlich erschöpft. Eine tolle Rundtour und das ganz ohne Gipfel. Es war zwar anstrengend aber nicht so sehr, wie die Gipfel-Schinderei. Wegweisendes Erlebnis.
Der Freitag war mein Letzter Tag in Südtirol. Das Wetter war bereits in Abreiselaune und bescherte mir einen völlig verregneten Morgen, an dem ich nach Reschen am See fuhr, um ein bißchen spazieren zu gehen. Dort angekommen, beschloß ich, die Etschquelle aufzusuchen und nebenbei die dortigen Bunkeranlagen.
Dürftiges Wetter zu Beginn des letzten Tages.
Der Anstieg zur Etschquelle, an welcher sich eine Busladung italienischer Touristen tummelte, verlief größtenteils durch den Ort.
Gute Reise zur Adria!
Nachdem die Quelle abgehakt war und das Wetter tatsächlich besser wurde, beschloß ich im Anschluß an die Besichtigung der Bunkeranlagen im Quellenbereich (nur von außen möglich ohne Führung), den Forstweg hinauf in Richtung der Panzersperren- und Kasernenanlagen aus der Mussolinizeit zu gehen, hielt mir aber die Option Abstieg nach Nauders in Tirol offen. Letzterer Plan wurde allerdings durch Sperrungen der Wege nach Nauders an der Grenze zunichte gemacht.
Beim Check mehrerer Wetter-Apps und auch des Vinschgau-Wetters sah ich allerdings, daß gegen 14 Uhr Gewitter gemeldet waren und so beschloß ich, nicht zu lange in der Höhe zu bleiben und in Richtung Süden wieder bis nach Reschen abzusteigen. Dabei taten sich einige schöne Aussichten auf. Pünktlich unten im Ort fing es stark an zu regnen. Das Gewitter blieb zwar aus, jedoch war es nicht verkehrt, rechtzeitig abgestiegen zu sein.
Blick über Reschen am See zum Haideralm-Lift unterhalb von Zehnerkopf, Zwölferkopf und Elferspitze.
Am Abend noch einmal bis es dunkel wurde auf meinem phantastischen Balkon gesessen, Musik gehört und Bier getrunken. Es war eine schöne Woche.
Nach einem kräftigen Gewitter am Abend zeigte sich die Sonne noch einmal …… und auch König Ortler zog kurz seinen Hut für mich zum Abschied.Die Farben und Kontraste der Berge veränderten sich am Abend quasi minütlich, wie hier bei der Tschenglser Hochwand. Ich hätte 100 Fotos machen können. Was man von meinem Balkon aus unter anderem sehen konnte.
In ihrer mittlerweile zuverlässig grandiose Künstler nach Luxemburg lenkenden »Temple Of Metal«-Konzertreihe hatte die Escher Rockhal am Mittwoch einen weiteren Kracher zu vermelden: Diesmal sind es Heaven Shall Burn aus Deutschland, die mit ihrem neuen Album »Heimat« im kommenden Jahr auf große Europa-Tournee gehen und in diesem Rahmen am kommenden 11. März auch in Esch/Alzette Station machen . Begleitet werden sie von The Halo Effect aus Göteborg, die in Luxemburg bereits bekannt sein dürften und im Stile des Melodic Death Metal ihrer Landsleute von In Flames unterwegs sind. Außerdem sind The Black Dahlia Murder, ebenfalls eine Melodic Death Metal Combo, die aus den USA kommen sowie ihre Landsleute von Frozen Soul, einer Death Metal Formation im »Old School« Sinne mit von der Partie.
Heaven Shall Burn selbst sind eine deutsche Metalcore-Formation aus dem thüringischen Saalfeld, die 1995 gegründet wurde und für ihre sozialkritischen und politischen Songtexte gegen Rassismus, Faschismus und für Tierrechte bekannt sind. Der provokante Titel des neuen und mittlerweile zehnten Albums »Heimat« mit dem graphisch sehenswert gestalteten röhrenden Hirsch, dem deutschesten der deutschen Klischees, soll unterstreichen, was die Band deutlich sagt: »Es ist nicht richtig, den Begriff Heimat irgendwelchen Schwachköpfen zu überlassen«. So soll der Titel »Heimat« ein breiteres Verständnis von Heimat widerspiegeln, welches sowohl die Herkunft verschiedener Menschen als auch die Idee einer »spirituellen Heimat« umfasse, wie es weiter heißt.
