Mittwoch, 21. Mai 2025 um 10 Uhr in Düdelingen 🇱🇺

Aus der Geschichte der luxemburgischen Südgemeinde
Im Jahre 1928 beschloß der Gemeinderat von Düdelingen, ein neues Rathaus zu bauen, und zwar gegenüber dem alten Gemeindehaus, welches später abgerissen wurde und heute unter anderem die »Spuerkeess« beherbergt.
Das Grundstück mit einer Gesamtfläche von 1,5 Hektar wurde vom Grafen von Bertier zum Preis von 1,5 Mio. LUF (Luxemburger Franken) abgetreten. Die Idee für das Gebäude kam von den Architekten J. Haal und G. Schopen. Die Ausführung der Pläne erfolgte durch den Architekten Joseph Ruckert, der unter anderem die Firma Reimen & Fils aus Düdelingen mit den Bauarbeiten, die Firma Neisius aus Düdelingen mit den Malerarbeiten und das Atelier Linster aus Bad Mondorf mit der Anfertigung der Kunstverglasungen im Treppenhaus beauftragte. Die Bauarbeiten dauerten zwei Jahre. Der Neubau wurde dann am 5. Juni 1932 von Bürgermeister Emile Ludwig und den Schöffen Eugène Conrad und Nicolas Biever eingeweiht.

Heute hat dieses Gemeindehaus eine sichtbare Erinnerung an Zeiten, die nur wenige Jahre nach der oben erzählten Einweihung viel Leid brachten. Wer auf dem Gemeindeplatz steht und sich die Fassade bis zum Stadtwappen ganz oben über dem Rathausbalkon anschaut, wird es schnell entdecken: Ein Makel, Überbleibsel, Einschußlöcher, direkt neben der Rathaus-Uhr. Absichtlich nicht entfernt und repariert, um ein besonderes Andenken zu bewahren an den 1. September 1944.

An jenem Tag nämlich dachten die Einwohner von Düdelingen, sie hätten die finsteren Jahre der Nazi-Besatzung überstanden, seit deutsche Truppen am 10. Mai 1940 einmarschiert waren und strömten auf eben jenen Gemeindeplatz, auf welchem sich der imaginäre Betrachter gerade befand und die Rathausuhr betrachtete.
Die deutschen Truppen hatten Düdelingen bereits in Richtung Osten verlassen, nicht ohne zuvor noch schnell die Gemeindekasse zu plündern und In freudiger Erwartung der aus Süden, von Volmerange herannahenden US-Truppen, die jeden Moment eintreffen müßten, war das Stadtzentrum voll von Menschen, um die Befreier willkommen zu heißen, ohne zu ahnen, daß die Gerüchte über die nahenden Befreier nicht korrekt waren. Die US-Truppen waren längst noch nicht in der Region.
Am Tag darauf wurde allenthalben die jahrelang verbotene Nationalflagge gehißt, deutsche Straßenschilder heruntergeholt, Nazi-Symbole verbrannt und die Glocken der Pfarrkirche läuteten anläßlich der vermeintlichen Befreiung. Abermals hatten sich tausende Menschen versammelt. Jetzt bald müßten die US-Soldaten doch kommen.

Doch es kam ganz anders: Am Mittag plötzlich kamen zwei Lkw der Waffen-SS durch die »Niddeschgaass« (Avenue G-D Charlotte) gefahren, die jahrelang »Adolf-Hitler-Straße« hatte genannt werden müssen. Die deutschen Soldaten schossen auf die Menge und auch auf die ebenfalls am Rathaus wieder gehißte Nationalflagge. Dabei sorgten einige Geschosse dafür, daß das Eck oberhalb der Rathaus-Uhr noch heute so aussieht. Das gute Ende kam für die Düdelinger erst eine zermürbende Woche später: die »Amis« waren da, die Nazis weg. Der zerschossene Bogen an der Rathaus-Uhr bleibt mahnend zurück.