Vorverkauf für Esch/Alzette beginnt Montag
Doch nicht nur das neue Album werden Heaven Shall Burn im März mit im Gepäck haben, sondern viele andere Hits aus ihrem mittlerweile dreißigjährigen Repertoire.
Demonic Summer Tour – Kreator, Warbringer und Rotting Christ
Zugegeben: So lange ich mich bereits für Metal interessiere, haben Kreator eigentlich lange Jahre nie eine führende Rolle in meinen täglichen Playlists gespielt. Sie gehörten mit einigen Songs zwar immer dazu, jedoch als eine Band unter vielen. Ich muß sagen, daß mein Interessenfeld im Metal auch recht weit gefächert ist. Bis zu jenem Abend in der Escher Rockhal am vergangenen 3. Dezember, als Kreator, begleitet von Testament und Anthrax, im wahrsten Sinne des Wortes ein derartiges Feuerwerk abbrannten, das ich sofort begann, mich intensiver mit der Band zu beschäftigen. Dazu verlangt eine vierzigjährige Historie natürlich, allerhand aufzuholen. Diese Jungs, war mein Entschluß, mußt du von nun an öfter sehen, und da ich kein Festivalgänger bin, fiel meine Wahl bei Ankündigung unter anderem direkt auf das Konzert in der halle02 in Heidelberg im Rahmen einer Minitour mit dem Namen »Demonic Summer«. Ganz besonders erfreut war ich, daß Kreator hier Warbringer und Rotting Christ mit dabei hatten, die ich beide ebenfalls und schon seit längerem unglaublich gut finde.
Alle drei Bands sind in meiner Sammlung mit Tonträgern und Textilien vertreten.
Warbringer konnte ich zuletzt im vergangenen Juni in der Escher KuFa erleben. Leider auch hier mit einem recht kurzen Auftritt. In Heidelberg allerdings noch einmal um rund zehn Minuten kürzer: Lediglich 30 Minuten dauerte der Auftritt, der es allerdings in sich hatte. Beim dritten Song war die unter der Sommerhitze und der schlechten Luftzirkulation ohnehin ächzende voll besetzte halle02 am Kochen: Circle Pits in Dauerschleife. Die Jungs aus Kalifornien boten wieder einmal eine energiegeladene Power-Show. Ich würde mir wünschen, daß sie in unseren Breiten noch deutlich mehr Aufmerksamkeit erlangen. Verdient hätten sie es. Das aktuelle Album »Wrath and Ruin« ist in meinen Augen ein Wahnsinnsteil.
In einer kurzen Umbaupause gab es Gelegenheit, die astronomischen Bierpreise zu begutachten. Mit deutlich über 4 Euro plus Pfand war das Palmbräu Pils im 0,33l-Becher wahrlich kein Schnapper. Insbesondere ab der zweiten Umbaupause war es ohnehin aufgrund langer Schlangen kaum noch möglich, rechtzeitig nachzutanken. So sah ich Rotting Christ nur von relativ weit hinten.
Der Saal ist lang gezogen mit der Technik in der Mitte und einer relativ niedrigen Bühne. Keine optimalen Voraussetzungen bei voller Hütte. Doch auch von weiter hinten konnte ich die atmosphärische Show der Griechen um Sakis Tolis noch gut miterleben. Rotting Christ, 1987 in Athen gegründet, gelten mittlerweile als eine der führenden Vertreter nicht nur des griechischen Black Metal. Einflüsse aus Folk und Gothic und ein düsteres »gotteslästerliches« Setting bestimmen ihre Auftritte. Der Bandname führte in der Vergangenheit unter anderem in Südafrika oder in den USA zu Protesten. In Heidelberg allerdings konnten sie ihr mitreißendes Programm unbehelligt abspielen. Das neue Live-Album »35 Years Of Evil Existence«, 2024 im Athener Lycabettus-Theater aufgezeichnet, ist unglaublich stimmungsvoll und überdies grafisch sehr schön gestaltet. Ich kaufe selten Live-Alben, schon gar nicht von Konzerten, wo ich nicht anwesend war. Dieses Album ist eine deutliche Ausnahme. Die Jungs einmal in ihrer Heimat live zu erleben, wäre phantastisch.
WarbringerRotting Christ
Den Abschluß machten ab 21 Uhr, wie sollte es anders sein, die Urgesteine aus Essen. Angekündigt war im Vorfeld eine »Deep Cut Setlist«, also eine Titelabfolge, die normalerweise so nicht auf dem Programm steht. Und so gab es eine Reise in frühere Jahre mit Songs wie »Violent Revolution«, »Coma Of Souls«. »Flag Of Hate«, »People Of the Lie« oder »Phobia«. Mille erklärte gleich zu Anfang: »Wir machen eine Reise zurück in die Achtziger. Und in den Achtzigern war Crowdsurfing total in. Ich möchte heute Abend so viele Crowdsurfer sehen, wie es geht«. Dieser Aufforderung ließ man sich dann auch keine Zeit, zu folgen. Bereits Warbringer hatten nach dem zweiten Song den ersten Circle Pit und die Ausrast-Wütigkeit des Publikums erreichte nun ihren Gipfel. Die Riffs schnitten durch die schweißgetränkte Luft der halle02, wie die Wall Of Death und die Feuer-Effekte auf der Bühne. Die Jungs hatten sichtlich Spaß an diesem Abend. Respekt, wenn man daran denkt, daß diese drei Konzerte in Club-Atmosphäre nachträglich in die volle Festival-Agenda gequetscht worden waren.
Um kurz nach 21 Uhr war es dann soweit.Kreator
Was bleibt zu sagen? Ach ja: Die Merch-Preise waren verständig. Vierzig Euro für das Kreator Tour-Shirt waren akzeptabel. Patches im 3er-Set für 20 Euro. Caps und Bomberjacken sowie natürlich Tonträger. Bei Warbringer war man mit 30 Euro für ein Shirt dabei und Rotting Christ ebenfalls. Mit einem »Rotting Christ«-Jutebeutel dürfte man vermutlich beim Einkauf gut gerüstet sein. Was ich etwas schade finde als Nicht-Kuttenträger ist die Tatsache, daß Aufkleber wohl völlig aus der Mode gekommen zu sein scheinen. Preislich dürfte der kommende Samstag bei Iron Maiden Merch in Stuttgart wohl deutlich heftiger aussehen. Das Thema vertretbare T-Shirt-Preise wird nicht umsonst heftig diskutiert.
Kreator Merch
Alles in allem ein denkwürdiger Abend. Die nächsten Kracher sind im August geplant mit dem Besuch der Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms »Hate & Hope« in der Essener Lichtburg sowie tags drauf Kreator, Destruction und Tankard gemeinsam auf dem Gießener Kultursommer. Dieser Sonntagabend hat unfaßbar Bock auf mehr gemacht.
Carnation – Warbringer – Cryptopsy und Decapitated brachten die Escher Kufa zum Beben
Am Montag war es endlich soweit: Die polnischen Death-Metal-Urgesteine von Decapitated gaben sich in der gut gefüllten Kulturfabrik in Esch/Alzette die Ehre. Mit dabei hatten sie Carnation, Cryptopsy und Warbringer.
Draußen vor der KuFa war es noch warm und sonnig, als Carnation bereits ab 18.30 Uhr versuchten, die Besucher vor die Bühne zu locken.
Ich muß gestehen, daß ich in der Hauptsache für die letztgenannten New-Thrasher gekommen war, weil ich mir im Vorfeld ihres gemeinsamen Auftritts mit Kreator und Rotting CHrist in Heidelberg im nächsten Monat einen ersten Eindruck verschaffen wollte. Das neue Album »Wrath and Ruin« hat mich ziemlich begeistert und auch die allgemeine Attitüde der Band gefiel mir auf Anhieb, so daß ich quasi »instant Fan« wurde, als ich sie vor rund einem Jahr zum ersten Mal durchhörte und mich über sie informierte.
Warbringer: »The Sword and the Cross«.