Ein kurzer Grusel, eine Fortsetzung und ein Tamagotchi-Spiel
Als die britische Science-Fiction-Serie »Black Mirror« im Jahre 2013 mit ihrer ersten Staffel bei Netflix aufschlug, schaute ich eher semi-neugierig mal rein, was das wohl sein mag. Mich interessieren dystopische Zukunftsvisionen und Science-Fiction seit je her, nur leider ist vieles, was in der Streaming Welt diese Bezeichnung trägt, eher Schrott.
Wir erinnern uns, daß die erste Staffel seinerzeit lediglich 3 in sich abgeschlossene Kurzgeschichten umfaßte, darunter in »Der Wille des Volkes« die Entführung der britischen Prinzessin Susannah, für deren Freilassung die Entführer forderten, der Premierminister müsse live im TV mit einem Schwein Sex haben. Ein irritierender Thriller, der »Black Mirror« sofort im Kopf verankerte.
Auch die beiden nachfolgenden Filme der ersten Staffel mit »Das Leben als Spiel« sowie »Das transparente Ich« verstörten mit ihren Zukunftsvisionen einer völligen Auslieferung des Menschen in die Welt moderner Technologien im negativen Kontext.
Die nachfolgenden Staffeln werden dann länger und sind weiterhin durchaus immer wieder mit dystopischem Content versehen. Insbesondere »Böse neue Welt« hat mich enorm fasziniert. Auch »Abgestürzt« aus Staffel 3 fand ich extrem bedrückend. Eine Phantasie in einer Welt, in der Menschen nach ihrem Social Ranking beurteilt werden und dementsprechend belohnt oder bestraft werden, die in Asien bereits bis zu einem gewissen Grad Realität geworden ist und auch bei uns auf die ein oder andere Weise immer näher rückt.
In »Männer aus Stahl« macht eine private Militärorganisation in Dänemark Jagd auf Mutanten, sogenannte »Kakerlaken«. Eine ethnische Säuberungsaktion durch Soldaten eines Eugenik-Programms. Dies sind Episoden, die mir besonderes gefallen haben, und ja: Auch »U.S.S. Callister« aus der vierten Staffel gehörte irgendwie dazu.
Daß es nun in Staffel 7 eine Fortsetzung dazu gibt, fand ich grundsätzlich nicht schlecht, nur im Gegensatz zu den dystopischen Gesellschaftskritiken der genannten Episoden wirkt die Handlung zu phantastisch-abgehoben mit dem im Kern von »Infinity« sitzenden Klon von Robert Daly. Irgendwie war in der Fortsetzung für mich der Lack ab und auch das, was »Black Mirror« für mich ausmachte, nicht mehr wirklich vorhanden. Das findet sich meines Erachtens in der siebten Staffel eigentlich nur noch in der ersten Episode, die wieder deutlich mit dystopischen Zukunftsvisionen spielt, wenn Amanda und Mike an »Rivermind« und seinen Abo-Fallen zerbrechen. Das kalte Abo-Geschäft mit dem Leben läßt gar nicht kalt und den Zuschauer am Schluß schockiert zurück.
Demgegenüber konnten mich die restlichen Episoden zwar hier und dort interessieren und neugierig machen, jedoch immer nur bis zu einem bestimmten Grad. Der Funke sprang am Ende dann doch nicht über. Ein netter Gimmick ist die Episode »Spielzeug«. Die Episode zum Spiel »Thronglets« oder auch umgekehrt. Denn passenderweise wurde eine Smartphone-Version des Spiels, das eine Art Tamagotchi-Verschnitt darstellt, in dem kleine Wesen gefüttert, gewaschen und amüsiert werden müssen, zeitnah ebenfalls auf Netflix veröffentlicht. Hier überzeugten mich in erster Linie die Passagen des Cameron Walker über die Gesellschaft und die Natur des Menschen. Der Rest wirkt eher wie eine um das Game herum zusammengezimmerte Story. »Hotel Reverie« sehe ich eigentlich ähnlich: Eine Story, die über eine Reihe von Spezialeffekten gelegt wurde und in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt wirklich gezündet hat. Was jedoch ohne Frage geblieben ist, sind die überzeugenden Schauspieler.
Vielleicht ist weniger doch mehr und »Black Mirror« sollte sich wieder mehr auf seine Ausgangsidee konzentrieren. Gerne warte ich einige Zeit auf „nur“ 3 neue Episoden, die es aber dafür wieder durchgängig in sich haben.

(Foto: Wikipedia)