Während die belgischen Death-Metaler von Carnation bereits ab 18.30 Uhr den Anfang machten, als ein großer Teil der Metalheads sich noch draußen im Hof ein Bier oder einen 10-Euro-Burger schmecken ließen, war der Saal nur sehr spärlich gefüllt. Hut ab vor einer tollen Performance (leider kein Foto). Es ist sicher immer irgendwie undankbar, den Anfang machen zu müssen. Im Anschluß kamen bereits gegen 19.10 Uhr sofort Warbringer, die zum Ersten Mal den mittlerweile halb gefüllten Saal zu mehrfachen Circle-Pits bewegen konnten. Nach einer für meinen Geschmack leider viel zu kurzen Show übergaben sie gegen 20 Uhr den Staffelstab an Cryptopsy aus Kanada, die wiederum zum ersten Mal an diesem Abend die Hütte richtig füllten.
Cryptopsy
Für mich, da bin ich ehrlich, nichts, was ich mir dauerhaft anhören könnte, jedoch durchaus interessant anzusehen und manche Songs sprechen mich schon an. Skurril: Kanadische Künstler meinen irgendwie immer, in Luxemburg mit ihrem Französisch punkten zu können.
Decapitated
Gegen 21.10 Uhr war es dann soweit: Decapitated erklommen die Bühne und legten los. Insgesamt finde ich das letzte Album »Cancer Culture«, was mittlerweile auch schon wieder drei Jahre auf dem Buckel hat, tatsächlich ziemlich gut und Tracks wie »Iconoclast«, »Just a Cigarette« oder das titelgebende »Cancer Culture« schafften es in meine Metal-Playlist. Allerdings war ich an diesem Abend wirklich begeistert nur von Warbringer und Death-Metal spricht mich, wie ich merke, nur teilweise an. Daher freue ich mich besonders auf den Juli, wenn Warbringer und Rotting Christ gemeinsam mit meinen Favoriten von Kreator die Bühne in Heidelberg teilen werden. Was ich auch merke: Drei oder mehr Bands an einem Abend bringen mich tatsächlich mittlerweile ans Limit. Obschon 27 Euro im Vorverkauf ein sehr guter Preis sind und ich verstehen kann, daß dies vermehrt praktiziert wird aus logistischen und finanziellen Gründen. Jedoch bin ich eher ein Fan der klassischen Vorband-Hauptband-Shows. Einmal, weil ich zeitlich mehr von jeder Band habe und außerdem, weil die lange Steherei (im Regelfall bin ich kein Mosh- oder Circle-Piter wegen zu vieler Ersatzteile und Brille) mittlerweile einige Energie fordert. Man wird nicht jünger.
Die Argies sind eine Punkrock-Band aus Rosario in Argentinien, die 1984 gegründet wurde. Obwohl ihre Wurzeln im britischen Punk der 1970er Jahre liegen, haben sie im Laufe der Zeit einige Einflüsse von Ska, Reggae oder auch Rock sowie lateinamerikanische Rhythmen in ihren Sound aufgenommen. Der Name Argies resultiert aus der gleichnamigen abfälligen Bezeichnung der Argentinier durch britische Soldaten während des Krieges um die Malvinas.
Album „La Frontera“ (CD 2001, vergriffen) mit Autogrammen.
Bekanntheit im deutschsprachigen Raum erlangten sie maßgeblich durch ihre Auftritte als Vorband der Toten Hosen bei deren Konzerten vor rund 20 Jahren in Europa und Argentinien. Gefühlt ständig auf Tour, so auch in diesem Jahr, ist es dabei zur Tradition geworden, sich regelmäßig in Hohenems im österreichischen Vorarlberg blicken zu lassen, um mit den Lokalmatadoren der „Tankstutzen„, einer lokalen Coverband, die dortige Punkrock-Szene zu beglücken. Am Mittwoch dieser Woche hatte ich die Gelegenheit, mit dabei zu sein im Kulturzentrum ProKontra, wo rund 100 feierwütige Fans, darunter zahlreiche von auswärts angereist, die Auftritte beider Bands gleichermaßen zelebrierten. Der wohl am weitesten angereiste Fan kam eigens aus Argentinien.
Das Kulturzentrum ProKontra im Zentrum von Hohenems. Zwischen Bühne (rechts hinter dem Merch) und der Bar knubbelten sich die Zuschauer. Den Anfang machten Tommy und seine Tankstutzen.Die Argies gaben anschließend einen mitreißenden Auftritt.
Am vergangenen Samstagabend lud die Rotten Stones asbl zum »Out oft he Cave« in die Tetinger Schungfabrik. Vier Bands aus dem Extreme Metal Bereich, darunter drei luxemburgische Eigengewächse, zeigten den rund 100 Besuchern, was sie drauf haben. Den Anfang machte die Post-Rocker von Kakumori, gefolgt von einer »Messe« der etwas anderen Art: Die Black-Thrasher von Dreadnought geizten wie immer nicht mit ihren Anspielungen auf die Kirche und Songs wie »Cleansing Fire« oder »Threshold« vom mittlerweile vier Jahre alten letzten Album »Path to the Unknown« hatten immer noch und weiterhin die Energie, um die stickige Luft im Saal zu teilen.
Greh aus Karlsruhe ließen es nicht weniger düster und noch eine Spur härter angehen. Mit im Repertoire hatte das deutsche Death-Doom-Trio auch ihre neue Single »Chained Thoughts« aus ihrem neuesten und überhaupt ersten Album »Dysphoric Devotion«. Minimalistischer Genuß, der ab sofort definitiv auch die private Playlist bereichert. Nachdem die Gäste aus Deutschland die Bühne für den wohl am meisten erwarteten Auftritt des Abends von Kraton freimachten, hatten letztere offenbar einige Abstimmungsschwierigkeiten mit dem Sound, weshalb der Zeitplan dann doch noch ein wenig strapaziert wurde, bevor die Doom-Experten unter anderem aus ihrem letzten Album »Monolith« live vortragen und den Abend perfekt abrunden konnten.
Abende wie diese sind es, an denen Bands, die vielleicht ansonsten eher wenig im Rampenlicht großer Konzerthallen stehen oder noch keine lange Historie vorzuweisen haben, eine Bühne bereitet werden kann, ihr Können unter Beweis zu stellen sowie ihr Merch an den Metalhead zu bringen und das ist gut so, denn die heimische Szene muß sich keineswegs verstecken. Das angenehm familiäre Ambiente solcher Veranstaltungen tut sein Übriges, um völlig entspannt nach harten Tönen heimzufahren.
Bevor am kommenden 21. Juni im beeindruckenden Amphitheater Breechkaul bei Berdorf im Müllerthal das Rotten Stones Festival stattfindet, hat die veranstaltende Rotten Stones asbl am Samstag, dem 24. Mai sozusagen einen Appetithappen für Metalfreunde parat: Ab 19 Uhr gibt es dann in der Tetinger Schungfabrik im Süden gleich vier Bands auf die Ohren, darunter drei Vertreter aus Luxemburg.
Kakumori ist eine dreiköpfige Post-Rock-Band aus Luxemburg, die mit Rock, atmosphärischen Soundeffekten und einer energiegeladenen Live-Performance ihre Zuhörer zu begeistern wissen. Greh haben sich 2022 gegründet, kommen aus Karlsruhe (D) und spielen einen düsteren, minimalistischen Sound mit nur einer Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Wut und Härte werden so mit Groove und Dissonanz verbunden. Am vergangenen 15. Januar veröffentlichte die Band ihr Debütalbum »Dysphoric Devotion«. Dreadnought sind deutlich länger im Geschäft. Bereits 2006 gegründet, präsentiert die fünfköpfige Kombo eine Symbiose aus Black- und Thrash-Metal, Das Growling sowie der markante Gitarrensound sind ihr Markenzeichen. Sie haben nach »Demon« (2012) im Jahre 2021 mit »Path to the Unknown« ihr zweites Album veröffentlicht. Kraton schließlich, ein weiteres luxemburgisches Eigengewächs, haben sich 2011 gegründet und entwickelten sich im Laufe der Jahre vom Death- zum Post- und Doom-Metal. Ein rauer, lebendiger aber düsterer Sound ist ihr Markenzeichen, der sich viel um die Abgründe der menschlichen Natur dreht. Ihr mittlerweile drittes Album erschien im vergangenen Januar und trägt den Titel »Monolith«. Das Cover-Artwork ihrer neuesten Veröffentlichung ist zudem wirklich sehenswert. Denn bekanntlich »hört« das Auge ja gern mit.
Alles in allem also eine Reise in verschiedene Genres für Freunde des Extreme Metals in der Schungfabrik. Der Eintritt kostet am Samstag 12 Euro an der Abendkasse und für das leibliche Wohl ist laut Veranstalter ebenfalls gesorgt.